Google ist mal wieder fleißig und hat eine ihrer Dokumentationen aktualisiert. Die URL Structure Guidelines spezifizieren, welche Zeichen seitens Google in URLs unterstützt werden – und welche nicht.
Status Quo checken, keine voreiligen Schlüsse ziehen
Ein guter Zeitpunkt also, um einen Abgleich mit dem Status Quo Deiner Website zu fahren – und falls erforderlich, über Anpassungen nachzudenken.
Vorweg aber erstmal der Hinweis: In der Regel empfehlen wir nicht, einfach nur aus mehr oder weniger ästhetischen Gründen an einer bestehenden URL-Struktur rumzuschrauben (auch wenn wir große Fans schöner und sprechender URLs sind).
Denn den Rattenschwanz an Folgen hinterher zu ziehen lohnt sich nur, wenn es wirklich gute Gründe für die Änderungen an den URLs gibt. Auch wenn es für Nutzer\*innen kaum einen Unterschied macht, solange wir richtig weiterleiten: Google muss jedes Mal, wenn eine URL weitergeleitet wird, dies erstmal verstehen, verarbeiten und akzeptieren, indem die URL in der SERP ausgetauscht wird und die Rankings der alten auf die neue Adresse wandern.
Dabei besteht leider immer ein kleines Risiko, die Performance nicht 1:1 übertragen und mitnehmen zu können. Außerdem wollen wir Google ja nicht unnötig mit solchen Prozessen beschäftigen. Obendrein wird es irgendwann ziemlich unübersichtlich, was denn nun wie lange wohin weiterleitet und bis wann dies so sein soll (damit hatte sich Jolle ja unlängst beschäftigt) – vor allem, wenn sich dabei Ketten von Redirects entwickeln.
URL Best Practices von Google
Aber zurück zur URL Structure Guideline von Google.
"Google supports URLs as defined by RFC 3986. Characters defined by the standard as reserved must be percent encoded. Unreserved ASCII characters may be left in the non-encoded form. Additionally, characters in the non-ASCII range should be UTF-8 encoded."
Dieser Teil ist wichtig, weil er die technische Basis definiert, auf der Google arbeitet.
Interessant ist hier übrigens der Unterschied zur deutschen Variante – da ist das Intro eher wischi waschi:
"Die URL-Struktur einer Website sollte so einfach wie möglich gehalten sein.
Organisiere deine Inhalte am besten so, dass URLs logisch und in einer Weise aufgebaut sind, die Nutzer lesen und verstehen können."
Wie so oft lohnt es sich also, sich primär auf die englischsprachige Version der Doku zu konzentrieren.
Darauf folgen eine Reihe von Empfehlungen, die auch, was sehr hilfreich ist, mit Beispielen angereichert sind. Und auch oftmals einen Zusatz wie "wenn möglich" haben. Also wenn etwas nicht machbar ist (oder übertrieben aufwändig zu implementieren) – kein Ding, davon geht die Welt nicht unter.
Ich habe die Liste an Empfehlungen von Google mit unseren Regeln für URLs abgeglichen und konsolidiert.
Unser URL-Struktur Cheat Sheet
Wir empfehlen, alle URLs möglichst kurz, sprechend, zeitlos und analysefreundlich zu gestalten. Je besser dies gelingt, umso nachhaltiger, langlebiger und skalierbarer ist die Struktur.
Folgende Vorgaben sollten unserer Empfehlung nach erfüllt sein:
- Einhaltung der "1 Inhalt = 1 URL"-Regel
- Nutzung erlaubter Zeichen
- Buchstaben: abcdefghijklmnopqrstuvwxyz
- Ziffern: 0123456789
- Trenner:
- \- Hyphen für Worte
- / Slash für Verzeichnisse
- . Punkt für Dateiendungen
- Sprungmarken: # Raute
- Parameter:
- ? Fragezeichen
- = Gleichheitszeichen
- & Kaufmännisches Und
- Sonstiges: , Komma
- Verzicht auf Großbuchstaben
- Umwandlung von
- ä, ü, ö und ß zu zu ae, ue, oe und ss
- Sonderzeichen wie : Doppelpunkt oder ! Ausrufezeichen zu - Hyphen
- Reduktion mehrerer aufeinanderfolgender - Hyphen auf 1
- Gestaltung von Parametern möglichst sprechend
Das deckt sich mit den Empfehlungen aus den URL Structure Best Practices von Google. In den Guidelines empfiehlt Google:
-
Verwendung einfacher und beschreibender Wörter in den URLs
-
Verwendung lokalisierter Wörter in den URLs (also in der jeweiligen Sprache des Inhalts mit entsprechenden Übersetzungen auch innerhalb der URL bei mehrsprachigen Websites)
-
Verwendung von UTF-8 Codierung, beispielsweise für arabische oder chinesische Zeichen oder Emojis
Analog dazu wird von der Verwendung von Non-ASCII-Zeichen klar abgeraten (also beispielsweise arabische oder chinesische Zeichen oder Emojis). Das gleiche gilt für die Nutzung unlesbarer und langer IDs innerhalb von URLs.
Für internationale Websites wird die Verwendung länderspezifischer TLDs (domain.de) oder Unterverzeichnisse (domain.com/de/) empfohlen – was aus unserer Sicht ebenfalls sinnvoll ist. Interessant an dieser Stelle, dass die dritte denkbare Variante, eine Subdomain (de.domain.com), nicht aufgeführt und somit seitens Google offenbar nicht empfohlen wird (auch wenn diese Option in einem anderen Guide weiterhin gelistet wird).
Auch die von Google in der Guideline aufgeführte Nutzung von - Hypen als Trenner entspricht unserer Empfehlung. Vom Einsatz von _ Underscores wird explizit abgeraten, genauso wie vom Verbinden mehrere Wörter zu einem durch Verzicht auf ein Trennzeichen.
Mehr Lesestoff zu URLs
Einen Blick wert ist übrigens auch die Auflistung typischer Probleme, denen Google immer wieder begegnet und den vorgeschlagenen Lösungsansätzen. Mehr von uns zum Thema URLs findest Du beispielsweise in...
-
Ausgabe 151 von Nora: "Hash-URLs vs. Parameter-URLs – Das sind die Unterschiede"
-
Ausgabe 75 von Johan: "URL-Länge ist theoretisch unbegrenzt. Praktisch sind gute URLs entscheidend."
-
Ausgabe 67 von Johan: "SEO House Talk Runde "Überbewertete SEO Themen"" → Sprechende URLs und URL-Strukturen
Außerdem möchte ich Dir noch "Cool URIs don't change" von keinem Geringeren als Tim Berners Lee himself ans Herz legen.
Aber echt jetzt: Keine Panik!
Denk dran – jetzt nicht in Panik verfallen und wild irgendwelche Änderungen anschubsen. Nur, wenn es wirklich notwendig ist. Dann natürlich wohlüberlegt agieren und nicht übermorgen feststellen, dass es so oder so doch besser gewesen wäre.
Wenn Du Dir unsicher bist, ob denn nun Handlungsbedarf besteht und wenn ja, wie Du da am besten ran gehst – meld Dich bei mir und gemeinsam bringen wir das auf Spur!