Wir tun es trotzdem: Cloaking.
Sobald dieses Wort fällt, bleibt gefühlt kurz die Zeit stehen. Die ganze Branche lässt alles stehen und liegen, Dinge fallen runter, und über den Köpfen bildet sich in großen Lettern ein „ABER DAS DARF MAN DOCH NICHT – DAS IST DOCH VERBOTEN??!"
Auch Google stellt Cloaking unter Strafe. Cloaking bezeichnet die Methode, unterschiedliche Inhalte für Nutzer\*innen und Suchmaschinen darzustellen. Ziel dabei ist es, die Suchergebnisse zu manipulieren und Nutzer\*innen in die Irre zu führen. Also gehört Coaking ganz klar zu den Blackhat-SEO-Praktiken. Daher ist es auch vorherrschend verpönt und gilt auch als benutzerunfreundlich.
Google selber sagt, sie strafen die Seite im schlimmsten Fall mit Deindexierung ab. Doch SEO wäre ja nicht SEO, wenn man das nicht mal testen und auf den Prüfstand stellen würde. Und somit hat Oliver Mason von ohgm sich dem Thema mal angenommen und kurzerhand seinen Blog gecloaked.
Entsprechend hat er der Suchmaschine die üblichen Inhalte, den Nutzer\*innen jedoch lediglich für einen Monat Folgendes angezeigt:

Olivers Ziel war dabei zu schauen, wie sich dieses Cloaking auf seine Sichtbarkeit auswirkt. So wollte er herausfinden, welche Auswirkungen das Experiment hat und ob Google sein Cloaking bemerkt und entsprechend abstraft.
Die Ausgangslage für das Projekt ist also, den Blog für einen Monat zu cloaken, der zum Testzeitpunkt relativ konstanten Traffic hat – den Nutzer\*innen also keine Inhalte anzuzeigen, der Suchmaschine diese jedoch zugänglich zu machen.
Vermutungen, welche Szenarien eintreten könnten:
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Google wird innerhalb eines Monats das sehr offensichtliche Cloaking erkennen. Sobald dies geschieht, werden aufgrund der offensichtlichen Verletzung der Richtlinien organische Klicks und Sichtbarkeit auf nahezu Null abfallen.
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Google hat keine automatisierten Überprüfungen implementiert und es handelt sich nur um einen Mythos. Das Cloaking funktioniert also weiterhin, und der Traffic bleibt normal, mit üblichen Schwankungen.
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Es gibt automatisierte Überprüfungen, aber das Experiment endet, bevor die Website erwischt wird. Es passiert nichts, aber es würde passieren, wenn man es für sechs weitere Monate laufen lassen würde.
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Das Cloaking wird funktionieren, aber der Traffic wird abnehmen. Es wird allmählich, statt plötzlich passieren.
Die Auflösung:
Es ist die vierte Variante. Der Traffic nimmt langsam, aber sicher ab. Kein plötzlicher Abfall, die Indizierung bleibt stabil. Es scheint also kein automatisiertes Prüfungsverfahren durch Google zu geben, welches Cloaking aufspürt und die Betreiber direkt und umfassend abstraft oder es hat hier nicht gegriffen.

Die Erkenntnis ist zwar interessant, aber nicht weiter verwunderlich. Spannend ist jedoch folgender Verlauf der Klick-Kurve, noch während das Experiment läuft:

Oliver Mason führt diese Entwicklung jedoch nicht auf sein Experiment zurück, sondern auf ein eventuelles Core-Update. Er stellt ebenfalls heraus, dass es nicht möglich sein wird, die genaue Ursache für diesen Anstieg zu ergründen.

Allerdings freut er sich, dass der anschließende schnelle Absturz, der dort zu sehen ist, wahrscheinlich erneut darauf hindeutet, dass die menschlichen Signale (zumindest eine kleine) Wirkung haben.
Wir sehen also, Cloaking wird suchmaschinenseitig nicht sofort erkannt und auch nicht direkt abgestraft. Vielmehr war es die fehlende Nutzerinteraktion und hohe Absprungrate, die den Traffic hat sinken lassen.
Und?
Führt Cloaking bei Dir noch immer zu einem "Alle-sind-sich-einig-dass-dies-schlecht-ist-warum-würdest-du-das-tun?"-Gefühl?