Wenn Du unser SEO Spiel "Och Menno! GUUHGL - Wie viel Schmerz kann ein SEO ertragen?" kennst, weißt Du: Relaunches scheinen häufig weh zu tun. Alleine bei der Erwähnung "Wir planen einen Relaunch" stellen sich oft die Nackenhaare auf.
In der Theorie kann alles noch so gut durchgeplant sein. Die Erfahrung zeigt: Es geht fast immer – einige sagen immer – etwas schief. Obwohl es glasklar ist, dass Weiterleitungen die wichtigste Komponente eines erfolgreichen Relaunches sind (wenn es zu Änderungen an den URLs kommt), passieren hier nach wie vor die meisten Fehler.
Wenn SEO im Unternehmen nicht stark verankert ist, werden die Weiterleitungen vielleicht vergessen oder nicht eingerichtet – weil "ist ja nicht so schlimm", Google kriegt das schon hin. Beim Schreiben habe ich Schmerzen gespürt und Du vermutlich beim Lesen. 😂
Wenn nach dem Go-Live Traffic und Sichtbarkeit einbrechen
Falls Du mal einen Einbruch der Sichtbarkeit hast, hat Nora eine feine Liste dazu verfasst, wie Du vorgehen kannst. Bei einem Relaunch sind alle in Wachsamkeit, so dass deutlich schneller reagiert werden kann. Aber was ist, wenn Tools wie der Screaming Frog sagen: "Passt", wir aber sehen, es passt nicht?
Von so einem Case zu fehlerhaften Weiterleitungen hat Alexander Außermayr auf LinkedIn berichtet. Es wurde auf die Standards geachtet:
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Kein Block via robots.txt
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Kein ungewolltes noindex
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Kein kaputtes hreflang/Canonicals
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Content wurde größtenteils beibehalten
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301-Weiterleitungen eingerichtet und getestet
Trotzdem hat sich die Sichtbarkeit so entwickelt:

Noch ein Beispiel für einen harten Verfall der Sichtbarkeit
Als SEO kennst Du das – man stöbert gerne und schaut sich um, wenn einem etwas auffällt. So ging es mir auch, als ich die folgende Domain (roter Sichtbarkeitsgraph im Screenshot) entdeckt habe. Dort gab es Ende 2022 eine Domain-Migration und mindestens für einige Wochen freien Fall in der Sichtbarkeit.

Vor einigen Wochen hat Annemieke eine Studie zu Domain-Migrationen vorgestellt. Das Ergebnis: Oft dauert es lange, auf das Niveau vor der Migration zu kommen, wenn das überhaupt gelingt. Das sieht man auch in dem Beispiel im Screenshot.
Für einen gewissen Zeitraum gab es Probleme bei den Weiterleitungen oder sie wurden komplett vergessen. Dann geht es mit der Sichtbarkeit oft blitzschnell bergab. Kurios ist, dass Fragmente der alten Website noch live sind, wie z. B. eine "Variante" der Startseite. Daher gibt es auch nach wie vor Sichtbarkeit auf der alten Domain.
Fehler bei den Weiterleitungen sind fatal. Daher gehören nicht vorhandene, unvollständige oder fehlerhafte Weiterleitungen wichtiger URLs für mich definitiv auf eine "Showstopper-Liste".
Woran hat's gelegen?
Zurück zum ursprünglichen Case von Alexander:
Wenn man sowas vor die SEO-Lupe bekommt, tun die Augen weh. Aber der Fehler muss gefunden werden und das liebe ich an SEO – Detektiv spielen, nachforschen und graben, bis man den Übeltäter gefunden hat.
Das wurde probiert:
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Stichprobenprüfung im Browser, ob die Weiterleitungen funktionieren (inkl. DevTools)
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Crawl der Domain, um die Weiterleitungen großflächig zu überprüfen
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Blick in die Google Search Console: Anzahl 404er steigen an
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URL Inspection der GSC: Statt 301 sieht Google 404
Die alten URLs haben Google einen 404er reingedrückt, die Tools und Nutzer*innen sehen eine 301-Weiterleitung. Der Teufel lag im Detail: Eine fehlerhafte Geoblocking-Einstellung am Server. Wenn Google aus den USA vorbeigeschaut hat, hat der Server einen 404 serviert, anstatt zu zeigen, wo die alte URL inzwischen hinführt.
IP-basierte Weiterleitungen bei internationalen Websites sind oft eine Problemquelle. John Müller hat sich dazu bereits häufiger in der Vergangenheit geäußert:
"I'd avoid redirects by IP location in most cases; it's easy to break indexing & frustrate users."
– John Müller
Auch das habe ich schon erlebt. Von heute auf morgen flogen alle Sprachvarianten außer der englischen US-Variante aus dem Index, da es zu einem kleinen Fehler bei der IP-basierten Weiterleitung kam und Google nur noch die englische Variante aufrufen konnte.
Wenn es nicht möglich ist, Fehler hier zu 99,9% auszuschließen, würde ich das lassen. Als Merksatz: Nein, nein, nein, lass' IP-basierte Weiterleitungen lieber sein.
Wie kann so etwas vermieden werden?
Um so ein Problem oder andere Überraschungen bei Redirects zu entdecken, kannst Du Dich absichern. Einer der schnellsten und einfachsten Wege: Prüfe Deine Weiterleitungen unmittelbar nach Go-Live in der GSC mit dem URL Inspection Tool. Damit kannst Du auch prüfen, ob Google die Inhalte korrekt rendert.
Das Tool ist ein geniales Schweizer Taschenmesser und ist von allen GSC-Funktionen mit eine der wertvollsten!
Um zu beobachten, wie Google Deine Weiterleitungen schluckt, lohnt es sich auch eine Sitemap mit den Weiterleitungen in der GSC einzureichen. Das gibt einen Überblick, was mit den alten URLs im Google-System passiert.
In den Kommentaren zum Post wurden weitere Tipps gegeben:
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Aufpassen bei einem CMS-Wechsel, wenn es alte Weiterleitungen gibt, von dem das neue System nichts weiß
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Redirects nach entsprechendem (RFC 2616) Standard einrichten und lieber absolute URLs statt relative verwenden
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Wenn vorhanden: Logfiles prüfen
Aber: Das wäre sofort aufgefallen, wenn man die URL Inspection stichprobenartig gemacht hätte.
Das zeigt auch: Es muss nicht immer eine komplizierte Lösung sein, um den Fehler zu finden.