Google steht weiterhin unter Beschuss durch das US-Justizministerium (DOJ). Erst kürzlich habe ich über die potenziellen Konsequenzen eines erzwungenen Verkaufs von Chrome geschrieben. Doch es gibt noch weitere Maßnahmen, die derzeit im Raum stehen: Google könnte gezwungen werden, den Platz als voreingestellte Suchmaschine gegen Bezahlung in vielen Browsern zu räumen. Allen voran in Apples Safari.
Safari denkt laut über Alternativen nach
Laut Aussagen des Senior Vice President of Services Eddy Cue prüft Apple, KI-Lösungen wie ChatGPT oder Perplexity als alternative Suchmaschinen einzubinden. Damit deuten sie an, sich von ihrem Deal mit Google über die Standard-Browserrechte wegzubewegen.
Apple hat zwar einen 20-Milliarden-Dollar-Deal mit Google über ihre Standard-Positionierung in Safari, den sie nicht verlieren wollen, allerdings müssen sie sich auch auf ein potenzielles DOJ-Urteil vorbereiten.
Grund für das Umdenken ist, dass das erste Mal die Anzahl der Suchanfragen über Safari gefallen ist (Google sagt, das stimme nicht). Apple geht davon aus, dass das auf den KI-Umschwung zurückzuführen ist. Noch sind viele Features der KI-Anbieter nicht ausgereift genug, damit Apple sie als Standardsuchmaschinen in Betracht zieht. Apple ist aber auch nicht abgeneigt.
Eddy Cue kann sich vorstellen, dass KI in naher Zukunft traditionelle Suchmaschinen wie Google ablösen wird. Sam Altman hingegen hat mit der Aussage überrascht, dass er nicht davon ausgehe, ChatGPT würde Google als DIE Suchmaschine ablösen.
Für Apple ist ein Umstieg von Google auch nicht weit hergeholt. Sie haben in der Vergangenheit bereits viel experimentiert, um ihre eigene Suchmaschine zu schaffen. Nachdem ein Forecast aber einen Einbruch von etwa 12 Milliarden USD in den ersten 5 Jahren berichtet hat, sollte sich Apple von Google trennen, haben sie das Thema erstmal auf Eis gelegt.
Mit dem jetzigen KI-Wandel und einem möglicherweise erzwungenen Wechsel von Google, könnten wir hier allerdings weitere Fortschritte sehen. Grundlagen für eine Suchmaschine hat Apple mit Siri und Spotlight bereits.
Wie groß wäre der Schlag für Google?
Safari hat zwar nicht die Reichweite von Chrome, aber dennoch einen plattformübergreifenden Marktanteil von über 17%. Konkurrenz um die Standard-Position in Apples Browser wäre ein empfindlicher Schlag für Google (+ ein Gerichtsurteil, das Apple untersagt, Geschäfte mit Google für den Default machen zu dürfen, wäre auch für Apple finanziell schlecht). Selbst wenn es nicht um einen vollständigen Ausschluss geht, sondern Google nicht mehr voreingestellt bleibt, stellt sich die Frage: Wie viele Nutzer:innen würden sich wirklich aktiv gegen Google entscheiden?
Eine Studie von Anfang des Jahres gibt Hinweise: Teilnehmende wurden dafür bezahlt, zwei Wochen lang Bing statt Google zu nutzen. Etwa 33% Teilnehmer:innen, die bis zum Ende teilnehmen, blieben anschließend freiwillig bei Bing. Zudem gaben 64% an, dass Bing besser sei, als sie erwartet hatten. Die Studie bezog sich allerdings ausschließlich auf etwa 2.500 Desktop-Nutzer:innen. Ein Feld, in dem Bing wesentlich stärker vertreten ist als mobil.
Dennoch zeigt die Studie, dass der wahrgenommene Qualitätsunterschied zwischen den Suchmaschinen nicht so groß ist, wie von vielen angenommen. Laut der Studie basiert Googles Vormachtstellung also nicht allein auf überlegener Qualität, sondern auf ihrer prominenten Positionierung.
Wahlfreiheit ist nicht gleich Wandel
Das Problem liegt aber nicht nur an Googles standardmäßiger Positionierung, sondern daran, dass viele Menschen andere Suchmaschinen nicht kennen und Alternativen keine Chance geben. Nur eine Wahlmöglichkeit beim ersten Öffnen von Safari würde Googles Marktanteil daher nur marginal ändern, da die meisten Nutzer:innen einfach wieder Google wählen würden.
Sollte Apple jedoch in der Zukunft eine KI-Suchmaschine wie Perplexity oder ChatGPT aktiv als neuen Standard einführen, würde das spürbare Auswirkungen haben. Spannend wäre dann zu sehen, wie viele Menschen aktiv zurück zu Google wechseln. Außerhalb des Rahmens einer festgesteckten Studie könnte das weit unter den 66% von Leuten liegen, die zurückwechseln.
Was heißt das für SEO?
Nachdem was wir bisher über SEO für LLMs (oder GEO, wie es einige schimpfen) wissen, funktioniert sie fundamental nicht anders, als normale SEO. Klar findest du dutzende Artikel, die Dir den Trick für easy LLM-Rankings versprechen: Weißer Text auf weißem Hintergrund, Listen, etc. Aber grundlegend sind saubere SEO-Basics immer noch Dein größter Hebel dafür.
Genauso sieht es bei Bing aus. Auch wenn wir manchmal unsere Differenzen mit Bing haben, funktioniert Suchmaschinenoptimierung hier ebenfalls genauso wie bei Google.
Ganz egal also ob:
- Safari als Standard eine KI-Suchmaschine einbaut
- Safari einen anderen Browser (bspw. Bing) wählt
- Safari den Nutzer:innen die Wahl der Suchmaschine gibt
für Dich sollte es weiter SEO as usual heißen, vor allem wenn Du hier viele offene Hausaufgaben hast.
Aktuell passiert so viel rund um Google, dass sich nicht vorhersagen lässt, was die Zukunft bringt. Aber aus genau diesem Grund solltest Du Dich auf das fokussieren, was Du heute kontrollieren kannst. Gute Inhalte auf einer sauberen technischen Grundlage schaffen und Nutzer:innen zufriedenstellen. Ganz einfach, oder?