Cleo hatte bereits vor einigen Wochen darüber berichtet: Ende Juli stieg Amazon überraschend aus den Shopping Ads aus. An vielen in der SEO-Welt mag das vorbeigegangen sein, immerhin hatte es keinen direkten Einfluss auf Rankings oder unsere tägliche Bubble. Für die gesamte Online-Marketing-Landschaft war es jedoch ein ziemlich großes Ding.
Für viele war die Mitteilung deshalb so spannend, weil ein Rückzug von Amazon vermeintlich mehr Platz für andere bedeutet. Und genau das zeigte sich auch klar in den Ergebnissen:
- Amazons Anteil in den Shopping-Ergebnissen sackte von rund 38 % in Deutschland und 60 % in den USA auf null.
- In nur zwei Tagen war der Riese praktisch verschwunden. Das Vakuum füllten sofort andere Händler, wie Temu oder Shein
- Viele Werbetreibende bemerkten spürbare Veränderungen in den Klickpreisen: In manchen Kategorien gingen die Klickpreise um 5–12% zurück, in anderen sogar um bis zu 30%.
Kurz gesagt: Amazons Rückzug hat den Wettbewerb spürbar entspannt und viele Onlineshops haben sich wahrscheinlich darüber gefreut. Zumindest für den Moment.
Seit etwa dem 25.8. weht der Wind jedoch wieder von einer anderen Richtung. Amazon ist zurück in den Shopping-Ergebnissen zu sehen. Allerdings bisher nur in Europa und anderen internationalen Märkten abseits der USA. In den Staaten scheint Amazon die Shopping Ads immer noch pausiert zu haben.
Nach der 31-tägigen Pause schoss Amazons Marktanteil in den Shopping Ergebnissen direkt wieder nach oben. In Europa wohl auf über 70%. Damit waren auch die CPCs schnell wieder auf altem Niveau. Händler:innen, die gerade noch von günstigeren Klicks profitierten, mussten sich wieder auf den gewohnten Preiskampf einstellen.
Was kann das also heißen?
Dass Amazon die Shopping Ads für genau 31 Tage ausgesetzt hat, klingt sehr nach einem Test. Warum sollte Amazon testen? Ein Grund könnten interne Berechnungen sein: Lohnt sich Shopping für sie wirklich? Wie wirkt sich ein kompletter Ausstieg auf Umsatz und Marktanteile aus?
Möglich ist auch, dass im Hintergrund Vertragsfragen eine Rolle spielten. Tech-Giganten schließen schließlich gerne Deals: Google zahlt Apple Milliarden dafür, die Standardsuchmaschine in Safari zu sein. Gut möglich, dass auch zwischen Google und Amazon gewisse Absprachen bestehen und ein einmonatiger Ausstieg war Amazons Versuch einer Reevaluierung.
Warum Amazon in vielen Ländern bereits wieder zu sehen ist, aber noch nicht in den USA ist schwer zu sagen. Möglicherweise haben sich die Shopping-Ergebnisse vor allem in anderen Ländern als profitabel herausgestellt. Durch die sehr E-Commerce lastigen SERPs und den AI-Mode wäre das vorstellbar.
Andere Quellen spekulieren auch, dass es sich bei Amazons Rückzug lediglich um eine Sparmaßnahme gehandelt haben könnte. Schließlich habe Amazon wohl bereits früher dieses Jahr angefangen, ihr Werbebudget für Google zu reduzieren. Ob es sich bei Amazons Rückkehr allerdings nur um einen weiteren Test handelt oder ob Amazon dauerhaft zurückkehrt, bleibt offen.
Was heißt das für Dich?
Falls Du in diesem Zeitraum Schwankungen bei Deiner CTR beobachtet hast, könnte Amazons Abwesenheit ein Grund gewesen sein. Auch wenn wir die SEO und SEA oft getrennt betrachten, kann die Abwesenheit von Amazon durchaus Effekte auf Nutzer:innen haben.
Das Beispiel zeigt auch sehr deutlich, wie volatil die SERPs sein können. Große Player können innerhalb weniger Tage ins Nichts entschwinden und mit ihnen verschieben sich Sichtbarkeit und Wettbewerb. Eine Erinnerung, die SERPs für Deine wichtigsten Keywords immer im Auge zu behalten.
Auf der anderen Seite liefert Amazons Verhalten ein gutes Learning. Selbst die größten Giganten testen regelmäßig und sind bereit, Risiken einzugehen. Was hält Dich davon ab? Vielleicht blockiert uns manchmal nur die Verlustaversion. Wer aber testet (ob bei Meta-Descriptions, Snippet-Strukturen oder im Merchant Center) kann echte Wettbewerbsvorteile entdecken.
Ein weiteres Learning aus dem Amazon-Fall ist, dass Shopping-Anzeigen und Product Listings kein Nebenschauplatz, sondern ein zentrales Spielfeld sind. Amazon testet nicht umsonst in diesem Bereich. Die Präsenz in den Product Listings entscheidet oft darüber, wer die Klicks und letztlich die Umsätze bekommt. Und genau hier liegt auch für Dich enormes Potenzial.
Denn mit gezielter Arbeit am Product Feed kannst Du Dich von der Masse abheben. Gute Bilder, saubere Daten und strukturierte Informationen sorgen dafür, dass Deine Produkte häufiger und prominenter ausgespielt werden. Schau Dir diesen Artikel an, wenn Du noch 5 Tipps für die Optimierung Deines Produkt Feeds suchst.
Wer sich hier die Mühe macht, kann sich im Wettbewerb überraschend viel Sichtbarkeit und Traffic sichern. Auch gegen Riesen wie Amazon.