Google zieht das Tempo für Veröffentlichungen von AI Funktionen ordentlich an. Das ist schön, denn so kann ich in meine Glaskugel … äh Search Labs schauen und Dir von der nahen Web Guide Zukunft erzählen (Zumindest für Deutschland, in den USA ist es bereits Realität, so konnten wir es für Dich testen).
Dein Web Guide-Guide
Web Guide ist eine Ergebnisseite, die Suchtreffer automatisch in Themenblöcke sortiert und so die klassische Ansicht der “zehn blauen Links” aufbricht. Das funktioniert folgendermaßen: Jede Anfrage wird per query fan out in mehrere Teilfragen zerlegt, das Internet wird parallel durchsucht und die Suchergebnisse anschließend nach Themen gruppiert.
Aktiviert wird der Web Guide im Web-Tab von Google Search. Dort lässt sich auch mit einem Klick zurück in die gewohnte Listenansicht wechseln.
In Googles Beispielsuche “how to solo travel in Japan” erscheinen mehrere Rubriken mit je ein bis zwei sichtbaren Links sowie einem „More“-Menü für weitere Treffer. Ein anderes Suchbeispiel von “The Verge” nach “mango tree care” zeigt, wie die AI Nischenanfragen in Unterthemen wie Standorttipps und Problemlösungen zerlegt.
Je nach Inhalt ergänzt Google die Kästen um Thumbnails oder kurze Einleitungen. Es ist ein Layout, das sich nach den ersten Tests offensichtlich dynamisch anpasst.
Wenn dieses Feature auch hier verfügbar ist, bedeutet es, dass die SERPs diverser werden. Dort, wo das Feature aktiv wird, wird der Konkurrenzdruck höher. Auf der anderen Seite können Longtail-Rankings zu den spezifischen FanOut Queries mit diesem Feature vielleicht mehr Traffic generieren. Vielleicht wird es sich daher lohnen, für diesen Query-Fan-Out zu optimieren. Wenn das Feature zu uns kommt, werden das Monitoring und die Optimierung eine zusätzliche Komplexitätsebene bekommen. Die Position als Metrik wird an Bedeutung verlieren, da wir die Position nicht mehr einer Query konkret zuordnen können. Ein Position 5 Ranking kann bedeuten, dass Du für eine der Fan-Out Queries eigentlich auf 1 rankst. Gleichzeitig ist die CTR der Top-Ergebnisse vermutlich gesenkt, zugunsten der CTRs auf den jeweiligen Top Ergebnisse der Blöcke. Die Zielmetrik Klicks wird die Gleiche bleiben, aber Du kannst sie in Zukunft pro Landingpage vielleicht über mehr Keywords zum gleichen Thema erreichen. Deine Konkurrenz aber auch…
Der Virtual try-on try-out
Parallel modernisiert Google den Shopping-Bereich: Das im Mai vorgestellte Virtual Try-On verlässt die Lab-Phase und startet in den USA. Mithilfe eines Ganzkörperfotos ist es nun möglich, Kleidungsstücke virtuell anzuprobieren. Philipp hat es für uns schon getestet und dank seines Kommentars “teilweise kommen gruselige Fotos dabei raus”, freue ich mich sehr darauf, Virtual Try-On selbst zu testen. Neugierde und Sensationslust sind ein starker Antrieb. Aber nein, diese Bilder zeigen wir Dir nicht. Das musst Du schon selbst testen. Die daraus entstehenden Bilder werden jedenfalls gespeichert und sind wieder aufrufbar. Per “Buy Now” geht es direkt in den Checkout.
Die Preisalarme wurden verfeinert: Größe, Farbe und Wunschpreis lassen sich festlegen, und Google meldet Preisreduzierungen dann automatisch. Hinzu kommt das Checkout-Feature “Buy for me”: Nach Bestätigung der Daten übernimmt Google Pay den Kauf direkt beim Händler.
Die große Frage ist natürlich, wie gut die gruseligen Bilder bei den Kunden ankommen und wie gut der Virtual Try-On tatsächlich funktioniert. Wenn die AI zu sehr schmeichelt, steigt vielleicht die Conversion-Rate nur, wenn Du Retouren mit einbeziehst. Am Ende steigt der Gewinn nur, wenn Du mehr verkaufst und nicht wenn Du nur mehr Retouren bearbeiten musst. Angenommen, der Virtual-Try-Out setzt sich durch, dann werden Produktbeschreibungen noch unwichtiger, als sie es schon heute sind. Stattdessen wird es in Zukunft eine neue Anforderung für Produktbilder sein, das Optimum zwischen Conversion und Retouren Quote im Virtual Try-Out zu erreichen.
In diesem Sinne: Frohes Shoppen!