Mit Bada Boom Bada Bang ist nicht nur Björn Darkos Rap auf der SEOkomm eingeschlagen, sondern auch das geballte Fachwissen der Speaker:innen. So wie einige meiner Kolleg:innen, möchte ich Dir heute ein wenig davon mitgeben.
Stephan Czysch hielt einen Vortrag “Einfach einfach", in dem er an SEOs appellierte, sich wieder auf die Basics zu besinnen. Eines dieser Basics ist zum Beispiel eine vollwertige Analyse, wie viel Deines Themenbereichs Du bereits abdeckst. Hast Du für Deine wichtigsten Keywords passende Landingpages? Und deckst Du auch bereits alle Variationen ab?
Beleuchtet hat er das für das Beispielthema “Kopfhörer” für Media Markt. Mit einer Site-Abfrage sieht man, dass Media Markt bereits etwa 120 Seiten für das Thema hat. Disclaimer: Das ist nur eine grobe Schätzung von Google, es könnten auch mehr oder weniger sein.
Überlegt man sich jedoch einmal, wie viele Keyword-Variationen es gibt, reicht das lange nicht. Stellt man sich zum Beispiel nur die Kombinationen von Marken, Farben und Eigenschaften wie “wasserfest” oder “kabellos” vor, könnte MediaMarkt laut Stephan wahrscheinlich recht realistisch das fünffache bedienen.
Einen Beleg dafür, dass MediaMarkt tatsächlich noch nicht für jede Kategorie die passende Landingpage hat, findet man schnell, z.B. durch eine Suche mit dem Keyword “Overear Kopfhörer”:
Bluetooth-Kopfhörer sind für Menschen, die nach “Overear Kopfhörern” suchen, wahrscheinlich nicht die relevantesten Produkte.
Eigentlich ist so eine Recherche nichts neues, aber wir SEOs tendieren dazu, uns von dem neuesten, glitzernden Trend der Szene ablenken zu lassen. An dem Beispiel erkennt man, was für ein großer Hebel Basics sein können. Anhand dieses Beispiels kann man aber auch gut das wahrscheinlich größte Thema der gesamten Konferenz beleuchten.
Denn wie setzt man diese Mehrcontent-Kreation am besten um? Natürlich mit KI.
Auf dem Abschlusspanel haben sich Bastian Grimm, Irina Hey und Kevin Indig relativ einstimmig für den Nutzen von Programmatic-SEO ausgesprochen. Also dem Nutzen von KI für SEO, um großflächig Landingpages zu erstellen.
Aber halt, “Das ist doch Spam!” denkst Du Dir dabei vielleicht.
Und ja, ganz leugnen kann man diese Aussage nicht. Der Content, der dabei herauskommt, bewegt sich dicht an der Grenze zu Spam. Allerdings ist der "Spam", den eine gut eingestellte und mit vernünftigen Daten gefütterte KI für dich schafft, nicht der gleiche Spam, den wir von Standard-KI gewohnt sind.
Gute Programmatic-SEO führt zu “mittelmäßigem Content”. Der Content ist in den meisten Fällen nicht komplett unbrauchbar, es ist allerdings auch kein großartiger Content. Die Qualität reicht nicht, um diese Texte auf Deinen wichtigsten Seiten für Deine wichtigsten Themen einzubinden. Mittelmäßiger Content ist allerdings besser als gar kein Content. Vor allem für große Unternehmen.
Spielen wir den Gedanken einmal am Beispiel von MediaMarkt weiter. Gehen wir davon aus, dass sich aus der Themenrecherche 400 potenzielle neue Kategorien auftun. Kapazitäten sind aber schneller weg als Klopapier während der Corona-Zeit. Statt diese Kategorien gar nicht umzusetzen, könnte man ebenfalls anfangen, KI-Texte einzubinden.
Nochmal: KI-Texte sind bisher noch nicht auf dem Level, dass sie wirklich auf Deine wichtigsten Hauptseiten integriert werden sollten. Da waren sich die Speaker:innen der SEOkomm einig. Um schnell und ohne viel Aufwand viele neue Themen zu bedienen, funktioniert es allerdings.
Spätestens an dieser Stelle könntest Du jetzt Deinen zweiten “Halt, warte mal!”-Moment haben. Das Erstellen von haufenweise mittelmäßigem Content kann doch nicht gut für die Gesamtqualität meiner Seite sein? Was ist denn mit Content Prunning?
Das war ebenfalls ein Thema, welches auf der SEOkomm des Öfteren aufgegriffen wurde. Lustigerweise sogar mitunter in Stephans Vortrag. Ähnlich wie Du es von Deiner Domain kennst, sind meist nur wenige Seiten für den Großteil deines Traffics verantwortlich. Zusätzlich dazu erhöht das Entfernen von Seiten mit niedriger Qualität meist die Gesamtqualität Deiner Domain und somit das Ranking Deiner wichtigsten Seiten.
Wie passen also die Thesen “Mittelmäßiger Content ist besser als gar kein Content” und “Weniger ist mehr” zusammen?
Die Antwort ist quasi die SEO-Version von 42: It depends.
In einer idealen Welt gehst Du beide Prozesse zusammen an. Du deindexierst all deine Schrott-Seiten um deinen anderen Seiten einen Uplift zu geben. Gleichzeitig erstellst Du neuen Content um Dein volles Themen-Potenzial auszuschöpfen. Allerdings ist hier Kontrolle und Beobachtung wichtig.
Wenn Deine ganzen neu erschlossenen Themenseiten ebenfalls anfangen, in den leblosen Teil Deiner indexierten Seiten zu rutschen, bleiben auch diese nicht von Säuberungsmaßnahmen verschont. Wenn sie auf der anderen Seite allerdings anfangen sich zu beweisen, kannst Du versuchen, diese mittels händischer Optimierung in die Reihen Deiner Traffic-Treiber einzugliedern.
Allerdings solltest Du Themen wie Programmatic-SEO erst angehen, nachdem Du Deine Basics abgedeckt hast. Sonst lenken Trends Dich nur von dem, was wirklich wichtig ist, ab. Quasi die Quintessenz von Stephans Vortrag.
Je nach Fall kann es sich zum Beispiel mehr lohnen, die Zeit, welche Du in die Erstellung der 400 Seiten steckst, lieber in eine vernünftige Seite zu stecken. Was bringen dir 400 Rankings auf Seite 2, für Keywords mit mäßigem Suchvolumen, wenn du auch ein Top 3 Ranking für einen für Dich sehr relevanten Begriff haben kannst?
Fazit ist also, dass Du nicht einfach blind mit ChatGPT massenhaft neue Inhalte erstellen solltest. Manchmal mag es Sinn machen. Manchmal lohnt sich die alte Methode mehr. Allerdings ist die Tatsache, dass es mittlerweile möglich ist, Programmatic-SEO erfolgreich zu nutzen, etwas, dessen Du Dir bei Deiner Strategiesetzung bewusst sein solltest.
Ebenso solltest Du Dir allerdings auch folgende Punkte bei Deiner Strategieentwicklung im Hinterkopf halten:
- Basics sind nie verkehrt
- KI ist kein Allheilmittel
- Du solltest KI nutzen um Deine Prozesse zu beschleunigen
Weitere Einsichten in die SEOkomm gibt Dir Nils in seinem Artikel.