HREFLANG ist ein Horror.
Das Konzept ist großartig.
Aber die Unzahl an Fehlerquellen und Missverständnissen: Es ist einfach unendlich.
Nicht umsonst haben wir das Thema regelmäßig hier im Newsletter:
- Lars hat darauf hingewiesen, dass es bei HREFLANG gut ist, wenn die URL im GSC-Fehlerbericht Google selected Canonical different from webmaster canonical auftaucht. (Anita hatte dazu auch schon mal was geschrieben) (und 2022 hab auch ich dazu geschrieben.)
- Cleo hat in #274 5 beliebte HREFLANG-Fehler vorgestellt
- In #160 hatte ich von der Campixx 2023 berichtet, dass die SGE kein HREFLANG kann. Und die AI Overviews können es auch immer noch nicht (auch wenn ich in den letzten Wochen seltener Fehler sehe).
- Hannemann hat letztes Jahr einen Basics-Guide zu HREFLANG geschrieben
- Jolle hat im Canonical-Zusammenhang Boilerplate-Übersetzungen beschrieben
Aber ich mag nicht mehr.
- Dass die komplette Funktion von HREFLANG nicht innerhalb der GSC analysiert werden kann, damit habe ich mich abgefunden. Es ist ja auch nicht so kompliziert, mit Valentin.app Spot-Checks zu machen und mit Sistrix das große Ganze zu validieren.
- Dass ich den Traffic bei funktionierendem HREFLANG nach Ländern und nicht nach URL analysieren muss, kann ich akzeptieren.
- Dass ich bei jeder Implementierung Fehler finde, weil nicht existierende Länder, Sprachen oder URLs verlinkt werden, die Rückbezüge nicht stimmen, oder noch etwas kaputt gemacht wird: Das ist ja noch nicht mal ein Bug, sondern eine Maßnahme zur Beschaffung von Consulting-Budget.
Aber: Google ist in den letzten Jahren immer zickiger geworden, was die inhaltliche Übereinstimmung des Contents angeht.
- Wenn de-de einen zusätzlichen Content-Block hat, den de-at nicht hat, dann erkennt Google das Duplikat nicht mehr.
- Wenn de-ch ein Wort austauscht, das in de-de nicht angepasst ist, dann funktioniert es nicht mehr.
- Und der aktuellste Fall: Durch Unterschiede im Cookie-Banner hat Google die Dokumente nicht mehr zusammengefasst.
Dieses Instrument ist einfach nicht mehr funktional.
Der Zweck von HREFLANG ist es, Variationen zwischen Länderversionen sicherzustellen.
Aber dieser Zweck wird nicht mehr erfüllt, wenn minimale Unterschiede im Content schon dazu führen, dass Google die Dokumente separat indexiert. Denn wenn das passiert, ist nicht mehr sichergestellt, dass der User die richtige Version sieht.
Dieser Zweck wird auch nicht mehr erfüllt, wenn wir daran glauben, dass ChatGPT mehr Volumen der Suche übernimmt. Für Google ist das Problem theoretisch noch lösbar. ChatGPT hat jedoch keine Chance, HREFLANG ohne eigenen Index vernünftig zu implementieren. Vor allem, wenn die Query-Fanout-Anfragen nicht regionalisiert werden.
So funktioniert das HREFLANG nur mit sehr hohem Aufwand. Und das wiederum muss sich business-seitig lohnen. Und wenn trotz Aufwand keine individuelle Ansprache funktioniert, sollte das dann der Tod für lokalisierte Landingpages sein?