Eigentlich™ bin ich nicht der Vorsatz-Typ. Wenn mir jemand von Neujahrsvorsätzen erzählt, dann klingelt bei mir immer Rainald Grebe im Kopf:
Wahre Schönheit kommt von innen, kann man jederzeit mit beginnen!
Für Vorsätze braucht es kein neues Jahr, um damit anzufangen. Im Gegenteil: Wahrscheinlich ist es sogar schlauer mit der Korrektur von Dingen, die einen stören, sofort anzufangen und das nicht auf die lange Bank zu schieben.
Trotzdem wissen wir SEOs, dass Vorsätze ein Ding sind:
- Ab dem 25.12. um 09:00 Uhr liegt das Suchvolumen für Abnehmen über Keksen. Richtig los geht es aber erst ab dem 01.01.
- Ab der ersten vollen Arbeitswoche beginnen Menschen damit, die Unzufriedenheit mit ihrem Arbeitsplatz anzugehen.
- Vorher aber muss noch die Kreuzfahrt geplant…
- … und die Wohnsituation verbessert werden.
- Eigentlich™ ist der Januar auch der Auftakt der Schwangerschafts-Saison. Allerdings scheint das nicht mehr zu gelten. Das liegt aber nicht an einem Corona-Knick, wie man erwarten könnte. Vielleicht verlagert sich das Informationsbedürfnis zu den KI-Agenten. (Oder Menschen in Deutschland haben einen geringeren Informationsbedarf zu Schwangerschaften).
Wir wissen auch, dass Menschen oft Vorsätze nicht für sich, sondern für andere formulieren. Aber das nur als Sidenote.
Was nehme ich mir also für das neue SEO-Jahr vor, obwohl ich Dinge lieber sofort angehe:
- Weniger LinkedIn konsumieren (gilt auch für alle anderen Netzwerke, aber LinkedIn ist das einzige, auf dem ich noch halbwegs aktiv bin).
- Fragwürdiges nicht unhinterfragt lassen. Zu oft sehe ich idiotische Ideen, fragwürdige Fehlschlüsse oder interessante Inkonsistenzen zwischen Screenshot und Botschaft. Das dürfen wir nicht stehen lassen. Wenn wir Dinge unkommentiert lassen, dann nehmen alle um uns herum an, dass der Post schon Recht hat. Das bringt uns aber nicht weiter. Diskurs und Fortschritt sind nur mit kritischer Nachfrage und offenem Austausch möglich. Davon wünsche ich mir dringend mehr.
- Nicht auf den Hype-Train aufsteigen, aber weiter forschen und verstehen. Der Hype-Train fährt zwar schnell und mit viel Energie, aber keiner weiß wohin. Ich glaube fest daran, dass stetige, bewusste Arbeit in kleinen Schritten mit klarer Richtung einen eher ans Ziel bringt, als schnell im Zickzack zu laufen.
- Indexierung > llms.txt: Indexiert zu bleiben ist schwer geworden. Dabei ist und bleibt Indexierung der wichtigste Treiber für SEO-Performance und auch für GEO ist Indexierung wichtiger als Ranking oder irgendwelche Spezial-Hacks. Gleichzeitig kriegt das Thema Indexierung immer weniger Liebe und Aufmerksamkeit. Das halte ich für falsch.
- Kennzahlen, Metriken, Steuerungsinstrumente bewusster einsetzen. Hier klafft eine große Lücke. Vieles, was wir messen wollen, können wir nicht messen. Anderes glauben wir nur messen zu können. Und an vielen Stellen verschwenden wir zu viel Zeit mit Messbarkeit und Messbarmachung statt mit Optimierung der eigentlichen Hebel.
- Annahmen systematisch falsifizieren. Korrelation und Kausalität sauber auseinanderhalten und schauen, ob die Argumentationsketten logisch sind, meine eigenen, aber auch die meines Gegenübers. Je hektischer alle werden, desto wichtiger wird es, Fokus zu legen. Dazu gehört auch öfter „Das weiß ich nicht“ zu sagen und dann systematisch zu erforschen, wie wir das hinbekommen.
- Technische Schulden sichtbar machen und abbauen. Ganz ehrlich: In den letzten Jahren habe ich häufiger Fünfe gerade sein lassen. Hat es einen Impact, wenn wir die Überschriftenstruktur ändern? Wird wirklich etwas besser, wenn wir den 302 zu einem 301 machen? Meist war die Antwort Nein und gleichzeitig die Implementierungskosten hoch. Das werde ich wieder weniger akzeptieren. Wenn Kleinigkeiten nicht umsetzbar sind, dann ist das ein Zeichen für Systemversagen. Und Systemversagen können wir uns nicht leisten, wenn wir in Zukunft schneller anpassungsfähig werden wollen.
- AI als Tool gezielt einsetzen. Ich nutze ChatGPT und Gemini viel. Über die API und über das Interface. 2025 habe ich eine gute Balance gefunden zwischen der Beschleunigung meiner Prozesse und der AI-Nutzung. Vor allem aber habe ich teilweise meine Ergebnisse qualitativ verbessert. Blinde Flecken sichtbar gemacht und Lücken geschlossen. Das will ich weitermachen. Denn ich glaube, wir machen uns viel zu wenig „weiter so“-Vorsätze: Hier bin ich auf einem guten Weg. Den muss ich weitergehen.
Was hast Du Dir vorgenommen?
Und noch wichtiger: Was lässt Du bewusst bleiben?