Das Thema AI-Suche wirft weiterhin viele Fragen auf. Neuerdings auch zum Thema Grounding Pages.
- “Was ist das?”
- “Brauche ich sowas?”
- “Was haltet Ihr davon?”
Das höre ich am häufigsten. Heute gibt es unsere Einschätzung zu dem Thema. Wenn Du keine Zeit hast, alles zu lesen, habe ich hier ein tl;dr für Dich:
- Der Kerngedanke hinter einer Grounding Page ist, dass AI weniger zu Deiner Marke halluziniert und AI-Chatbots (hoffentlich) akkurat über Dich sprechen.
- Grounding Pages lassen sich von Schema Markup differenzieren, da das Markup maschinenlesbare Fakten im Quelltext präsentiert, während die Grounding Page als HTML-Seite angedacht ist und mehr semantischen Kontext liefern kann.
- Die llms.txt ist nicht vergleichbar und stellt mehr eine Orientierung für AI dar (ähnlich zur Sitemap) – die llms.txt brauchst Du nicht.
- Wir haben einige Argumente identifiziert, die gegen eine Grounding Page sprechen – z. B. dass sie im Grounding nur wirken kann, wenn sie indexiert ist und es hier zu unterschiedlichen Herausforderungen kommt.
- Wir raten Dir also davon ab, eine Grounding Page aufzusetzen.
- Stattdessen empfehlen wir Dir an bekannten (oder stiefmütterlich behandelten) Themen zu arbeiten – dazu zählen Aspekte auf der eigenen Domain (z. B. Schema Markup) und Aspekte auf anderen Domains (z. B. Entitäten-Management auf WikiData und Wikipedia).
Wenn Du mehr Kontext brauchst, dann lies ⬇️ weiter.
Was ist eine Grounding Page und was ist der Gedanke dahinter?
Das Konzept kommt von Hanns Kronenberg und soll Unternehmen die Möglichkeit geben, die eigene Entität und damit verbundene Entitäten für AI-Systeme sauber zu definieren.
“Grounding Pages provide a stable foundation of machine-readable facts that AI systems can interpret reliably. This improves semantic stability, answer quality, and entity accuracy.”
Da AI probabilistisch ist, kommt es zu Unsicherheiten und Halluzinationen, wenn nicht ausreichend Material vorhanden ist.
“Grounding Pages reduce this uncertainty by presenting facts in a concise and structured format that AI systems can process reliably.”
Hanns sagt allerdings auch, dass es nicht Grounding Page heißen muss:
“Du musst es nicht „Grounding Page“ nennen, solange es die Funktion erfüllt: eindeutige Begriffe, saubere Einordnung, wenig Interpretationsspielraum, gute Zitierbarkeit.”
– In einem Austausch auf LinkedIn
Die Idee kann genauso auf der About Page oder auf anderen Seiten umgesetzt sein.
Das Konzept umfasst unterschiedliche Entitätenklassen, wie z. B. Organization, Person und Product. Klingt stark nach Schema Markup, oder?
Was ist der Unterschied zu Schema Markup?
Hanns schreibt im FAQ, dass sie komplementär seien und sich ergänzen. Als Vergleich nutzt er ein Skelett (Schema) und Fleisch (Grounding Page).
Schema sei gut für harte, isolierte Fakten und nicht dafür geeignet, komplexe Beziehungen und feine Nuancen von Unternehmenskulturen abzubilden.
Grounding Pages hingegen gäben den semantischen Kontext, um genaue flüssige Antworten zu formulieren.
Schema habe den Nachteil, dass oft kein strukturierter Text, sondern Faktenhäppchen vorliegen. Die reichen häufig nicht, um die Realität so abzubilden, wie es AI Chatbots bzw. LLMs gerade brauchen.
Meinem Verständnis nach hat Schema Markup keinen direkten, nachweisbaren Effekt auf die Sichtbarkeit einer Entität bzw. Domain im Training oder Grounding von LLMs. Trotzdem empfehle ich Dir, Deine strukturierten Daten in den Griff zu bekommen (mehr Kontext findest Du in diesem Artikel von mir auf Search Engine Land oder im deutschen Kondensat in unserem Newsletter).
Für die Grounding Page ist der Einfluss technologisch so beschränkt, wie es für alle anderen Seiten der Fall ist (= vor allem der Inhalt zählt).
Was ist der Unterschied zur llms.txt?
Die llms.txt-Idee basiert auf einem Vorschlag aus 2024. Die llms.txt soll ein Orientierungsanker für AI(-Agenten) sein, wenn sie Deine Seite ansteuern. Sinnvoll, wenn Du einem AI-Agenten erzählen magst, wie Deine API funktioniert und wo was zu finden ist. Erinnert stark an eine Sitemap für AI.
In der SEO- und AI-Szene wurde das Thema so oft wiederholt, dass es ausreichend Fahrt aufgenommen und für viele Fragen und Verunsicherung gesorgt hat.
Warum Du keine llms.txt brauchst, kannst Du in den zuvor angesprochenen Artikeln nachlesen (EN bei SEL und DE bei WNGMN). Zu dem Vorschlag llms.txt gehört noch anderer Quatsch, den ich dort auch thematisiere.
Schema Markup ist also näher an der Idee der Grounding Page als die llms.txt. Und die llms.txt-Idee scheint der Kollege, der sie vorgeschlagen hat, seitdem auch nicht näher verfolgt und befeuert zu haben. Das haben dann “SEO & GEO Influencer” für ihn übernommen.
Warum Du keine Grounding Page brauchst
Es handelt sich nicht um einen akzeptierten Standard.
Niemand von den großen Playern hat das bisher offiziell angenommen.
Im Training hat die Grounding Page keinen relevanten Einfluss – dafür reicht ein Dokument nicht aus.
Der Kern von LLMs sind Wahrscheinlichkeiten. Wenn ich hier Einfluss nehmen möchte, brauche ich große Datenmengen. Zugegeben ist das aber auch nicht der Anspruch, den Hanns der Grounding Page zuschreibt.
Im Grounding kann sie nur wirken, wenn sie indexiert ist.
Wenn sie indexiert ist, gibt es potenziell Duplicate Content.
Wenn sie indexiert ist und gut rankt, kommen User auf die Seite und finden sie vielleicht doof, weil sie nicht die Zielgruppe sind (sondern AI).
“If a person accidentally lands on one of these pages, they’ll find something that looks like a website from 2005.”
– Wasim Kagzi in einem Artikel bei SEL
Wenn sie indexiert ist und nicht gut rankt, kommen keine User auf die Seite.
Beides ist doof, weil die Seite so wahrscheinlich aus dem Index fliegt und keine Wirkung haben kann.
Technologisch unterscheiden AI-Systeme nicht zwischen “reguläres Dokument” und “für AI erstelltes Dokument”.
Der Impact ist also durch den Inhalt vorgegeben. Dafür braucht es (wie auch Hanns sagt) keine explizite Grounding Page.
Es geht nicht nur um das Eigenbild – auch das Fremdbild einer Marke zählt.
AI-Systeme wollen vermeiden, wie auch Google, dass wir minderwertige Inhalte, Vorschläge und Lösungen präsentiert bekommen. Dafür müssen diese Systeme Dir vertrauen. Vertrauen entsteht, wenn ich so agiere, dass man positiv über mich spricht. Es kann also nicht reichen, dass ich nur selbst positiv über mich spreche.
AI zitiert nicht nur eine, sondern viele Quellen – sie ist keine Lösung für das, was außerhalb Deiner Domain passiert.
Die Antwort im AI Chatbot oder des LLMs wird sich niemals nur auf eine und nur auf Deine Quellen beziehen (siehe vorheriges Argument).
Omniscient hat kürzlich dazu geforscht und stellt fest, dass nur rund ¼ aller Citations von “owned content”, also der eigenen Domain, kommen. Der direkte Einfluss (auf) Deiner Domain ist also begrenzt.
Keine Einzelperson und kein Unternehmen sollte über die Wahrheit entscheiden dürfen.
- Wer definiert, wer was definieren darf?
- Wie gehen wir mit widersprüchlichen Inhalten um, wenn alle eine Grounding Page dafür haben (z. B. ein Konzept)?
- Wer entscheidet, was die Wahrheit ist?
Außerdem:
- birgt sie Gefahren der Manipulation,
- erzeugt zusätzlichen Pflegeaufwand und
- führt zu mehr Komplexität und Fragen.
Aber ich möchte nicht nur begründete Kritik äußern und Dir davon abraten, sondern auch Alternativen aufzeigen, wie Du dafür sorgen kannst, dass AI akkurat über Dich spricht.
Was ich Dir rate, anstatt eine Grounding Page aufzusetzen
Es gibt aus meiner Sicht 2 Ebenen, an denen Du ansetzen kannst (oder musst):
- Das, was Du auf Deiner eigenen Domain machst (Selbstbild) und
- das, was außerhalb Deiner Domain stattfindet (Fremdbild).
Auf Deiner Domain empfehle ich Dir
1. Perfektioniere Dein Schema Markup
Integriere alles an Schema Markup in Deine Domain,
- was offiziell von Google unterstützt ist und
- zum akkuraten Verständnis Deines Angebots führt, auch wenn es nicht direkt Dein Snippet beeinflusst.
Schema Markup hat keinen direkten, aber indirekten Einfluss auf AI-Sichtbarkeit.
2. Spreche eindeutig über Dich und Dein Angebot (quasi die Kernidee der Grounding Page)
Bereite Deine “About us”-Seite und andere Inhalte so auf, dass eindeutig und klar ist, wer Du bist und was Du wie für wen machst. Unter anderem kann man dafür inhaltlich den Footer verwenden. Wil Reynolds hat bereits vor einiger Zeit aufzeigen können, dass so ein “Basic” Wirkung hat.
3. Mache Komplexes einfach und Veränderung verständlich
Deine Marken sind komplex? Ein*e neue*r Mitarbeiter*in braucht Wochen oder Monate, um richtig durchzublicken, welche Marken es gibt und wie diese miteinander verbunden sind? Das gilt vermutlich auch für Maschinen.
Selbiges gilt bei Rebrandings und/oder Migrationen. Erkläre, was passiert ist, warum und was jetzt gilt. So stellst Du sicher, dass AI Dich langfristig versteht.
Außerhalb Deiner Domain empfehle ich Dir
1. Manage Deine Entitäten an den Stellen, wo Du direkt Einfluss haben kannst
Beispiele sind Wikidata (oft interessant, was man hier so an Informationen nicht oder in veralteter Form findet) und Wikipedia. Letzteres ist nicht immer trivial und nicht alle können da unmittelbar einen Eintrag bekommen oder diesen nach eigenen Wünschen bearbeiten.
2. Stelle einen akkuraten Social Media Auftritt und aktuelle Verzeichnis- oder Datenbankeinträge sicher
Du hast auf mehreren starken Domains die Möglichkeit, Deinen digitalen Fußabdruck zu formen. Nutze das. Auch hier sollte ein Bild entstehen, das sich mit Deinem Webauftritt deckt.
3. Korrigiere und aktualisiere (nachträglich) Drittveröffentlichungen
Du hast mal was bei wem geschrieben und das, was da steht, ist nicht mehr aktuell/falsch?
Lass es anpassen!
Warum das auch unabhängig von AI wichtig ist
Das, was das Web über Dich sagt, betrifft Deine Reputation und die ist unbezahlbar:
“Do not leave your reputation to chance or gossip; it is your life's artwork, and you must craft it, hone it, and display it with the care of an artist.”
– Robert Greene (Autor)
Disclaimer: Wenn es spezifisch um AI geht, würde ich (bevor ich aktiv werde) eine Bestandsaufnahme machen. Dabei sind vor allem folgende Fragen zu klären:
- Wie definiere ich selbst meine Marke?
- Wie definiert das Web meine Marke?
- Wie stark deckt sich das in AI-Antworten?
- Welche Quellen nutzen AI-Chatbots für die Antworten?
- Welche dieser Quellen kann ich beeinflussen?
Wenn ich den Bedarf nicht kenne, kann ich keine passende Lösung bauen.
Aber was ist, wenn …
… die Grounding Page zur Self-fulfilling Prophecy wird?
Je mehr Menschen das Konzept annehmen und abbilden plus je größer das Echo, desto spitzer werden möglicherweise die Ohren derer, die AI Chatbots und LLMs bereitstellen.
Bis wir da sind, kann ich nicht empfehlen, eine extra Grounding Page aus den aufgemalten Argumenten aufzusetzen, auch wenn viele von Hanns’ Argumenten gut gemeint sind.
Wenn das mal offiziell unterstützt wird, dann hast Du immer noch Zeit, das zu implementieren. Denn die Grundlage müsste sein, dass AI-Systeme derartige Inhalte bevorzugt behandeln, um akkurate Informationen auszugeben.
Ich glaube die Intention zu verstehen. In der aktuellen Ausprägung und Aufmachung führt das Thema Grounding Page aber auf der einen Seite zu Unsicherheit, wenn man sie nicht implementiert hat (“Angst, ich habe das nicht, brauche ich das?”) oder falscher Sicherheit, wenn man sie implementiert hat.
Viele suchen nach der magischen Lösung, DEM Hack und DEM Shortcut. Der kindliche Wunsch, dass Probleme einfach weg sind und man mit einem Trick keinen Aufwand investieren muss, um präsenter und korrekter in AI-Antworten vertreten zu sein.
Das ist aber nicht so. Und Hanns meint es auch nicht so.
Da ich Dich gerne zum Nachdenken motiviere: Wie denkst Du über das Thema? Ich freue mich, wenn Du Dich bei mir meldest – auch wenn Du mir widersprichst. :)