Du hast bestimmt auch schon mal aus Versehen einen Newsletter abonniert, ohne bewusst ein Häkchen dafür gesetzt zu haben. Oder bei einem Cookie Consent Banner irgendwie alles mögliche akzeptiert, obwohl Du das nicht wolltest. Oder am Ende irgendwelche Extras zum Flug mitgebucht, auch wenn Du drölfzig mal "Nein, Danke!" geklickt hast.
Die in solchen Fällen oftmals zugrunde liegenden manipulativen Methoden, die ethisch eher weniger ehrenwert sind, werden Dark Patterns genannt: Das User Interface wird absichtlich so gestaltet, dass Nutzer*innen getäuscht werden, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Jan Nikka A. Estefani nennt in ihrem sehr ausführlichen und sehr empfehlenswerten Artikel "Designing with Integrity: The Ethical Designer's Handbook on Dark Patterns" folgende Beispiele:
"misleading prompts, hidden costs, forced consent, or confusing interfaces"
Dadurch wird nicht nur das Vertrauen der Nutzer*innen beschädigt, sondern auch ihre Autonomie beeinträchtigt. Jan Nikka betont daher die große Bedeutung ethischer Design-Prinzipien. Sie zeigt eine ganze Reihe verbreiteter Taktiken auf und betont:
"Behind every misdirection, forced continuity, or confirmshaming prompt lies a calculated attempt to exploit cognitive biases and psychological vulnerabilities.
(...)
By preying on these psychological vulnerabilities, dark patterns can effectively steer users towards actions they may not have chosen otherwise."
Ich kann Jan Nikka nur zustimmen: Der Einsatz von Dark Patterns ist weder nett noch nachhaltig. Selbst wenn man selbst noch nie in so eine Falle getappt ist, kann man sich mit ein wenig Empathie sehr gut vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man früher oder später die Täuschung bemerkt. Das Vertrauen ist futsch und man wird die Website in Zukunft meiden und auch nicht weiter empfehlen. Das ist natürlich, mal ganz abgesehen vom moralischen Aspekt, der absolute Horror in Hinblick auf Faktoren wie Trust, Authority und Nachhaltigkeit.
Ich würde sagen, dass es durchaus eine 50-Shades-of-Grau-Zone gibt, wenn wir an verschiedene Ansätze aus der Conversion-Optimierung denken. Vom ein oder anderen growth marketing SUMMIT der geschätzten konversionsKRAFT-Menschen sind mir die Behavior Pattern Karten im Gedächtnis geblieben.
"Unter Behavior Patterns verstehen wir kognitive Verhaltensmuster, welche die Wahrnehmung, das (Kauf-) Verhalten, Entscheidungen und die Motivation von Menschen beeinflussen können."
– Robert Weller
Direkt im Absatz nach dieser Definition nennt Robert einen – wie ich finde – extrem wichtigen Begriff: Fingerspitzengefühl.
Diesen würde ich so auslegen, dass man – bei all dem Bestreben, höhere Konversionsraten zu erzielen –
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niemals das Vertrauen und die Selbstständigkeit aus den Augen lässt,
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die unscharfe Grenze hin vom Nudging zur Manipulation nicht überschreitet,
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am Ende immer vor allem das beste Interesse der Nutzer*innen im Sinn hat.
Schlagen wir den Bogen zurück zu Jan Nikka: Sie listet einige Red Flags auf, die auf Dark Patterns hinweisen:
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Mangelnde Transparenz bei Design-Elementen und -Funktionen
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Dringlichkeit und Druck-Taktiken, die eine überstürzte Entscheidung forcieren
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Irreführende Sprache und Visuals
Jan Nikka sieht daher Designer*innen in der Pflicht, die eigene Macht nicht negativ auszunutzen:
"Designers wield enormous power."
We shape user experiences, influence behavior, and impact lives through the choices we make in crafting digital products and interfaces.
With this power comes responsibility.
We have an ethical obligation to consider the consequences of our design decisions, ensuring they serve not just business goals, but also user well-being and trust."
Dabei sollten sich Busines Goals und User Experience nicht gegenüberstehen, sondern für langfristigen Erfolg Hand-in-Hand gehen:
"By prioritizing user needs, building trust, and fostering transparency, we create experiences that are not only satisfying but also lead to sustainable business success."
Damit dabei nichts schief geht, liefert Jan Nikka einen Kompass für ethisches Design, der folgende Aspekte betont:
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Transparenz und Ehrlichkeit
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Klare und verständliche Sprache
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Priorisierung von User Consent
Denn so wird Vertrauen aufgebaut, der Grundstein für Brand Loyalty gelegt und Retention minimiert.