Im letzten halben Jahr gab es einige Diskussionen, ob etwas ein Rankingfaktor ist oder nicht. Das wurde durch den Leak zusätzlich befeuert.
Diese ewigen Diskussionen finde ich unfassbar sinnlos. Wenn es sich richtig und logisch anfühlt, dann ist oft gut damit getan, diesem Instinkt zu folgen. Google möchte Menschen bessere Ergebnisse bringen. Das, was die meisten Menschen gut finden, ist langfristig das, was wir liefern sollten.
E-E-A-T? Gute Idee, ich möchte vertrauen können.
Informationsgewinn? Klug, sonst verschwende ich meine Zeit.
Hilfreiche Inhalte und präsent sein? Macht Sinn, weil ich mich besser erinnere.
Beispiel #1: E-E-A-T
Das bei Themen, die für uns potenziell große Risiken bergen, Hinweise auf die Erfahrungen, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit des Autors oder der Autorin auftauchen müssen, ist logisch.
Die Sprachrohre von Google sagen uns, dass Google E-E-A-T als Konzept wichtig findet. In den Search Quality Evaluator Guidelines kommt auf 170 Seiten 121 mal E-E-A-T vor, ohne die Einzelerwähnungen des Akronyms zu zählen.
Wenn ich einen Artikel lese, finde ich es persönlich – als Nutzer – wichtig zu wissen, von wem er stammt und warum diese Person darüber schreiben kann.
Logische Schlussfolgerung: Ich baue z. B. Autorenboxen ein, unabhängig davon, ob das ein Rankingfaktor ist oder nicht.
Hat es einen Nachteil Autorenboxenn zu haben? Nein. Kann Google das aktuell messen? Vermutlich ja, vor dem Leak hätten aber sicherlich viele nein gesagt. Google sagt selbst, dass es sich nicht (direkt) auf das Ranking auswirkt.
Beispiel #2: Informationsgewinn
Es wäre großartig, wenn die SERPs weniger Copycat Content%20Content%2C%20Bad%20(Copycat)%20Content%20%E2%80%93%20das%20k%C3%B6nnen%20wir%20besser) enthielten, oder? Auch bekannt als Information Gain. Das ist auf dem Papier nur ein Konzept, von dem wir nicht genau wissen, ob Google es wirklich einsetzt.
Der Grundgedanke, dass meine Inhalte einen sinnvollen und differenzierenden Mehrwert liefern sollen, wenn jemand bereits ein anderes Suchergebnis gesehen hat, ist aber logisch und erstrebenswert.
Wenn ich ein Produkt auf den Markt werfe, was sich in allen Merkmalen vom Rest nicht unterscheidet, dann fehlt mir ein Wettbewerbsvorteil. Das ist bei Inhalten nicht anders. Klingt logisch und fühlt sich richtig an. Also muss ich mich bemühen, keinen Einheitsbrei, sondern einen sinnvollen Mehrwert zu liefern.
Beispiel #3: Hilfreiche Inhalte und Präsenz
Es ist von großem Vorteil, wenn sich Menschen an uns erinnern. Zum Beispiel wenn wir in Situationen helfen, in denen noch kein direktes Kaufinteresse besteht.
Daher finde ich es logisch, hilfreiche Inhalte zu schreiben. Oder insgesamt präsent zu sein (z. B. durch Werbung). Das hat BMW auch verstanden. Kevin Indig schreibt in einem Artikel zur Messy Middle folgendes:
"We took a few days off last week at the Ritz in Lisbon. In a beautiful playroom, they have a trampoline, an inflatable castle and little BWM Bobby Cars. Why BMW? Because BMW knows that brand recognition starts as early as 1-2 years of age."
Wie effektiv diese Maßnahme ist, weiß ich nicht. BMW vermutlich auch nicht, denn die Attribution davon ist schwierig. Aber nur, weil ich etwas nicht direkt messen kann, heißt das nicht, dass es nicht funktioniert.
Wir können auch nicht bei jeder Anfrage ermitteln, wie viele Ausgaben von unserem Newsletter gelesen wurden. Wir wissen aber, dass unser Newsletter gerne gelesen wird, hilfreich ist und in meinem Fall maßgeblich dazu beigetragen hat, dass ich Wingmensch geworden bin.
Wir tun das also, weil es sich richtig anfühlt und logisch ist.
SEO = weitsichtig und langfristig, nicht kurzsichtig und kurzfristig
Etwas nur zu tun (oder zu lassen), weil eine Belohnung oder ein Anreiz winkt (= ein direkter Rankingfaktor ist), halte ich für zu kurzsichtig.
Einer der Gründe, warum SEO oft scheitert: Wir möchten etwas verkaufen, was langfristig ist, denken aber mit Scheuklappen auf uns gerichtet und viel zu kurzfristig. Als hätten wir einen Nebelschleier vor Augen, sodass wir nur 50 Meter weit gucken können.
Damit SEO langfristig erfolgreich ist, brauchen wir aber einen klaren Blick, Weitsicht und müssen eher 2-3 Kilometer weit sehen können.
Toll, wenn etwas eine Lücke im Algorithmus ist und uns kurzfristig viel Traffic und Umsatz bringt.
Blöd, wenn uns diese Lücke von den Dingen abhält, die uns langfristig gute Umsätze bescheren.
Schxxxx, wenn uns diese Lücke kurzfristig viel Umsatz, langfristig aber Kopf und Kragen kostet.
Incentives beat intentions Intentions beat incentives