Fahrrad.de steckt in einem Insolvenzverfahren. Sie sind nicht das einzige Unternehmen, das es in den letzten Jahren ereilt hat (auch wenn die Anzahl der Insolvenzen pro Jahr immer weiter sinkt).
Auch ich hatte schon mal das äußerst zweifelhafte Vergnügen, ein Insolvenzverfahren als Mitarbeiter begleiten zu dürfen. Das ist keine einfache Zeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere nachdem letzte Woche die Liquidation des Geschäftsbetriebs bekannt gegeben wurde.
Trotzdem habe ich beim Lesen von Andreas' Artikel über den Fahrradmarkt und die potenziellen Auswirkungen auf die SEO-Wettbewerber einen wesentlichen Punkt vermisst:
Was wäre denn, wenn ich als Wettbewerber die Domain aus der Insolvenzmasse kaufen würde? Wie würde ich den Wert der Domain für mich ermitteln? Und was könnte ich damit anstellen?
Die Angebote - unter anderem für die Domains - zeigen deutlich, dass einige Unternehmen hier schon Antworten gefunden haben:
Also hab' ich mir aus Sistrix die Top-Competitor geholt. Die generischen rausgeworfen und für die Top-Wettbewerber meinen Lieblings-Sistrix-View darstellen lassen:
Vergleichen wir fahrrad.de mit den anderen, dann sehen wir, dass fahrrad.de
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nach Bike-Discount die meisten Backlinks (Linking Domains) von unterschiedlichen Domains bekommt, 3.570 Stück um genau zu sein.
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25k rankende URLs sind deutlich mehr als bei fahrrad-xxl.de und rosebikes.de, aber weniger als bei den anderen.
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Gleichzeitig macht fahrrad.de mit vergleichsweise wenigen Keywords den zweithöchsten Sichtbarkeitswert. Hat also tendenziell eher viel Power über Shorthead. Die Startseite macht dabei 1,7 Sichtbarkeitspunkte. Es hängt also nicht nur am Keyword "Fahrrad".
Mit der zweithöchsten Sichtbarkeit im Markt ist die Domain (so sie denn in den Verkauf gehen sollte) natürlich ein spannendes Ziel für alle Konkurrenten. Sie wird aber spannender für Domains, die:
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Wenig Backlinks haben
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Wenige rankende URLs aufweisen
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Einen starken Longtail-Focus betreiben
Das gilt aber nur für den Fall, dass man überlegen würde, die Domains zusammenzulegen.
Grundsätzlich gibt es 3 Strategien, wenn man eine Wettbewerbsdomain erwirbt:
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Merge auf die eigene Domain
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Merge auf der gekauften Domain
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Parallelbetrieb
Natürlich spielt in allen Fällen nicht nur SEO eine Rolle und die Entscheidung ist sehr stark von der eigenen Situation und den konkreten Gegebenheiten und Bewertungen der Marktstrukturen abhängig.
Ein paar der relevanten Erwägungsgründe (nur für SEO, andere Kanäle und Unternehmensdimensionen ignorieren wir zur Vereinfachung. Wir gehen auch davon aus, dass die Produkte auf beiden Domains die gleichen sein werden):
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SERP Domination: Ist es mein Ziel, eine Domain bestmöglich zu platzieren? Oder ist es mein Ziel, möglichst viel „Real Estate" auf den Suchergebnisseiten zu gewinnen?
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Branding: Ist ein Branding deutlich stärker als das der anderen Domains, dann ist eine Migration und das „Ausschleichen" des zweiten Brands wahrscheinlich sinnvoller als der Parallelbetrieb.
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Positionierung: Mit SGE und dem Fokus auf Produktsuche wird Preis ein wichtiger Rankingfaktor. Allerdings möchte ich nicht unbedingt meine Brand mit Rabattaktionen zerstören und die Marge belasten. Ein Preis-Outlet in den SERPs könnte durchaus Sinn ergeben. Das gilt natürlich nicht nur für den Preis, sondern kann auch bei anderen Segmentierungen der Zielgruppe sinnvoll sein. Umgekehrt sollte ohne unterschiedliche Positionierung ein deutliches Fragezeichen hinter Parallelbetrieb stehen.
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Rankingsignale und Backlinks: Wenn Backlinks und Historie meiner aktuellen Domain fehlen, dann kann eine Migration auf eine Domain oft sinnvoll sein. Welche Domain auf welche Domain migriert wird, würde ich primär vom Branding(potenzial) abhängig machen.
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Content: Guter Content ist wertvoll. Hat die Domain starke Content-Assets, die mit der Domain mitverkauft werden, dann kann das ein großer Wert sein. Entweder, um beispielsweise Domains mit unterschiedlichem Intent-Fokus (Ratgeber vs. Shop) in den Suchergebnissen zu platzieren, oder um eine Domain mit dem Content der anderen zum Fliegen zu bringen.
Wir wünschen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei fahrrad.de alles Beste.
Wir beobachten aber natürlich auch mit Interesse, wer die Domain kauft und was damit passieren wird. Und natürlich, ob wir (von außen, ohne Detailkenntnis) die Entscheidung nachvollziehen können.