Frisch zurück aus dem recht windigen und natürlich verregneten London, hatte ich eigentlich vor, euch meine Keytakeaways des WTSFestes (Women in Tech SEO) zu servieren. Aber stattdessen schreibe ich lieber ein paar Worte, die mir noch viel mehr am Herzen liegen, als die konkreten Konferenztopics (die es natürlich auch gegeben hat).
Es ist ein sehr liebevolles Miteinander, aber warum sind alle trotzdem so vorsichtig mit dem Begriff “Tech”?
Ich muss es einfach sagen: Die Women in Tech SEO-Community ist fantastisch. Freundlich, unterstützend, respektvoll – ein ganz anderes Miteinander als auf allen anderen Konferenzen, auf denen ich bisher gewesen bin, ohne dabei langweilig zu sein.
Man kommt schnell miteinander ins Gespräch, Networking super easy – Herzlich aufgenommen werden? SOFORT. Respekt ist vorherrschend – Der Code of Conduct? Ich finde ihn mega! Es gibt klare Regeln für ein inklusives, sicheres und wertschätzendes Miteinander, das wirklich gelebt wird. Hier wird sich gegenseitig unterstützt, nicht niedergemacht. Keine „dummen Fragen“, auch keine “dummen Antworten”, keine unangenehmen Grenzüberschreitungen. Kurz gesagt: Ich habe das Gefühl, hier fühlen sich alle wohl.
Die Aufteilung zwischen Konferenztalks und Pausen ist sehr hilfreich, es gibt ca. 1 Stunde Input, 3 Talks, je 20 Minuten, anschließend 45 min zum Austauschen, für Biopausen und zum recappen.
Man hat die Möglichkeit mit jedem Speaker direkt in Kontakt zu treten. Es macht einfach Spaß.
Und trotzdem gibt es da ein Thema, das mich die Konferenz lang beschäftigt hat…
Ich stand so da, umgeben von brillanten Frauen, die alle in der SEO-Welt, viele in der Tech-SEO-Sparte, unterwegs sind. Ein Raum voller Menschen, die strukturiert denken, analytisch unterwegs sind und täglich in komplexe technische Prozesse eintauchen.
Und doch suchte ich die gute alte “Tech” innerhalb der Vorträge.
Vorträge, die vorherrschend eher die folgenden Themen adressierten:
- “so und so läuft das mit Keywords”,
- “macht kein stuffing”,
- “benutzt ordentliche Ankertexte” und
- “Ich erzähle euch was zur Migration, aber ohne Tech, mehr dahingehend, dass man bei den Kunden Händchen halten muss…”
Kurz um: “Tech” wurde, aus meiner Sicht kaum, und wenn, nur in Ansätzen angesprochen.
Ich frage mich: Warum so viel „keine Sorge“?
Ich war erstaunt davon, wie viele Vorträge eigentlich mit den Worten „Keine Sorge, das wird nicht zu technisch“ oder aber “vector embeddings sind eine recht komplizierte Sache, wir steigen nicht zu tief ein..”, “ich bin ein Nerd, seht es mir nach, ich steige nicht zu tief ein” begonnen wurden – als wäre „Tech“ eine Drohung – GIRL I THINK WE CAN HANDLE IT, and GODDAMN, please be the NERD you are!
Technische Details wurden gefühlt eher als Problem statt als Stärke behandelt.
Hier, in einer geschützten Community voller Frauen, die sich für SEO, insbesondere Tech interessieren, hätten wir doch endlich zeigen können, dass Tech unser Ding ist!
Keine Rücksicht auf das Stereotyp „Frauen und Technik, das passt doch nicht“ – sondern einfach “Let’s Go and Rock it”.
Als Teil der Wingmen kenne ich es anders, Frauen sind und können und wollen genau so nerdig, wie alle anderen auch.
Die wunderbare Areej AbuAli hat mit der WTS einen Ort geschaffen, an dem niemand sich entschuldigen müsste, weil sie über Crawling & Indexing, Coding, Googles Algorithmen oder Ähnliches spricht.
Eine verpasste Chance?
Das Event war großartig, keine Frage. Aber es war auch ein bisschen, als würde eine Gruppe von Spitzensportlern sagen:
„Keine Sorge, wir machen heute kein Training.“
Es wäre ein perfekter Ort gewesen, um zu zeigen: Frauen in IT & Tech können! Sie wollen! Sie lieben es! Stattdessen fühlte es sich manchmal an, als wollte man bloß niemanden mit allzu viel „echtem Tech“ überfordern.
Ein Appell für das nächste Mal:
Lasst uns den Code of Conduct nicht nur für unser Miteinander, sondern auch für unser Selbstbild, mindestens innerhalb der Community, nutzen:
- Respektvoll.
- Empowernd.
- Furchtlos.
Ich hoffe auf die nächste Konferenz – mit Vorträgen, die beginnen mit:
„Keine Sorge, es wird richtig nerdig!“ 🚀
P.S. Und ja, ich weiß, es muss eine gute Balance gefunden werden, aber das ist mein Eindruck der Konferenz. Und weil man ja nicht nur meckert, sondern gerade bei der WTS Feedback mehr als erwünscht ist, habe ich diese Gedanken bereits mit der wunderbaren Hannah Smith geteilt.
Und natürlich habe ich mir auch neues Know How angeeignet, insbesondere innerhalb der Workshops am Vortag. Mehr dazu nächste Woche.