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Die Umbenennung der Gewässer zwischen den USA und Mexiko per Erlass des Präsidenten der Vereinigten Staaten hat sowohl in den sozialen Medien als auch in der Berichterstattung hohe Wellen geschlagen. Ein weiterer typischer Trumpismus, könnte man denken. Dann macht man es sich aber auch etwas einfach.

Landkarten sind weit mehr als bloße Orientierungshilfen, sie waren schon immer einflussreiche Werkzeuge. Mit der Umbenennung des Gulf of Mexico in den Gulf of America und der Rückbenennung von Denali zu Mount McKinley zeigt sich erneut, wie tief politische Entscheidungen in unsere digitale Welt vordringen. Google hat diese Veränderungen bereits in Maps umgesetzt. Zumindest für Nutzer in den USA, während in anderen Ländern weiterhin die bisherigen Bezeichnungen bestehen bleiben.

Das macht die USA zu einem „Sensitive Country“ – eine Einstufung, die Google bislang nur Ländern wie China, Russland, Israel, Saudi-Arabien und dem Irak vorbehalten hat. Diese Kategorisierung bedeutet, dass Google je nach Standort unterschiedliche Karten- und Suchergebnisse ausspielt. Dadurch verändert sich nicht nur das Weltbild, sondern auch die Informationsgrundlage für Millionen von Nutzern in Milliarden von Recherchen.

Dass Karten nie wirklich neutral waren, zeigt der Geograf J. B. Harley in seiner einflussreichen Analyse “Deconstructing the Map”. Laut Harley sind Karten nicht nur eine Repräsentation der Realität, sondern auch Instrumente der Macht. Sie sind „sowohl Produkte als auch Produzenten kultureller Werte“. In der Vergangenheit wurden Landkarten strategisch genutzt, um politische Ansprüche zu untermauern, Grenzen zu verschieben oder nationale Identitäten zu formen.

Heute sind es nicht mehr klassische Landkarten zum Ausrollen, sondern Plattformen wie Google Maps, die diese Macht besitzen. Ob die Krim als russisches oder ukrainisches Territorium angezeigt wird, ob das Westjordanland als eigenständiges Gebiet oder unter israelischer Kontrolle erscheint: all diese Darstellungen variieren je nach Nutzerstandort. Nun folgt der Gulf of America, der durch die Digitalisierung plötzlich zur Realität wird. Wir wissen, wie es dazu kam und hinterfragen diesen Namen. Für junge Erstnutzer und User außerhalb der Nachrichtensphäre rund um Amerika werden hier aber Fakten geschaffen.

Doch nicht nur das Meer zwischen den USA und Mexiko wurde umbenannt. Auch der höchste Berg Nordamerikas, Denali, kehrt für US-Nutzer zu seinem kolonialen Namen Mount McKinley zurück. Diese Rückbenennung ist mehr als eine symbolische Entscheidung. Während die Umbenennung in Denali 2015 als Anerkennung indigener Traditionen gefeiert wurde, stellt Trumps Entscheidung eine neue Machtfrage: Wer bestimmt, welche Namen sich durchsetzen? Und welche Rolle spielen dabei Plattformen wie Google?

Die jüngsten Veränderungen bei Google Maps zeigen, dass Karten nicht nur Abbildungen der Realität sind, sondern diese auch formen. Wer die Deutungshoheit über geografische Begriffe besitzt, bestimmt auch, wie Menschen die Welt sehen können. Google ist längst nicht mehr nur ein technischer Dienstleister, es ist ein politischer Akteur, der mit seinen Karten digitale Realität schafft. Auch über die Grenzen der “sensitive Countries” hinaus.

3 Screenshots von dem Golf von Mexiko auf Google Maps. Bild 1 zeigt wie es in den USA aussieht: Dort trägt der Golf den Namen "Gulf of America". Bild 2 zeigt wie es im UK aussieht: Dort steht "Gulf of Mexico (Gulf of America)". Bild 3 zeigt die Sicht aus Mexiko: Dort heißt es "Gulf of Mexico"

Gerald Hensel via LinkedIn

So wie für das UK wird der alternative Name der Vereinigten Staaten auch in Deutschland ausgespielt, falls Du gerade schon einen neuen Tab aufgemacht hast ;) Das ist vor dem Hintergrund spannend, dass diese Regelung normalerweise zur Spezifikation eingesetzt wird, wenn es mehrere Orte mit gleichem Namen gibt. Siehe Frankfurt (Main) und Frankfurt (Oder).

Würde diese Praxis konsequent so durchgezogen werden wie im Falle des Golfs von Mexiko, bräuchten wir deutlich mehr Klammern in Google Maps. Zum Beispiel wird Danzig in Polen bei uns mit eben diesem Namen angezeigt, bräuchte dann aber den Zusatz aus dem Polnischen: “Gdańsk”. Noch komplizierter wird es, wenn es unterschiedliche Bezeichnungen in mehr als einer Sprache gibt. Zum Beispiel beim Ärmelkanal (English Channel im UK, La Manche in Frankreich).

Wahrscheinlich wurde sich hier aber auch noch nicht beschwert. Es wäre spannend zu sehen, wie Google reagiert, wenn jedes Land auf die Durchsetzung seiner Namenskonventionen so pochen würde, wie es die Vereinigten Staaten tun. Eine Welt voller “sensitive Countries”.

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