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Geschäftsführender Gesellschafter
Das Wichtigste in Kürze
  • Die anfängliche Aufregung über Wasserzeichen in KI-Texten ist oft fehlgeleitet, denn aktuelle Anthropic-Modelle sind noch nicht davon betroffen.
  • Die Einführung von Wasserzeichen ab August 2026 für neue EU-Modelle und später auch für alte Modelle weltweit ist eine gesetzliche Vorgabe des EU AI Act und keine interne Entscheidung von Anthropic.
  • Wasserzeichen funktionieren, indem sie unmerklich die Wortwahrscheinlichkeiten während der Textgenerierung beeinflussen und ein statistisches Muster erzeugen, das sich nicht einfach durch kleine Änderungen entfernen lässt.
  • Für Deinen Marketingerfolg oder Dein SEO haben Wasserzeichen keine direkten negativen Folgen, da Google die Qualität und Nützlichkeit des Inhalts höher bewertet als dessen Herkunft.
  • Trotzdem wird der Wert komplett menschlicher Inhalte steigen, da deren Authentizität eindeutig nachweisbar wird, und auffällig generierte KI-Textmuster könnten bei aufmerksamen Lesern zur Skepsis führen.


Wah! Waaah! Waaaaaah! Wasserzeichen in KI-Texten

Oh mein Gott. KI ist jetzt nutzlos. Anthropic ist evil. Und überhaupt! Jetzt bauen die Wasserzeichen in jeden Text ein! Es ist Zeit, sich aufzuregen. Schon seit einer Stunde hab ich mich nicht mehr im Hype-Cycle im Kreis gedreht.

Ungefähr so wirkte LinkedIn letzte Woche wieder auf mich.

Und wie so oft ist das eine Situation, in der man an Mark Twain denken sollte:

The majority is always in the wrong. Whenever you find that you are on the side of the majority, it's time to reform —(or pause and reflect).

Was ist passiert?

Anthropic hat angekündigt, dass alle Texte ein Wasserzeichen tragen, wenn sie von einem Modell generiert worden sind, das ab dem 02.08.2026 in der EU gestartet ist. Aktuell betrifft das kein Modell.

Die häufig getätigte Aussage, dass ab jetzt alle AI-Texte von Anthropic Wasserzeichen enthalten, ist aktuell falsch. Das wird sich über die Zeit ändern, da:

  1. Neue Modelle in der EU veröffentlicht werden.
  2. Alte Modelle auch in Zukunft Wasserzeichen-Fähigkeiten nachgerüstet bekommen sollen.

Natürlich wird das Wasserzeichen weltweit generiert und keine speziellen EU-Modelle gebaut. Das gilt also weltweit für alle Texte. Und es gilt nicht nur für die Texte, die direkt aus Claude purzeln, sondern auch für die API und alle Konsumenten (AWS, Microsoft, etc.).

Das ist auch keine politische Entscheidung von Anthropic, sondern eine Verbeugung vor der Europäischen Union, die das allen Anbietern vorschreibt. Artikel 50, Absatz 2 des EU AI Act:

Providers of AI systems, including general-purpose AI systems, generating synthetic audio, image, video or text content, shall ensure that the outputs of the AI system are marked in a machine-readable format and detectable as artificially generated or manipulated.

Im Digital Omnibus wurde das konkretisiert:

To allow sufficient time for providers of generative AI systems subject to the marking obligations laid down in Article 50(2) of Regulation (EU) 2024/1689 to adapt their practices within a reasonable time without disrupting the market, it is appropriate to introduce a transitional period of 6 months for providers who have already placed their systems on the market before the 2 August 2026.

Alle AI-Anbieter, die in Europa Geld verdienen wollen mit der Generierung von Inhalten, müssen also Watermarking für alle Formen von Inhalten anbieten.

Das ist quasi die Kehrseite der AI-Content-Kennzeichnungspflicht (über die Saskia neulich schrieb).

Wie funktioniert die Kennzeichnung?

Die Kennzeichnung greift bei der Generierung von Texten in die Wahrscheinlichkeiten ein, um ein Muster im generierten Text zu erzeugen. Die Sprache bleibt flüssig, aber einzelne Worte erzeugen ein statistisches Muster, das den Text als generiert markiert. Ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen: Das Modell splittet bei der Generierung des Contents alle Tokens in Gruppen (Grün und Rot) und bevorzugt systematisch Tokens aus einer Gruppe (Grün). Dadurch wird ein Muster in der Tokenauswahl generiert, das wieder erkennbar ist. In diesem Logit-Bias-Verfahren kommen dann am Ende 60-70% der Tokens aus der grünen Gruppe und damit wird der Nachweis möglich.

Damit wird es etwas aufwändiger, das Wasserzeichen zu entfernen. Denn man muss dieses Muster durch eine erneute Überarbeitung des Textes auflösen.

Es wird sicher nicht lange dauern, bis es Systeme dafür gibt, die Wasserzeichen zu entfernen (die ersten behaupten schon, das zu können, obwohl das angekündigte Prüftool von Anthropic noch nicht veröffentlicht ist, das heißt man kann das aktuell nicht validieren.) Für Bilder und Videos gibt es für SynthID (den von Google definierten Standard) bereits zahlreiche Systeme zur Entfernung des Wasserzeichens und das wird auch für Texte von Anthropic nicht auf sich warten lassen, auch wenn für die Entfernung bei Texten kein einfaches Recropping oder Rauschen ausreicht.

Das Vorgehen heißt aber auch, dass bei der Rechtschreibprüfung eines von Menschenhand geschriebenen Textes nicht einfach ein Wasserzeichen im Text landen kann. Dafür braucht es schon eine großflächigere Überarbeitung des Inhalts (auch wenn auf LinkedIn das Gegenteil behauptet wird).

Was bedeutet das für die Zukunft?

Grundsätzlich ändert das erstmal nichts für SEO und GEO. Google hat erklärt, dass es Googles Algorithmen grundsätzlich egal sind, ob ein Content von Menschen oder Maschinen erstellt wurde. Solange der Inhalt eine gute Qualitätskontrolle hat, qualitativ hochwertig ist (whatever this means) und für Menschen hilfreich ist.

Und auch wenn Google daran arbeitet KI-Content zu erkennen, so zielt das vor allem auf automatisch generierte Spamfarmen und weniger auf den Premium-Content, den Du erstellst und mit KI verbesserst.

Bei dem Ausmaß in dem KI bei der Erstellung von Marketing-Content genutzt wird, würde eine Abwertung auch fast 90% aller veröffentlichten Texte der letzten Jahre treffen.

Die Erkennung wird viel mehr an Universitäten, bei Bewerbungen, veröffentlichten Büchern oder ähnlichen Dingen Anwendung finden. Und sollte Deine Audience KI-skeptisch sein oder Du bewirbst, dass Deine Texte handgeklöppelt sind, dann ist es vielleicht auch kein gutes Zeichen, wenn die KI-Verwendung nachweisbar ist.

Für Deinen Marketingerfolg hat das also keine direkten Folgen.

Trotzdem lohnt es sich über die Auswirkungen nachzudenken:

  1. Trainingsdaten lassen sich besser bereinigen
  2. Der Wert komplett menschlich erstellter Inhalte steigt, weil der Unterschied eindeutig nachweisbar wird. Ohne Wasserzeichen ist Genauigkeit bisher schwierig gewesen, auch wenn Pangram in letzter Zeit einige Erfolge an dieser Stelle erzielt und auch in meinen Tests als erstes System eine brauchbare Trefferquote hatte.
  3. KI-Textmuster werden noch häufiger. Es ist illusorisch zu glauben, dass die Beeinflussung der Wortwahrscheinlichkeiten komplett am menschlichen Leser vorbeigehen wird. Manche Wortwahl wird auffallen. Bei manchen Texten will man vielleicht nicht, dass aufmerksame Leser anfangen darüber zu grübeln, ob die KI bei der Erstellung beteiligt war, anstatt der Story zu folgen.

Geschäftsführender Gesellschafter

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