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Geschäftsführender Gesellschafter
Das Wichtigste in Kürze
  • Die häufige Debatte, ob Maßnahmen wie Markenaufbau oder vielfältige Taktiken noch zum SEO gehören, verengt das Verständnis unserer Disziplin unnötig und führt zu akademischen Abgrenzungsstreitigkeiten.
  • Wir definieren SEO primär über sein übergeordnetes Ziel: Umsatz durch die Adressierung existierender Nachfrage über Suchsysteme zu generieren, ohne diese Systeme monetär zu bestechen.
  • Jede Maßnahme, die diesem Ziel dient – von technischer Optimierung über Content-Erstellung bis hin zu strategischem Markenaufbau – ist SEO, wobei die Mittelwahl stark von der Branche und Deiner spezifischen Marktlage abhängt.
  • Dein SEO-Ansatz muss die unterschiedlichen Reifestadien von Unternehmen berücksichtigen und kann von reinen Technik- und Struktur-Optimierungen bis zur Integration von Markenaufbau reichen; eine starre schwarz/weiß-Betrachtung ist hier fehl am Platz.
  • Konzentriere Dich auf pragmatische Strategien und Maßnahmen, die für Deine spezifische Situation den größten wirtschaftlichen Erfolg bei der Erreichung Deiner Ziele über Suchsysteme ermöglichen.


Ob das noch SEO ist, hab ich mich gefragt.

Also eigentlich hat Marco Janck mich dazu getriggert. Kann er ja gut: Sich selbst und andere zu triggern und zum Denken anzuregen.

Er hat auf jeden Fall dafür gesorgt, dass ich meine Gedanken dazu, ob all das, was wir für SEO tun, noch SEO ist, aufgeschrieben habe. Und weil ich zwei Monate später immer noch voll dazu stehe, wiederhole ich es hier.

Der Satz, der mich getriggert hatte, war:

Ich weiß gar nicht, wie oft ich von SEOs gehört habe: »Dann bist du halt kein SEO mehr« und vielleicht ist das auch so. Aber ich will mich nicht so einfach aus dem Game drängen lassen, weil ich das für mich »Richtige« tue?

Das hat Marco wohl gehört als Reaktion auf „SEO heißt jetzt mehr Marke machen.“

Für mich hat Marke einen Platz im SEO. Aber es gibt Brand-Building, das SEO ist — Und es gibt Brand Building, das kein SEO ist. Warum? Weil SEO kein fixer Werkzeugkoffer ist, sondern sich immer die unterschiedlichsten Werkzeuge aus anderen Disziplinen geschnappt und dem eigenen Ziel untergeordnet hat:

  • Strukturiertes HTML -> Accessibility
  • Interne Verlinkung -> Informationsarchitektur
  • Crawlbarkeit und Performance -> Dev
  • Content -> PR und Marketing / Journalismus
  • Suchvolumen -> SEA
  • Nutzerverhalten -> Market Research

Wir sollten SEO also eher vom Ziel her definieren. Also schrieb ich:

Es gibt schon immer verschiedenste Strömungen im SEO. Technik, Content, Offpage, spezifische Verticals. All das hat immer seinen Platz.

Denn SEO heißt nicht: Mach das nach diesem Lehrbuch und der verbreiteten Meinung.

Sondern: Mach, was für die aktuelle Situation bei Deiner Website erfolgreich ist, um das Ziel Sichtbarkeit bei existierender Nachfrage durch Suchsysteme zu adressieren und damit Umsatz zu generieren (ohne das Suchsystem mit Geld zu bestechen).

Solange Du also auf das Ziel „Umsatz durch Suchsystem für existierende Nachfrage“ hinarbeitest, bist Du SEO. Ob Du dabei Spam verwendest, Marke optimierst, Technik tunest oder Content skalierst oder intensivierst, ist abhängig von Branche, Position im Markt und den adressierten Systemen.

Die Frage, ob das noch SEO ist, ob GEO SEO ist und ob Du, lieber Marco, noch SEO bist, ist total spannend. Aber völlig akademisch und hat 0 Relevanz. Wenn es notwendig ist für die Erreichung des Ziels, dass ich meine geliebten nerdigen Wingmen in eine Rollkragen-und-Schal-tragende-PR-und-Brand-Truppe umwandle und mehr Zeit mit Powerpoint statt HTML verwende, dann mach ich das, bleibe aber trotzdem SEO.

Ein Glück ist es aber noch nicht so weit und ich darf weiter SEO als „Anwalt des Users“ sein. Unternehmen zeigen:

  • welche Nachfrage sie verschlafen,
  • welcher Content einfach unterirdisch ist
  • warum eine H1 eine bessere Idee ist als ...
  • warum die Produktqualität und die Lieferbedingungen ein SEO-Problem sind
  • und vor allem wie Google und Bing funktionieren, wo der Unterschied zu ChatGPT und Gemini liegt und wie man für beides optimiert, und welche dieser Maßnahmen im konkreten Fall wirtschaftlich sind und welche nicht.

Dieser Job an der Schnittstelle zwischen Mensch, Betriebswirtschaft und Technik ist so unglaublich vielfältig und facettenreich. Das können wir uns kaputt machen (lassen). Oder wir rocken mit dem, was wir können.

Und Gero hat es richtig gesagt: PR- und Brand-Experten denken ganz anders. Sie können ganz andere Sachen und nur wenige SEOs würden diesen Job gut können. Genau wie viele Brand- und PR-Menschen mit SEO Schwierigkeiten haben. Ziel, Denke, Werkzeuge und Habitus sind sehr unterschiedlich. Und das ist okay so.

Und warum wiederhole ich das jetzt hier nochmal? Nun, neulich hab ich mit Dir über Budget-Kalkulation gesprochen. Ich finde all diese Gedanken total wichtig, weil sie helfen, SEO-Strategie, das Bigger SEO-/GEO-Picture und die Budget-Kalkulation zu erklären. SEO war nie Google-Optimierung. SEO war immer:

  • User-Nachfrage verstehen
  • Maschinen technisch erklären, was man im Angebot hat
  • Ein inhaltliches Angebot aufbereiten, das Maschinen Menschen füttern möchten

Nachfrage ist da. Technische Systeme sind da. Schlecht aufbereitete Angebote sehe ich überall. Deswegen langweilen mich die Abgrenzungsstreitigkeiten. Deswegen langweilt es mich auch, wenn darüber gestritten wird, dass bestimmte Maßnahmen nur kurzfristig wirken ("self-promotional listicles" beispielsweise). Ja. Ich würde die mit keinem meiner Kunden für die Main Brand umsetzen. So etwas zu machen ist armselig, wenn man auch andere Optionen hat. Aber: Wenn ich nicht langfristig arbeite, wenn ich nicht langfristig eine Brand positionieren will, sondern nur kurzfristig denken muss. Nun, dann kann sich das durchaus lohnen.

Ich versuche das mal in eine mäßige Management-4-Felder-Matrix zu pressen:

SEO mit und ohne Markenaufbau sowie kurzfristiglangfristig vs. kurzfristig in einem Bild erklärt.

Natürlich sind die Grenzen fließend. Aber: Unternehmen sind in ganz unterschiedlichen Reifestadien. Natürlich kann ich SEO und GEO machen, ohne Markenaufbau zu betreiben. Wenn es bereits eine starke Marke gibt, dann gibt es geringen Grenznutzen von mehr Geld für PR und Brand. Dann mache ich SEO ohne Markenfokus. Es gibt aber genug Unternehmen, deren Brand nicht stabil, nicht groß genug ist. Ja, dann kann eine Herangehensweise auch SEO sein. Ob das sinnvoll ist, hängt wiederum ganz individuell vom Unternehmen ab.

Was ich nur sagen will: Die Welt da draußen ist bunt. Es braucht viele unterschiedliche Wege zum Ziel. Einfach das Schwarz-Weiß von LinkedIn nachplappern ist strategisch wahrscheinlich genauso wenig sinnvoll, wie das Kopieren der Wettbewerber-Strategie.

Also: Packen wir es an. Denn nur vom SEO- und GEO-Definieren ist noch nicht eine Sache auf einer Website besser geworden. Es hat nicht zu mehr Sichtbarkeit geführt und damit zu mehr Umsatz.

Geschäftsführender Gesellschafter

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