- Wir erkennen: Obwohl Googles Suche insgesamt weiter wächst, bedeutet dies nicht automatisch mehr Traffic für Deine Website, denn „mehr Suchanfragen“ und „mehr Umsatz“ sind keine Garanten für Deinen Erfolg.
- Google erweitert seine Suchflächen massiv durch KI-Integrationen wie Gemini und AI Mode in bestehende Produkte, wodurch sich die Art der Suchinteraktion grundlegend verändert.
- Deine Website muss weiterhin für Crawling, Indexierung und Verständnis optimiert sein, da Google kein separates Internet aufbaut, sondern seine KI-Funktionen auf dem bestehenden Such- und Indexierungssystem aufsetzt.
- Neue Herausforderungen umfassen die Präsenz in generativen Ergebnissen und die Frage, welche Fakten Google übernimmt und wann ein Klick echten Mehrwert für Dein Business generiert.
- Nutze den neuen Search Console Bericht für generative AI nicht nur als Sichtbarkeitsmetrik, sondern beweise den tatsächlichen wirtschaftlichen Wert jeder AI-Impression für Deine Geschäftsziele.
- Fokussieren wir uns darauf, bestehende Suchnachfrage zu bedienen, unsere technischen Grundlagen zu sichern und gezielt zu messen, welche AI-Impressionen und Klicks tatsächlich ökonomischen Wert für Dein Unternehmen schaffen.
SEO ist tot. Und Google Search wächst um 17 Prozent.
Alphabet wächst im zweiten Quartal um 24 Prozent. Google Cloud wächst um 82 Prozent. Trotzdem fällt die Aktie, weil Google 2026 bis zu 205 Milliarden Dollar in AI-Infrastruktur investieren will und das den freien Cashflow drückt. Für Anleger ist das spannend, auch wenn sich weniger dafür zu interessieren scheinen, ob KI teilweise eine Blase ist.
Für SEO ist eine andere Zahl wichtiger
Google Search & Other wächst um 17 Prozent. Von 54,2 auf 63,3 Milliarden Dollar. YouTube Ads wächst im selben Zeitraum um 13 Prozent. Search wächst also trotz ChatGPT, Gemini und AI Overviews kräftig weiter.
Die wirtschaftliche Grundlage der Google-Suche bricht nicht weg. Zumindest nicht heute.
Aber das bedeutet natürlich nicht, dass für uns alles beim Alten bleibt.
Google schafft neue Nutzungsflächen
Für die Gemini-App meldet Google inzwischen 950 Millionen monatlich aktive Nutzer. Die Zahl der täglichen Nutzer soll sich in 12 Monaten verdreifacht haben. Der AI Mode kommt laut Google auf mehr als eine Milliarde monatlich aktive Nutzer.
Letzte Woche habe ich durch Zufall gelernt, dass ich in der Google-App (iOS) in Discover nach rechts wischen kann und dann in meiner Gemini-History lande. Das war unerwartet, ist aber natürlich eine wirksame Steigerung der Gemini-Usage.
Wer neue Flächen schafft, erzeugt neue Nutzung. Google muss Menschen nicht davon überzeugen, einen neuen Dienst aufzurufen. Google kann den Dienst in Search, Chrome, Android, Discover und Workspace einbauen. Und wenn ein blinkendes AI Mode-Icon nicht reicht, dann tut es ein Nachfrage-Button im AI-Overview, der User in den AI Mode schiebt.
950 Millionen Nutzer sind deshalb eher ein Beweis für Googles Distributionsfähigkeiten als für die Qualität von Gemini.
Das ist für unsere Arbeit wichtig. Denn die Frage lautet nicht mehr nur:
„Was suchen Menschen?“
Sondern auch:
„Welche Oberfläche stellt Google ihnen dafür hin?“
Mehr Suchanfragen bedeuten nicht automatisch mehr Traffic.
Google sagt, dass AI Overviews und AI Mode zusätzliche Suchanfragen erzeugen.
Außerdem sollen Googles AI-Funktionen jede Woche Milliarden Klicks an Websites schicken (Kevin challenged das gerade erneut mit dem Rückenwind eines nytimes-Artikels).
Die Zahl soll aber natürlich beruhigend klingen… ist aber keine brauchbare Traffic-Analyse.
Mehr Suchanfragen können mit weniger Klicks pro Suchanfrage einhergehen. Milliarden Klicks können viel sein oder weniger als vorher. Und ein wachsender Search-Umsatz sagt nichts darüber aus, wie viel Traffic bei Deiner Website ankommt.
Suchanfragen, Google-Umsatz und Website-Klicks sind drei verschiedene Kennzahlen.
In vielen Diskussionen über GEO wird es trotzdem wild durcheinandergeworfen.
Google kann gleichzeitig mehr Suchanfragen, mehr Umsatz und mehr AI-Nutzung melden, während einzelne Publisher deutlich Traffic verlieren. Darin steckt kein Widerspruch.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob „Search“ insgesamt wächst.
Die Frage lautet:
Welcher Teil dieses Wachstums kommt bei dir an?
SEO und AI Search lassen sich bei Google kaum trennen. Der Hauptgrund dafür ist nicht, dass Google nicht ausreichend detaillierte Zahlen liefert (das auch), sondern vor allem, dass beide Interfaces das gleiche Such- und Indexierungssystem als Basis nutzen.
Google beschreibt AI Overviews und AI Mode inzwischen als eine gemeinsame, nahtlose Search Experience. AI Mode zerlegt Fragen in Unterthemen und führt dafür mehrere Suchen parallel aus. Auch Folgefragen zählen als neue Suchanfragen.
Das spricht gegen die Vorstellung, Google Search und „GEO“ seien zwei sauber getrennte Kanäle.
Google baut kein zweites Internet neben der Suche. Google baut eine andere Oberfläche auf für seine Such- und Informationssysteme.
Damit verschwinden die klassischen Grundlagen nicht. Eine Seite, die Google nicht crawlen, indexieren oder verstehen kann, wird nicht plötzlich durch einen GEO-Trick zur bevorzugten Quelle im AI Mode.
Neu sind andere Fragen:
- Welche Seiten erscheinen in generativen Ergebnissen?
- Welche Fakten übernimmt Google?
- Wann bleibt es bei einer Impression?
- Wann entsteht ein Klick?
- Und führt dieser Klick zu einer Anfrage, einem Kauf oder wenigstens zu späterer Markennachfrage?
Das ist zusätzliche SEO-Arbeit.
Seit Juni rollt Google einen eigenen Search-Console-Bericht für generative AI-Funktionen aus. Er zeigt Impressionen aus AI Overviews und AI Mode. Aufgeschlüsselt nach Seiten, Ländern, Geräten und Zeit.
Das ist nützlicher als ein Prompt-Tracking mit 5.000 automatisch erzeugten Fragen, nach denen vermutlich nie ein Mensch gesucht hat. Vollständig ist die Messung natürlich trotzdem nicht.
Der neue Bericht zeigt generative Impressionen. Er liefert keine vollständige Verbindung aus konkreter Frage, Antwort, Rückfrage, Rückantwort, Quelle, Klick und Conversion.
Genau deshalb darf der Report nicht zum Visibility-Score verkommen, den wir schön nach oben optimieren und reporten, ohne seinen wirtschaftlichen Wert zu belegen.
Eine Impression im AI Mode kann relevant sein. Sie kann auch dekorativer Beifang sein.
Ohne Nachfrage, Klick oder späteren Effekt wissen wir es nicht.
Meine aktuelle Todo-List nach dem Lesen von Googles Quartalsreporting bleibt:
- Suchnachfrage und Business-Wert verstehen: Denn wer am User vorbeioptimiert, kann Kennzahlen treiben, aber keinen Business-Value bringen. Mit AI ist SEO noch mehr ein Kanal zum Bedienen existierender Nachfrage und Nachfrage ist da.
- Crawling, Indexierung und technische Grundlagen stabil halten: Indexiert sein und bleiben wird immer härter und nicht einfacher und wir spielen es nicht nur bei Google, sondern auch bei Bing (ChatGPT), sondern auch bei Brave (Claude) und perspektivisch weiteren Maschinen. Dazu gehört auch: Besserer Content (ja, das ist ein Indexierungsthema, nicht mehr nur ein Rankingthema).
- Klassische Rankings und organischen Traffic weiter optimieren: Klassisches SEO ist nicht tot. Die Search Console meiner Kunden zeigt das deutlich. Manche Shortcuts sind eingegangen. Die typische Ausweichbewegung „Shop- und Produktdaten optimieren kriegen wir gerade nicht hin, wir bauen ein Magazin“ funktioniert nicht mehr so. Aber es gibt weiterhin viel Traffic über die organische Suche zu verteilen. Das zeigt auch der Quartalsbericht.
- AI-Impressionen und Quellenbezüge themen- und URL-basiert ergänzen: AI Impressions/Citations (Google / Bing) neben Klicks der organischen Themen legen (Themenbasiert, URL-basiert)
- Prompts und Systeme monitoren, die eine belegte wirtschaftliche Relevanz haben: AI Overviews prüfen, für wichtige Keywords monitoren. AI Overviews für wichtige Suchthemen beobachten und Hypothesen kontrolliert testen. Chat-Systeme mit Basismonitoring checken. Für Prompts und Diskussionen, auf die ich wirklich optimieren will und die wirklich einen belegten betriebswirtschaftlichen Wert haben. Nicht nur Vanity-Points auf der CMO-Bingo-Karte.
Google macht die Suche größer, rechenintensiver und unübersichtlicher. Für unsere Arbeit folgt daraus kein Grund für Panik, sondern ein Auftrag: weniger über Labels streiten, genauer messen und gezielter testen.
Welche Maschine nutzt der Kunde? Welche Quellen nutzt die Maschine? Welche Sichtbarkeit entsteht? Welcher Traffic kommt an? Und was davon erzeugt wirtschaftliche Wirkung?
Alles andere ist E-I-E-I-O mit Dashboard (und vielen nutzlosen KPIs).