Ein LinkedIn-Post von Zack Notes wurde mir in die Timeline gespült, weil SEOs, deren Einschätzung ich sehr schätze, ihn geliked haben:
Wer auf großen Websites pro Seite auf mindestens fünf zufällig gewählte andere Seiten verlinkt, senkt seine Orphan-Page-Rate auf unter 1 %. So weit, so mathematisch.
Denn ja, das Ganze basiert auf einer Formel aus der Wahrscheinlichkeitstheorie – genauer gesagt auf dem sogenannten Coupon Collector’s Problem. Je mehr zufällige Links gesetzt werden, desto wahrscheinlicher wird jede Seite irgendwann einmal intern verlinkt. Mit fünf zufälligen Links pro Seite erreicht man eine Orphan Rate von unter 1 %.
Nur weil es mathematisch aufgeht, ist es nicht automatisch eine gute SEO-Strategie.
Was sind überhaupt Orphan Pages?
Orphan Pages sind Seiten, die keine internen Links erhalten – sie sind also "verwaist". In der Praxis heißt das: Sie können weder von Usern noch von Suchmaschinen über die Website-Navigation oder interne Verlinkung erreicht werden. Man müsste sie gezielt über die URL ansteuern.
Das ist ein Problem – aber nur, wenn diese Seiten überhaupt indexiert und sichtbar sein sollen.
Muss wirklich jede Seite intern verlinkt werden?
Kurze Antwort: Nein. Denn nicht jede Seite ist SEO-relevant.
Beispiele gefällig?
- Produktvarianten mit identischem Text.
- Dynamisch erzeugte Filterkombinationen ohne Nachfrage („blaue Sneaker in Größe 43 mit Glitzer und braunen Schnürsenkeln“).
- Rechtlich notwendige Seiten ohne Suchinteresse.
- Auslaufmodelle ohne Bestand oder Nachfrage.
Nur weil eine Seite existiert, heißt das nicht, dass sie aktiv über interne Links gepusht werden muss. Und manchmal sollte man sich ehrlich fragen: Warum gibt es diese Seite überhaupt, wenn sie inhaltlich nirgends logisch andockt?
Was ist mit Skalierbarkeit?
Aber bei 200.000 Seiten – wie soll ich das bitte thematisch ordentlich verlinken?!
Ja: Manuelle Pflege ist da keine Option.
Aber: Random Linking ist nicht die Antwort.
Denn:
- Thematische Nähe lässt sich automatisiert ermitteln – per URL-Struktur, Kategoriebaum oder sogar semantisch.
- Verwandtschaft zwischen Seiten ist nicht schwer zu erfassen – und damit auch sinnvoll automatisiert verlinkbar.
Wer stattdessen zu einem Zufalls-Linksystem greift, weil es „einfach“ ist, wählt die falsche Lösung. SEO belohnt keine Abkürzungen, die auf Kosten der Qualität gehen.
Es muss nicht entweder/oder sein – aber Pfuschen bringt nichts
Einwände wie „Man kann Random Links ja zusätzlich einbauen, ohne Siloing zu zerstören“ sind formal korrekt. Aber ehrlich: Wer so verlinkt, weil es schnell geht, wird selten gleichzeitig Zeit in konzeptionelle Ordnung investieren.
Dann bleibt’s beim Pfusch. Und die Seite verliert an Struktur, Autorität – und Klarheit.
Und was ist mit Siloing und Topical Authority?
Wenn ich zufällig fünf Seiten pro Seite verlinke, verliere ich die thematische Ordnung auf meiner Seite. Die logische Struktur. Das Siloing. Das bedeutet: Ich verlinke plötzlich von „Winterjacken für Damen“ auf „Bohrmaschinen-Zubehör“ – einfach, weil es dem Zufallsprinzip folgt.
Aber genau diese thematische Ordnung ist oft entscheidend für Google, um die Relevanz einer Seite zu erkennen.
Topical Authority entsteht durch sinnvolle interne Verlinkung innerhalb eines Themas. Wer wild durchmischt, verwässert die Struktur – und damit das Signal an Google.
Was ist mit Crawl & PageRank?
Wichtig ist die Frage, was Du überhaupt mit interner Verlinkung erreichen willst: Crawling erleichtern oder Rankings stärken?
Denn:
- PageRank und Ankertexte wirken nur über indexierbare Seiten.
- Fürs Crawling zählt allein, dass es einen Link gibt – auch von Noindex- oder Fehlerseiten.
Wenn Crawling das Problem ist, kann diese zufällige Verlinkung eine pragmatische Lösung sein. Aber wer Rankings pushen will, braucht mehr Struktur – und Priorisierung.
Nutzererfahrung? Spielt eine Rolle.
Google schaut nicht nur auf die Website-Struktur, sondern auch: Wie bewegen sich Nutzer:innen über die Seite? Welche Pfade werden genutzt? Welche Bereiche bleiben unberührt?
Zufällige Links lösen diese Logik auf – und kosten Dich Kontrolle. Plötzlich führen Signale in Richtungen, die Du gar nicht stärken willst.
Verlinkung mit der Gießkanne?
Genau das passiert, wenn jede Seite gleich viele, zufällige Links bekommt.
Du nimmst Dir die Möglichkeit, Gewichtung zu setzen:
- Was ist wichtig?
- Was ist zweitrangig?
- Was will ich stärken?
Gezielte interne Verlinkung schafft genau das: Priorisierung.
Mit dem Gießkannenprinzip geht das verloren.
Und was ist mit: „Random Linking ist besser als gar keine Verlinkung“?
Diese Haltung hört man oft – und sie wirkt erst mal vernünftig.
Aber: Keine Verlinkung bedeutet in vielen Fällen auch: Diese Seite braucht keine Sichtbarkeit.
Und wenn doch? Dann verdienst Du mehr als einen Zufalls-Link. Dann braucht die Seite einen Platz im System, einen sinnvollen Einstieg, ein Ziel.
Sonst bleibt es nur Stückwerk.
Fazit
Ich mag den Denkansatz.
Ich mag die Struktur.
Ich mag auch die Mathematik.
Aber ich werde es trotzdem nicht umsetzen. Weil SEO mehr ist als ein statistisches Modell.
Gute interne Verlinkung folgt einer Strategie.
Sie schafft Struktur. Sie setzt Prioritäten. Und sie ist kontextuell sinnvoll – nicht zufällig.