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Helfen Accessibility Overlays Deine Seite barrierefrei zu machen? Mit immer näher rückender Deadline bis das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) von Websites Barrierefreiheit verlangt, werden wir Wingmenschen genau das immer häufiger gefragt.

Kurze Antwort darauf: Eher nicht.

Und jetzt die lange Antwort.

Vorab: Was sind Accessibility Overlays?

Accessibility Overlays sind Technologien, die die Barrierefreiheit auf einer Webseite verbessern sollen. Häufig wird über den Einsatz von JavaScript der Quellcode verändert, um Verbesserungen im Front-End der Webseite zu erzeugen.

Wenn eine Website solch ein Overlay einsetzt, ist meist am linken oder rechten Rand das Accessibility Icon zu sehen. Darüber können User:innen zum Beispiel Kontrast, Schriftgröße und einiges mehr auf der Seite anpassen, die sie sich gerade ansehen. Und da liegt auch schon das erste Problem.

Beispiel eines Accessibility Icons auf einer Webseite:

Schwarze Kachel mit weißem Kreis, in dem ein Personensymbol ist.

Warum solltest Du die Overlays nicht einsetzen?

"Menschen mit Behinderungen brauchen bei der Nutzung des Webs in der Regel bestimmte Anpassungen durchgehend"

Sagt IAAP Web Accessibility Specialist Detlev Fischer (externer Link).

Stellen aber User:innen Anpassungen über Overlays ein, sind diese nur auf genau der Unterseite zu sehen, auf der sie gemacht wurden. Rufen sie jetzt eine andere Unterseite auf, sind diese Anpassungen weg und müssen nochmal neu gemacht werden. Wechseln User:innen zu einer anderen Website, bei der ein anderes Overlay im Einsatz ist, müssen sie sich hier außerdem erneut mit den möglichen Anpassungen von diesem Overlay auseinandersetzen. Dazu schreibt Fischer weiter:  

"Der Design-Ansatz von Overlays verlangt [...] von Nutzenden, dass sie sich mit speziellen Anpassungsmöglichkeiten für nur ein Angebot mit einem bestimmten Overlay auseinandersetzen. Das ist von Nutzenden schlicht nicht zu erwarten: Es ist zeitraubend und unproduktiv."

Es gibt aber noch viel mehr Gründe, warum Accessibility Overlays als einzige Lösung nicht empfehlenswert sind:

  • Sie können nicht alle Barrieren beheben (z. B. überall Untertitel hinzufügen, alle ARIA-Fehler korrigieren, etc.).

  • Sie können selbst nicht barrierefrei sein (z. B. wenn die Kontraste im Bedienelement nicht ausreichend sind).

  • Sie können neue Barrieren hinzufügen (z. B. wenn die Tastaturbedienbarkeit durch eine andere Navigation ersetzt wird).

Auch die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik äußert sich kritisch zu den Overlays:

"Er [der Ausschuss für barrierefreie Informationstechnik] teilt die in der Einschätzung der Überwachungsstellen geäußerte Auffassung, dass die Anforderungen an die vollständige Barrierefreiheit eines Webauftrittes dem Grunde nach schon während der Konzeption eines Webauftritts umfassend zu berücksichtigen sind.

Auch aus seiner Sicht genügt eine nachträglich durch eine Software, gegebenenfalls erst nach Vornahme von Einstellungen durch nutzende Personen, temporäre barrierefreie Darstellung eines Webauftrittes für die Dauer ihrer Nutzung nicht den Anforderungen der vorgenannten Vorschriften.

Ergänzend weist der Ausschuss darauf hin, dass öffentliche Stellen, die derartige Tools auf ihren Webauftritten einsetzen, Gefahr laufen, dass ihre Angebote gleichwohl für Menschen mit Beeinträchtigungen nicht barrierefrei zugänglich sind. In der Folge können ihnen im Einzelfall zusätzlicher Aufwand und Kosten für die tatsächliche barrierefreie Gestaltung ihres Webauftrittes entstehen."

Quelle: Gemeinsame Einschätzung der Überwachungsstellen des Bundes und der Länder für Barrierefreiheit von Informationstechnik zum Einsatz von Overlay-Tools (externer Link)

Das heißt, eine Website sollte von sich aus bereits die Vorgaben von digitaler Barrierefreiheit erfüllen. Es ist zwar möglich, dass einige Accessibility Overlays helfen, die AAA-Kriterien der WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) zu erreichen, aber kein Tool kann bisher eine Website vollständig barrierefrei machen.

Mittlerweile haben außerdem 862 Accessibility Experten weltweit die Erklärung im Overlay Fact Sheet unterschrieben und sich damit gegen den Einsatz von Accessibility Overlays ausgesprochen. Das Overlay Fact Sheet enthält neben dieser Erklärung auch einen detaillierten Überblick über Accessibility Overlays, was sie leisten können und was nicht, sowie aktuelle Meinungen und Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen zu den Overlays. Nachlesen kannst Du das auf dieser externen Seite overlayfactsheet.com (englisch).

Falls Dich tatsächlich diese Experten-Empfehlungen noch nicht von der Idee abbringen können, ein Accessibility Overlay einzufügen, dann habe ich für Dich hier noch einen frischen Rechtsstreit:

In den USA wird nämlich gerade AccessiBe – einer der führenden Accessibility Overlay Anbieter – verklagt. Grund dafür: AccessiBe hätte versprochen, dass der Einsatz ihres Overlays dazu führe, dass eine Website ADA-konform ist (ADA steht für Americans with Disabilities Act und ist das US-amerikanische Pendant zum deutschen BFSG). Die aktuellen Entwicklungen zu diesem Rechtsstreit kannst Du im Artikel "New Class Action Lawsuit against AccessiBe" auf lflegal.com nachlesen.

Fazit

Wenn Du Deine Website barrierefrei gestalten möchtest, dann verlass Dich dafür nicht nur auf ein Accessibility Overlay. Nur über eine manuelle Prüfung und die Verbesserung der Website an sich kannst Du sicherstellen, dass Du wirklich die Kriterien des BFSG (und auch der WCAG) erfüllst.

Hast Du Fragen dazu? Dann schreib mir gern per E-Mail.

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