Es sind noch etwa 13 Monate bis Websites gemäß Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) barrierefrei sein müssen (Ausnahmen ausgenommen). Ein bisschen Zeit ist also noch. Aber es lohnt sich, so langsam damit anzufangen. Denn Barrierefreiheit zieht sich durch diverse Bereiche und damit vermutlich auch durch diverse interne Zuständigkeiten. Und: um die Anforderungen des Gesetzes zu erfüllen, muss Deine Website rund 50 Erfolgskriterien (alle A und AA Kriterien) der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) erfüllen.
Da ich Dir gerne mehr über die WCAG und ihre vier Grundprinzipien erzählen möchte, und ich bereits über Wahrnehmbarkeit und Bedienbarkeit geschrieben habe, ist heute das Grundprinzip "Understandable" (deutsch: Verständlichkeit) dran. "Robust" folgt dann demnächst.
Verständliche Sprache
Das Wort "Understandable" lässt vermuten, dass hier vor allem die Redaktion gefragt sein wird. Das stimmt aber nur zum Teil. Verständlichkeit beginnt nämlich schon mit der Sprache des HTML Dokumentes. Wenn das bei Dir so aussieht: <html lang=\"\">

Dann hast Du das Erfolgskriterium 3.1.1 Language of Page WCAG nicht erfüllt. Denn das lang-Attribut hier ist leer.
Ist die Hauptsprache Deiner Website Deutsch, solltest Du hier "de" ergänzen:

Für noch mehr Verständlichkeit sorgst Du, wenn Du nicht nur die Hauptsprache auszeichnest, sondern auch anderssprachige Teile. Nutzt Du in einem deutschen Text zum Beispiel ein englisches Zitat, kannst Du das im HTML so schreiben:
<q lang=\"en\">Wise english words.</q>
Eine noch bessere Verständlichkeit erreichst Du, wenn Du dann auch noch die Bedeutung von Abkürzungen oder ungewöhnlichen Wörtern erklärst, die Du in Deinem Text verwendet hast. Oder, wenn Du eine einfache Version Deines ansonsten komplexen und schwerer zu verstehenden Textes Usern zur Verfügung stellst (Erfolgskriterien: Unusual Words, Abbreviations, Reading Level).
Weitere Kriterien von Verständlichkeit
Die im vorherigen Absatz beschriebenen Kriterien sind die, die Dir als SEO bestimmt häufiger über den Weg laufen. Für das Grundprinzip "Verständlichkeit" gibt es aber noch weitere:
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Wenn eine User-Interface-Komponente fokussiert ist, darf sich der Kontext nicht dadurch nicht ändern.
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Es gibt eine konsistente Navigation. Das bedeutet, Navigationsmechanismen wiederholen sich auf mehreren Unterseiten und sind in der gleichen relativen Ordnung, es sei denn, die Veränderung wird durch den User erzeugt.
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Es gibt Labels oder Anleitungen, wenn Inhalte User-Eingaben erfordern.
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Wenn ein Eingabefehler automatisiert entdeckt wurde und systemseitig mögliche Korrekturen bekannt sind, werden die Vorschläge dem User mitgeteilt. Es sei denn, es gibt Sicherheitsbedenken, die dagegen sprechen (zum Beispiel bei Passwörtern).
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Wenn User im gleichen Prozess bereits Daten eingetragen haben, sollten sie die gleichen Daten nicht nochmal eintragen müssen. Stattdessen sollten die Daten bereits voreingetragen sein oder vom User ausgewählt werden können. Auch hier - wie bei den letzten Artikeln - am Ende noch ein kurzer Disclaimer: Ich bin bewusst nur auf Beispiele und ausgewählte Erfolgskriterien eingegangen. Lies Dir gern die ganze WCAG zur Verständlichkeit durch. Übrigens, falls Du Englisch nicht so gut verstehst: Die Aktion Mensch hat auf ihrer Website eine Übersetzung der WCAG 2.1. veröffentlicht. Das ist zwar nicht die aktuellste Version, aber es gibt keine gravierenden Unterschiede zwischen 2.2. Und 2.1. Oder Alternative 2: Frag mich 🙂