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Junior Consultant

Nachdem Sandra Dir letzte Woche in Teil 1 und diese Woche in Teil 2 erzählt, warum eine nachhaltige Website toll ist und was Du dafür tun kannst, möchte ich Dich heute erneut auf das Thema Barrierefreiheit für Websites aufmerksam machen. 💡

Mit dem 2025 bevorstehenden Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) werden einige Kriterien auch bei uns Pflicht, um eine für alle gleichermaßen barrierefrei nutzbare Website bereitzustellen. Die Kriterien werden als Web Content Accessibility Guidelines (kurz WCAG) definiert, die sich in drei unterschiedliche Stufen aufteilen.

Level A (30 Kriterien), AA (20 Kriterien) und AAA (28 Kriterien). Stell Dir das wie die folgende Abbildung vor:

Eine grafische Abbildung der WCAG 2.1 Level mit drei unterschiedlich großen Kreisen. Der größte Kreis umschließt die beiden kleineren Kreise. Der zweitgrößte Kreis umschließt den ersten Kreis. Die Kreise haben die Beschriftung AAA, AA und A um zu verdeutlichen, dass Level AAA auch AA und A enthält. AA enthält daher auch A.

Wenn Du das höchste Level erreichen möchtest, musst Du insgesamt alle 78 Kriterien ⭐⭐⭐ erfüllen. Wir gehen davon aus, dass das BFSG sich aber an Stufe 2 orientieren wird — also Level AA (50 Kriterien).

Um mal ein Beispiel zu nennen: ALT-Texte sind Level A und damit in Zukunft Pflicht. Anita hat Dir letzte Woche eine grafische Aufbereitung des ALT-Entscheidungsbaums und viele weitere Informationen zu ALT-Texten für Dich gebündelt.

Wichtig: ALT-Texte sind für Barrierefreiheit essentiell und dürfen nicht für Keyword-Trickserei missbraucht werden. ❌

Diese Übersicht zur Barrierefreiheit hat es in sich

Wenn Du Dir die offiziellen Beschreibungen der WCAG anschaust, wird Dir auffallen, dass das viel Text ist und auf den ersten Blick erschlägt. Ich habe mich sehr gefreut, als ich diese Übersicht von Gehirngerecht Digital zu den Level A und AA Kriterien gefunden habe.

 Ein Screenshot der Übersicht von Gehirngerecht Digital. In einer niedlichen Grafik wird das Kriterium visualisiert (hier ALT-Texte, die ein in der Grafik sichtbares Bild beschreiben). Darunter befindet sich ein einfacher Merksatz "Ich kann das Bild nicht sehen, drum schreib mir Text, ums zu verstehen!". Unter dem Merksatz findet sich eine Kurzbeschreibung "Jedes Bild, das Informationen vermittelt oder dazu beiträgt, die Inhalte deiner Seite besser zu verstehen, benötigt einen Alternativtext für Screenreader.". Unter dieser Kurzbeschreibung finden sich noch weiterführende Links zu dem Kriterium und dem BITV-Prüfschritt. Als letztes wird noch eine Filterung eingeblendet für die Verantwortlichkeit -- hier Content-Ersteller.

Hier werden die Kriterien mit 

  • einer niedlichen Grafik, 

  • einem reimenden Merksatz,

  • einer Kurzbeschreibung, die leicht verständlich ist,

  • weiterführenden offiziellen Quellen und 

  • einer Einstufung für welche Rolle im Unternehmen dieses Kriterium relevant ist.

Nach der Rolle kann auch gefiltert 🧑‍🎨👷🧑‍💼 werden, was es einfacher macht, Verantwortlichkeiten zu definieren. Eine Idee, die mir kam: Die Karten könnte man auch gut als Spiel aufsetzen, wie unser Kartenspiel "Wie viel Schmerz kann ein SEO vertragen?".

Was durch diese Übersicht auch erneut deutlich wird: 

Barrierefreiheit ist kein Schuh 👟, den sich eine Person alleine anziehen muss, sondern alle.

Ähnlich wie das Thema Page Speed, das gerne auf den Schultern von uns SEOs lastet, muss auch die Barrierefreiheit ein Standard einer guten Website sein, den alle einhalten möchten und dabei wissen, was zu tun ist. Selbiges gilt, wie Sandra geschrieben hat, in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Hier mal zwei Beispiele:

  1. Wird ein Bild nicht dargestellt — aus welchen Gründen auch immer — dann haben wir alle etwas davon, wenn eine Textbeschreibung als Ersatz angezeigt wird.

  2. Sind wir mobil unterwegs, dann möchten wir

    a. eine schnell ladende Seite und

    b. keine Verschwendung unseres Datenvolumens.

Eine nicht optimierte Seite, bei der Du ein mehrere Megabyte großes Bild herunterladen musst, ist weder nachhaltig noch barrierefrei.

Barrierefrei bedeutet für mich auch, dass eine Website von allen Menschen grundsätzlich nutzbar ist — auch abseits von körperlichen und geistigen Einschränkungen. Und nicht jeder Mensch hat ein riesiges Datenvolumen, das gleichzeitig erschwinglich ist.

Barrierefrei = mehr Kunden

Die gesetzliche Motivation wird zwangsweise dazu führen, dass Websites barrierefreier werden. Und das ist gut so, denn eine barrierefreie Website tut nicht nur uns allen gut, sondern kann auch eine größere Zielgruppe bedienen.

15% aller Menschen weltweit identifizieren sich als eingeschränkt. Neben dauerhaften gibt es auch temporäre (z. B. wenn man zeitweise nur einen Arm benutzen kann) und situative Einschränkungen (z. B. weil jemand gerade ein Kind auf dem Arm hält). Und dann kommen noch die Menschen hinzu, die im Umfeld von Menschen mit Einschränkungen leben.

Es ist also klar, dass mehr Menschen unsere Websites nutzen können, wenn sie barrierefrei sind.

Eine barrierefreie Seite hat auch viele Vorteile für SEO, wie z. B.:

  • Potenziell mehr Verlinkungen, weil wir positiv mit einer barrierefreien Website herausstechen

  • Suchmaschinen verstehen unsere Inhalte besser, weil wir mehr Informationen liefern

  • Weniger Short Clicks, weil länger auf unserer Seite verblieben wird, wenn diese nutzbar ist

Barrierefreie Websites bekommen insgesamt (12%) mehr Traffic 📈 und das bedeutet bei ansonsten gleichen Bedingungen auch nachvollziehbar mehr Kunden/Leads und Umsatz.

Barrierefrei = besser für uns alle

Wenn man dann auch noch weiß, dass nur 17% aller Menschen mit Einschränkungen geboren werden.), wird klar, wie relevant das Thema für uns alle ist. Und das jede*r von uns Einschränkungen, die den Umgang mit Websites erschweren, im Laufe des Lebens erleiden kann.

Sinngemäß hat Saskia Bader zu dem Thema ein wirklich schönes Zitat auf der Campixx dieses Jahrrausgehauen:

"Wenn Du es nicht für andere tust, dann tue es für Dein zukünftiges selbst."

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