Nachdem es dazu schon eine Weile keine aktuellen Informationen gab, hat nun Google wieder einmal ein paar Zahlen veröffentlicht, wie viele Suchanfragen im Laufe eines Jahres denn aktuell so zustande kommen. Die Antwort: 5 trillion searches, also 5 Billionen Suchen. Das ist eine Menge! Nicht zu verwechseln übrigens mit 5 Trillionen, was in Deutschland noch sechs weitere Nullen bedeuten würde.
Es ist verwirrend, ich weiß… Zumal zumindest bei mir die Vorstellung, was das konkret bedeutet, ohnehin irgendwo zwischen Millionen und Milliarden verschwimmt. Ich kann die Zahl auch nicht an den gern gewählten Fußfeldern oder sonst irgendeinem konkreten Beispiel festmachen, also gibt es sie hier nun einfach einmal in voller Pracht ausgeschrieben:
5.000.000.000.000, also eine 5 mit 12 Nullen. Ganz schön beeindruckend! Im Vergleich dazu sehen die Zahlen von Perplexity, ChatGPT und DuckDuckGo geradezu mickrig aus. Hier noch einmal zum Vergleich:
- Google: 5.000.000.000.000 (13.700.000.000 pro Tag)
- Perplexity: 520.000.000 (10.000.000 pro Tag)
- ChatGPT: 365.000.000.000 (> 1.000.000.000 pro Tag)
- DuckDuckGo: 36.000.000.000 (3.000.000.000 pro Monat)
Sieht auf den ersten Blick nach einer klaren Nummer aus (im wahrsten Sinne des Wortes). Und das ist es genau genommen auch. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Perplexity erst seit August 2022 am Start ist. Und dass ChatGPT seinen großen Durchbruch erst im November 2022 hatte. “Damals” knackte der Chatbot innerhalb von 5 Tagen die 1.000.000 Nutzerinnen und Nutzer. Definitiv ein raketenhafter Anstieg! Zum Vergleich: Google ist seit September 1997 im Rennen. Dazu kommt, dass Googles weltweiter Marktanteil zuletzt erstmals seit zehn Jahren unter 90% liegt (mehr dazu findest Du in diesem Artikel von Flo Hannemann).
Halten wir also fest: Aktuell dominiert Google die Suche nach wie vor deutlich. Trotzdem sollten wir realistisch sein: Die klassische Suche wird an Bedeutung verlieren. Vielleicht nicht heute, vielleicht auch noch nicht morgen oder übermorgen. Aber irgendwann kommt der Tag, an dem die Anna Normalverbraucherin ihre Suche nach neuen Schuhen oder dem Rezept für einen Apfelkuchen nicht mehr bei Google beginnt, sondern auf Social Media oder bei einem KI-Tool ihres Vertrauens.
Schon jetzt schauen viele beim Shoppen direkt bei Amazon vorbei. Und gerade die jüngere Generation kauft lieber über TikTok oder Instagram. Passend dazu ein Kommentar unter dem Artikel Google: 10% Of Younger Google Searches Start With Circle To Search:
Muss dieser Verlauf ein Nachteil sein? Nein! Im Gegenteil: Google dominiert eigentlich schon viel zu lange allein das Feld. Das mag im ersten Moment sehr angenehm sein, immerhin muss man dann nicht für zehn Tools gleichzeitig optimieren.
Also alles gut. Zumindest bis Du eines Morgens aufwachst und mit heruntergeklappter Kinnlade feststellst, dass das neue Core Update Deiner jahrelangen Arbeit über Nacht das Licht ausgeknipst hat. Uups, dann ist der Urlaub dieses Jahr wohl gestrichen. Und 500 Stellen noch dazu.
Oder anders formuliert: Vermutlich ist es ganz gut, wenn sich das einstige Monopol nach und nach auf mehrere Schultern und Tools verteilt. Denn wo jemand alleine herrscht, da ist zumindest theoretisch die Chance vorhanden, dass der eigene Vorteil dieses Unternehmens noch stärker in den Mittelpunkt rückt als “das Wohl der Nutzerinnen und Nutzer”.
Die Frage ist also nicht, ob die klassische Suche abgelöst wird, sondern wann. Und wie die neue Form der Suche aussehen wird. Ein Chat-Format wie bei ChatGPT? Eine Technologie wie bei Google Lens? Oder doch eine ganz neue Art, die wir vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm haben.
Zum Abschluss noch der Hinweis: Schau Dir auch unbedingt noch den Artikel von Flo Hannemann in dieser Ausgabe an. Der nimmt die 5 Billionen Suchen nämlich noch einmal aus einem anderen Blickwinkel in Augenschein und fragt sich: Wird Google eigentlich absichtlich schlechter?