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Junior Consultant

In einem neuen Blogpost hat Google bekannt gegeben, dass sie mittlerweile mehr als 5 Billionen Suchen im Jahr bedienen. Das bedeutet, runtergebrochen etwa 158.548 Suchen in der Sekunde. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber mir fällt es schwer, sich das schiere Ausmaß vorzustellen. Matt hat Dir in seinem Artikel noch genauer erklärt, wie absurd groß diese Zahl ist und wie Google damit im Vergleich zur Konkurrenz dasteht.

Für mich ist die Zahl vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Google nach Schätzungen 2015 noch etwa 1,2 Billionen Suchanfragen hatte, sehr beeindruckend. Damit hat sich die Anzahl der Suchen über Google in 10 Jahren mehr als vervierfacht.

Woher aber kam der starke Anstieg?

Googles Marktanteil ist seitdem eher marginal gewachsen und in den letzten 2 Jahren sogar rückläufig. Google musste allerdings kein starkes Wachstum hinlegen, weil der Markt das für sie getan hat. Die Anzahl der Personen mit Internetzugriff ist von 3,27 auf 5 Milliarden gewachsen. Bei ~90% Google Nutzer:innen ist das schon beachtlich.

(Fast) eine Verdoppelung an Nutzer:innen ist zwar schon ein großer Schritt in Richtung Suchanfragen-Anstieg, erklärt aber noch nicht das enorme Wachstum. Hier ist nämlich Google selbst der Grund.

Es wird oft darüber geredet, dass Google in den letzten Jahren schlechter geworden ist. Das ist jedoch nicht nur Linkedin-Geschwafel, sondern lässt sich auch belegen. 63% der Nutzer:innen fanden Google-Ergebnisse früher besser, Ads nehmen mehr und mehr Platz ein und es gibt dutzende Beispiele von schlechten Ergebnissen.

Die schlechtere Qualität von Google ist jedoch kein Zufall, sondern Teil eines gezielten Plans zur Traffic-Steigerung.

Wieso sollte Google absichtlich schlechter werden?

Ganz einfach: Google möchte mehr Umsatz. Ein Großteil von Googles Umsatz kommt aus Ads. Der Umsatz, der mit Ads erzielt wird, setzt sich wie folgt zusammen:

Umsatz = Price x Anzahl queries

Der Preis, den Unternehmen für ihre Ads zahlen, ist gegeben. Selbst wenn Google da mit dem Drehen von internen Parametern noch ein paar mehr Cent in die eigenen Taschen spülen kann, ist der Wert relativ starr. Wenn man also den Umsatz aus Ads erhöhen möchte, bleibt nur an der Anzahl der Queries zu schrauben.

Dass dies ein gezielter Plan von Google war, lässt sich auch aus den internen Dokumenten und E-Mails erkennen, die im Rahmen des Verfahrens United States v. Google LLC (2020) veröffentlicht wurden.

In diesem Mail-Verlauf wird ersichtlich, wie sehr das Ads-Team damit zu kämpfen hatte, ihre Quotas zu erfüllen und die Schuld dafür auf mangelnde Kooperation des Search-Teams geschoben haben. Sie taten alles, um ihren Teil der Umsatzgleichung zu erfüllen, aber das Ziel des Search-Teams lag verständlicherweise nicht darin, künstlich die Anzahl an Suchanfragen zu erhöhen.

Das Search-Team wollte zufriedene Nutzer:innen und wie es der Zufall so will, sind Nutzer:innen in der Regel nicht zufrieden, wenn sie mehrere Suchen tätigen müssen. Die internen Ziele bei Google passten also nicht zusammen.

In weiteren Mailverläufen wird direkt eine gezwungene Steigerung an Queries diskutiert, um die damaligen Quartalsziele zu erreichen. Kurz darauf wurde ein Code Yellow im Hause Google ausgerufen, um das “mangelnde Wachstum” an Suchanfragen zu bekämpfen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde hier dann eine Verschlechterung der Suche angegangen. Etwas, das sich auch in internen Positionen durch die Beförderung Prabhakars widerspiegelte.

Falls die absichtliche Verschlechterung zu Zwecken der Umsatzsteigerung etwas weit hergeholt klingt (schließlich streben wir doch alle zufriedene Nutzer:innen an): Aus dem Verfahren ging auch hervor, dass Google bereits vorher angetestet hat, wie eine Verschlechterung des Indexes und der Ergebnisse sich auf den Umsatz auswirken würde. In dem Beispiel würde das Entfernen von Informationen im Wert von etwa 2 Wikipedia aus dem Index sich weniger als 1% auf Ads Revenue auswirken.

Google wusste also, dass sie durch schlechtere Ergebnisse eher mehr Umsatz als weniger Umsatz einfahren würden. So kontraintuitiv es auch klingt, die schlechtere Qualität der Google Ergebnisse über die letzten Jahre war kein Zufall, sondern eine geplante Strategie.

Falls Du noch tiefer in das Thema eintauchen willst, empfehle ich Dir diesen Artikel von Ed Zitron oder diesen Google Quality Issues Artikel von Wallethub. Im Artikel von Wallethub findest Du unten auch eine Sektion mit einigen SEO-Experten Meinungen zum Thema. Hier ist die Verschlechterung von Google fast einstimmig anerkannt.

Ob die kurzfristige Steigerung von Einnahmen über Ads im Austausch für Qualität in der Welt mit aufholenden Konkurrenten wie Bing und Yandex, sowie AI als neuem Player am Markt der richtige Weg war, wird sich zeigen.

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