"Real creativity is coming up with a solution by changing the problem."
Zum Reframing habe ich vor einigen Wochen geschrieben und persönlich einige gute Gedanken aus dem Buch "The Obstacle is the Way" von Ryan Holiday gezogen.
Denn Probleme sind immer auch eine Chance – auch in der SEO und den vielen Veränderungen, denen wir in letzter Zeit ausgesetzt sind.
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Generative KI,
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Unsicherheiten durch große Google Updates,
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SERP-Veränderungen und
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breiteres Suchverhalten von Usern.
Was wie ein Problem wirkt – die Aufspaltung des Suchverhaltens der User – ist gleichzeitig eine große Chance. Wie Du diese Chance nutzen kannst, um hochwertige Backlinks aufzubauen, erzähle ich Dir in diesem Artikel zu Carries Vortrag beim Digital Olympus.
SEO ist Teamsport
"Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile"
– Aristoteles
Was wir im Marketing oft falsch machen ist, in Silos zu denken. Wir sehen nur uns, unsere Sichtweise und unser Budget. Teilweise sind die Strukturen, wie wir in Unternehmen arbeiten, daran Schuld, teilweise hat aber auch jede und jeder von uns zumindest eine kleine Teilschuld, sich nicht aktiv für Veränderung einzusetzen.
Was wir brauchen sind ineinander greifende Zahnräder, um mehr miteinander als gegeneinander zu arbeiten, Synergieeffekte zu hebeln und den Kuchen für alle größer zu machen.
Carrie hat das schön aufgegriffen: Damit SEO funktioniert, braucht es Nachfrage. Diese kann entweder bereits vorhanden sein oder erzeugt werden. Ohne vorhandene Nachfrage ist SEO als Kanal wertlos, also warum sprechen wir nicht mehr mit den Kollegen und Kolleginnen aus klassischen Marketing, PR, Social, & Co.?
Gerade in letzter Zeit haben wir oft gelesen, dass (vor allem in den USA) große Publisher die SERPs dominieren und unabhängige kleine Brands keine Chance haben sich zu positionieren.
Anstatt jetzt aber "rumzuweinen" denken wir daran zurück, dass jedes Problem auch eine Chance darstellt.
"Setbacks or problems are always expected and never permanent. Making certain that what impedes us can empower us."
– Ryan Holiday
If you can't beat them, join them
Wenn Du die anderen nicht überholen kannst, musst Du ihre Inhalte wie ein trojanisches Pferd von innen kapern. Ganz so böswillig ist es nicht, denn um den Plan durchzubringen, wirst Du eingeladen, weil Du einen echten Mehrwert lieferst.
Publisher wollen
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Traffic,
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Social Shares und
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möglichst schnell Neuigkeiten raushauen können.
Dabei kannst Du ihnen helfen. Wie so oft zeigt sich, dass der beste Weg andere zu beeinflussen, der ist, dass Du dabei hilfst, ihre Ziele zu erreichen.
Idealerweise möchtest Du am Ende in den Top Stories bei Google reinkommen, da das Links sind, die viel Traffic liefern und Autorität vererben. Außerdem sind "Breaking News" auf der Startseite platziert, was den Link in der Regel noch stärker macht.
Diese Wege helfen Dir, Trends möglichst schnell zu erkennen
Oft unterschätzt und in der Regel eine Goldmine: Die interne Suche. Eigentlich würde man denken "ist doch total offensichtlich", aber die Realität ist oft eine andere meiner Erfahrung nach.
Carrie hat basierend auf den Kunden, die sie betreut unter anderem folgendes gesagt:
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30 % der User nutzen die interne Suche und
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konvertieren besser, als die, die nicht suchen.
Wie oft User die interne Suche verwenden, ist natürlich unterschiedlich. Dass es aber bei der Nutzung der internen Suche öfter zu einer Conversion kommt, ist logisch, da diese User bereits wissen, was sie wollen.
Was ich an Deiner Stelle tun würde:
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Wenn es kein Tracking der internen Suche bei dem Shop, den Du betreust, gibt, dann würde ich es einrichten (lassen).
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Wenn es keine interne Suche gibt, würde ich evaluieren, ob es sinnvoll sein könnte, das in den Shop einzubauen – beispielsweise weil das Inventar groß (genug) ist und/oder der Bedarf vorhanden ist (z. B. evaluiert durch User-Befragungen oder eingehendes Feedback).
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Benachrichtigungen im Tracking-Tool einstellen, wenn bestimmte interne Suchen Ausschläge haben, die über einen Grenzwert hinausgehen.
Dadurch gibt es erste Anhaltspunkte, dass gerade ein Trend entsteht. Du kannst die Daten mit Google Trends abgleichen, um zu verifizieren, dass es nicht nur den eigenen Shop betrifft. Mit Buzzsumo kannst Du herausfinden, was die plötzliche Explosion in der Nachfrage ausgelöst hat.
Das Beispiel von Carrie: Explosionsartig mehr Suchvolumen nach "white vans". Normalerweise würde es dauern, bis man herausfindet, warum danach so viel intern gesucht wird, wenn man überhaupt einen Alarm eingestellt hat.

Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen in Squid Game – einer extrem populären Netflix-Serie – haben weiße Vans getragen. Anstatt dass Stunden, Tage, Wochen und Monate vergangen sind, bis man überhaupt davon gehört hat, hat Carrie mit ihrem Team innerhalb von 40 Minuten Kontakt zu Publishern aufgenommen.
Das Ergebnis: Innerhalb von 24 Stunden hat sie mit ihrem Kunden hunderte organische Links aufgebaut und für fast 20k Seitenaufrufe gesorgt.
Neben den ganzen Links gab es auch starkes Engagement in den sozialen Medien und selbst Netflix hat es retweeted.
Keine interne Suche? Kein Problem.
Carrie empfiehlt Glimpse. Damit kannst Du Trends in Kombination mit Suchvolumen beobachten und Dich benachrichtigen lassen, wenn es Ausschläge nach oben gibt.
"Was ist, wenn ich nicht weiß, was die potenziellen Keywords sind?" Gute Frage, für die Carrie Rose Exploding Topics empfiehlt.
Erneut ein tolles Beispiel: 2014 hatte "airport outfits" ca. 1,4k Suchen im Monat. 2019 waren es ca. 3k und jetzt 11k. Die einzige Seite, die dazu gerankt hat, war Pinterest. Menschen haben an Flughäfen ihre Outfits aufgenommen und in den sozialen Medien geteilt.
Mit ihrem Kunden hat Carrie alle passenden Artikel in eine Kategorie gepackt, diese auf das Keyword "airport outfits" optimiert, durch Outreach zu Publishern zusätzlich für organische Nachfrage gesorgt und alles mit dem passenden Inhalt in der Suche abgeholt.
Lass kein Potenzial auf der Straße liegen – wie Zara (schon wieder)
Zara schafft es immer wieder, auf Social Media für Trends zu sorgen. Anstatt dass man diese Nachfrage in der Suche abfängt, läuft man aber oft ins Leere. Ich habe im Newsletter auch schon mal über Zara gemeckert, die an einigen Stellen Geld auf der Straße liegen lassen.
Einige Publisher haben über in den sozialen Medien populäre pinke Zara Jeans geschrieben. Die Entwicklung des Suchvolumen zeigt, dass Zara den Trend vermutlich angestoßen hat:

Nachfrage vorhanden, nur das passende Angebot von Zara in den SERPs hat man damals vergeblich gesucht. Das Beispiel zeigt perfekt, wie es nicht laufen darf. Das passiert, wenn man nicht miteinander redet.
"When we learn how to work together versus against each other things might start getting better".
– Alex Elle
Warte nicht auf Trends, sondern starte sie selbst
Agieren > Reagieren. Daher schlägt Carrie vor, Trends selbst zu schaffen und die entstehende Nachfrage per SEO einzufangen.
Hier ein Beispiel in wenigen Schritten:
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Finde heraus, für welche Produktkategorien Du auf Platz 1 rankst, wie hoch SV ist und wie viele Produkte Du auf Lager hast – denn ein Trend ohne viel Ware hilft Dir nicht weiter, wenn das viral geht.
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Wähle eine passende Produktkategorie aus, es können ruhig neue, unkonventionelle Produkte sein.
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Sammle eine Liste von Influencern auf Social Media und sorge dafür, dass sie Dein Produkt tragen/zeigen. Das muss nicht immer bezahlt sein!
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Bereite Outreach für Publisher vor, sodass Du direkt was Passendes mitgeben kannst.
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Promote das Produkt organisch auf anderen Kanälen (z. B. E-Mail Marketing).

Es ist der gleiche Kunde wie aus dem vorherigen Beispiel mit den Airport Outfits. Das, was Carrie da mit ihrem Team macht, ist wiederholbar und hat für
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für ein gesteigertes Suchvolumen,
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Backlinks und
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Reichweite gesorgt.
Alles aus einer Kampagne. Und dazu kommen noch Zahlen aus TikTok. Sie gab an, dass es mehr als 10m Views waren und fast 47k User die Seite des Produkts angesteuert haben.
SEO-Daten = Daten zu realer Nachfrage, also nutze sie richtig
"Advertising puts brands and products in front of people not knowing if it's even what they want.
But we work in search. We know exactly what people want. And where they're looking for it."
– Carrie Rose
Starkes Zitat zum Abschluss.
Für mich war das neben dem Vortrag von Kevin Indig (den ich in Ausgabe #210 für Dich aufbereitet habe) der beste Vortrag vom Digital Olympus.
Jetzt frage ich mich: Hast Du bei Euch im Unternehmen sowas schon mal umgesetzt?