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Junior Consultant

"A keystone species is a species that has a disproportionately large effect on its natural environment relative to its abundance."

Wikipedia

Keystone Species teilen sich in 3 unterschiedliche Arten auf:

  1. Predators (= Prädatoren)

  2. Ecosystem Engineers (=  Ökosystem-Ingenieure)

  3. Mutualists (= Mutualisten)

Aus meiner Sicht ist Google eine Keystone Species und bildet alle 3 Arten ab.

Predators sorgen dafür, dass das Ökoystem nicht durch eine Überbevölkerung einer Art in eine schiefe Bahn läuft. Das ist im Fall von Google z. B. das Aussieben von schrottigen Ergebnissen & Spam.

Ecosystem Engineers sorgen durch ihre Natur dafür, dass ein Ökosystem entsteht, in dem viele andere Organismen einen erstrebenswerten Lebensraum finden. Das beste Beispiel ist der Biber. Google hat das Web so umgeformt, dass zahlreiche Organismen von diesem Lebensraum, der Google Suche, profitieren.

Für Mutualists fand ich das nachfolgende Zitat sehr passend:

"When two or more species in an ecosystem interact for each other's benefit, they are called mutualists."

National Geographic 

Google profitiert davon, wenn viele Menschen die Suche nutzen, weil dadurch Geld reinkommt und wir profitieren davon, dass Google uns Traffic schenkt, durch den wir uns direkt oder indirekt finanzieren.

Fällt die Keystone Species weg, hätte das starke Folgen für die Lebensumgebung (= das Internet). Viele Unternehmen würden sterben. So wie wir ein Problem bekommen, wenn wir keine Bienen mehr haben.

Um das Problem zu lösen, so die These, musste Google den Schritt mit den AI Overviews bereits jetzt gehen. Warum erkläre ich Dir jetzt.

Hat Google darum AI Overviews verfrüht rausgehauen?

Die Tage habe ich einen sehr interessanten Twitter/X Thread – da scheinen die Zeichen übrigens auf zeitnahe Migration immer deutlicher zu werden – von Bryan Casey (IBM) gelesen.

"AI Overviews aren't just good. They're necessary for the long-term health of the web."

– Bryan Casey

Das begründet er unter anderem wie folgt:

  • 70 % des gesamten Referral Traffic im Web sind aus der Suche

  • Google alleine macht 63 % aus

  • Viel Wettbewerb = ein besseres Web

  • LLMs schließen die Lücke, um lange, spezifische Suchanfragen im Einzelnen bedienen zu können, was bisher weder möglich ist, noch wirtschaftlich funktionieren kann

  • Das Web funktioniert so wie es jetzt ist nicht ohne die Suche

ChatGPT hat zwar schnell viele User akquiriert, die Retention flacht aber gegenüber Google schnell wieder ab, wie eine Studie von Datos verdeutlicht:

Zwei Graphen, einer von Google.com und einer von OpenAI.com. Auf der X-Achse sind Tage abgetragen und auf der Y-Achse die Engagement Rate mit der jeweiligen Domain. Google wird deutlich frequentieller genutzt als OpenAI. Google bleibt über 120 Tage stabil und steigt im Trend, während OpenAI am Anfang stark explodiert und nach nicht mal 60 Tagen fast bei 0 angekommen ist. Die Retention von Google ist also besser als bei OpenAI.

Auf IBM haben ChatGPT & Co. bisher keinen Impact laut Bryan. Das passt auch zu dem, was ich z. B. von Ethan Smith letztens im Podcast mit Kieran Flanagan gehört habe. Es kann sein, dass viele ChatGPT oder andere LLM-Anbieter nutzen, was aber aktuell nicht dazu führt, dass weniger bei Google gesucht wird.

Bryan kommt zu der Erkenntnis, dass man die Suche und das Web, zumindest in der Welt, in der wir gerade leben, nicht trennen kann. Damit komme ich auch auf meinen Gedanken vom Anfang zurück. Google ist eine Keystone Species und das Web würde ohne Google nicht funktionieren.

Darum disruptiert Google sich selbst

Disruption von außen ist in diesem Fall schwierig, aber nicht unmöglich. Nutzerverhalten – das betone ich oft und habe ich auch im Newsletter immer wieder geschrieben – ändert sich nicht einfach von heute auf morgen.

Das Fenster für Disruption gibt es aber durch LLMs, da sie in der einen Sache, die die Google Suche schlecht macht, besonders gut sind, also ein blauer Ozean.

Regeln haben Ausnahmen. Und nur weil es schwer vorstellbar ist und in kleinsten Schritten passiert, heißt das nicht, dass es nicht Realität werden kann:

"The central feature of compounding is that it's never intuitive how big something can grow from a small beginning." 

Morgan Housel

Damit das – die schleichende Disruption durch andere – nicht passiert, geht Google den Schritt der eigenen Disruption. Ich habe damit nicht gerechnet, sondern ging eher davon aus, dass sie erst reagieren, wenn es notwendig ist, dieses Mal aber besser vorbereitet als letztes Jahr.

Warum passieren wieder diese Fehler (von denen Anita Dir heute im Detail berichtet)? Ich kann es Dir nicht mit Sicherheit sagen. Plausibel ist aber eine gewisse Hysterie, weil man als Marktführer und Pionier gelten möchte: The Innovator's Dilemma.

In diesem Fall ist es für mich aber schwer nachvollziehbar, denn der Druck nach innovativen Überlebensstrategien hat nachgelassen und die letzten Quartalszahlen waren unfassbar gut. Was denkst Du, warum Google so gehandelt hat?

Junior Consultant

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