Die Unternehmenswelt hatte sich über die letzte Dekade gerade erst daran gewöhnt, dass Content-Management-Systeme (CMS) wie WordPress, die ursprünglich fürs Bloggen (Web-Log = chronologisches Ausgeben von Internet-Tagebucheinträgen) konzipiert wurden, die Informationsarchitektur von Firmen-Webseiten abbilden können, zack! Neuer Trend.
Was ist ein Headless CMS? Und welche Vorteile bringt es?
Beim Headless CMS sind Backend und Frontend viel schärfer voneinander getrennt, so dass derselbe Content für die unterschiedlichsten Kanäle und Formate zusammengestellt und ausgegeben werden kann.
Das Headless CMS erfreut sich daher einer ähnlichen Nachfrageentwicklung wie der Marketing-Traum von Omnichannel-Kampagnen:
Von einem Typo3, Jimdo, Wix oder Drupal sind wir es gewohnt, den Alt-Text und die Beschreibung für ein Bild an den unterschiedlichsten Stellen pflegen zu können. Direkt in der Mediathek beim Upload des Bildes, aber auch auf der Seite, auf der wir das Bild einbetten. Ein Headless CMS kann man sich nun so vorstellen, dass es die Option "auf der Seite pflegen" für keines der Content-Elemente mehr gibt.
Title, H1, H2 etc., Description, Bilder und Grafiken, Textabsätze, Videos, Inhaltsverzeichnis, Teaser, CTAs, Canonical-Link -- all das muss separat im Backend gepflegt werden, um dann wahlweise zu einem Blogpost, Social-Media-Post, Newsletter-Teaser, Audio-Text für den Smart-Speaker oder Artikel für die Smartwatch komponiert zu werden -- je nachdem, was man für das Format überhaupt braucht.
So können sich öffentliche FAQs und interne Hilfeartikel aus derselben Quelle speisen und für eingeloggte User mehr Informationen bereitstellen als für Externe. Auch die Mehrsprachigkeit lässt sich so Element für Element implementieren.
Das Backend ist also eher eine Datenbank für strukturierte Daten, aus der sich Social Stories anders speisen als Webseiten oder Wikis.
Implikationen für die Suchmaschinenoptimierung
Was bedeutet das für SEO? Hier ist absolute Wachsamkeit geboten. Während sich die bekannten Content-Management-Systeme hin zu mehr SEO-Freundlichkeit entwickelt haben oder zumindest per Plugin nachrüsten lassen, kommt ein Headless CMS erstmal komplett ohne jegliche SEO-Features. Wir fangen auf der grünen Wiese an.
Woran Du nicht denkst, wird fehlen!
Nicht nur in das Content-Modeling muss Hirnschmalz fließen: Welche Kanäle wollen wir in welchen Sprachen wie bespielen und welche Content-Komponenten brauchen wir dafür in den diversen Frontends?
Gerade an die Meta Tags und die Struktur des HTML müssen SEOs vorab denken und das Entwicklungs-Team mit dem notwendigen Wissen versorgen, um Websites auszuliefern, die von Suchmaschinen gecrawlt, indexiert und gerankt werden können.
In ihrem Beitrag "Headless SEO 101: Everything You Need to Get Started" hat Lidia Infante SEO-Features zusammengestellt, bei denen Du bei der Konzeption starten -- aber keinesfalls aufhören -- kannst. Darunter sind:
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Meta Tags wie Meta Title, Meta Description, Robots Meta Tags, Viewport, Open Graph Tags
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Canonical Logik
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Editierbares Feld für die URL
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Logik für die XML-Sitemap
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Strukturierte Daten
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Überschriften-Struktur (H-Tags)
Auf die Frage "Ist SEO tot?" kann ich in Anbetracht dieser Entwicklungen immer nur müde schmunzeln. Wie geht's Dir damit?