Aproprobst “Female Hamburg SEOs Unite ✊!”: Anke Probst hat ihre Finger an ein Projekt bekommen, das erst mal zum Weglaufen einlädt, wie ich im Wingcast schon kurz angerissen hatte. Auf der Main Stage der SMX München 2026 legte Anke mit ihrem extrem lässigen Vortrag eine Case Study vor, die belegt: Mit klassischer SEO-Arbeit lassen sich auch in schier aussichtslosen Situationen noch Blumentöpfe gewinnen.
Ihr Case: Eine mit Werbung zugeballerte Domain, die Millionen von URLs mit dem immer selben Template für dünne Inhalte produziert. Es geht um Kreuzworträtsellösungen. Die Domain beantwortet Suchanfragen wie “charlatan 5 letters”. Beim ersten Blick in den Indexing-Report der Search Console sah sie viel Grau: Von 1,7 Millionen URLs, die früher™ für Page Views, Ad Impressions und somit Einnahmen gesorgt haben, waren noch knapp 150 Tausend indexiert, nicht mal 9 Prozent.
Wir wissen, dass das Indexing-Game spätestens seit der AI-Content-Schwemme härter geworden ist. Google macht bei ca. 400 Milliarden Dokumenten einen harten Cut. Für jedes neue Dokument muss ein schlechteres raus. Reine Quick-Answer-Fragen wie “Fluss mit vier Buchstaben” sind zudem gefundenes Fressen für LLM-Answers. Mit dem Gedanken “Warum sollte Google den Rotz auch indexieren?” war ich vermutlich nicht allein im Saal. Aber nicht mit Anke.
Hold my SEODOKU!
Ein halbes Jahr später waren gut 50 Prozent der URLs wieder im Index, wurden gesucht, gefunden – und brachten Millionen Clicks sowie Geld. Wie hat Anke das geschafft? Sie nennt es ein “automatisiertes Crawl- und Indexierungssystem basierend auf Nachfrage und unterstützt durch Freshness.”
User Experience (UX)
Beim Blick auf das Template offenbarten sich direkt ein paar Stellschrauben. Anke fokussierte sich auf den ersten Viewport. Statt User direkt mit zu viel Werbung und zu wenig Inhalt abzuschrecken, baute sie das Template so um, dass es direkt nützliche Inhalte zu sehen gab. Zudem versetzte sie sich in das seniorige Zielpublikum: Im Sessel oder am Tisch sitzend, das Kreuzworträtsel vor sich, den Stift in der einen und das Smartphone in der anderen Hand, mit Sehschwäche. So entschied sie sich, die Filter für die Anzahl der Buchstaben in möglichst große Zahlen-Buttons zu setzen, die sich auch ohne viel Präzision frustrationsfrei mobil antippen lassen.
Analyse-Tool: Segmentierung mit Sitemaps
Als Nächstes machte sich Anke an die Frage: Welche Seiten performen und welche nicht? Welche Muster lassen sich erkennen? Sie baute einzelne Sitemaps für Seiten, die entweder
- nur eine Lösung (Thin Content),
- zwei bis fünf Lösungen,
- oder mehr als fünf Lösungen enthielten.
Von den URLs mit nur einer Lösung gab es am meisten, sie waren aber nur zu einem Drittel indexiert. Im Vergleich dazu war die Anzahl an URLs mit fünf oder mehr Lösungen deutlich geringer (1/13). Davon waren aber mehr als die Hälfte im Index.
Dazu kamen Sitemap-Cluster mit URLs, bei denen sie Nachfrage feststellen konnte vs. solche, die niemanden interessieren. Anhand der Sitemaps ergab sich ein klares Bild, welche URLs Potenzial haben und welche getrost per “noindex” von der Indexierung ausgeschlossen werden können, um die Gesamtqualität der Domain zu steigern.
Trenddaten und Scraping für gezielte Content-Refreshes und Verlinkungen
Nutzerzahlen belegten, was man sich denken kann. Die Nachfrage nach Lösungen für Kreuzworträtsel, die heute oder diese Woche in der Zeitung stehen, ist höher als für alle anderen. Anke scraped monitored Publishing Websites daher genau nach Rätseln und leitet einen Prozess für Freshness ein. URLs, die Lösungen für aktuelle Rätsel bieten, bekommen:
- kleine inhaltlichen Änderungen,
- ein neues Datum,
- Verlinkungen in “Most recent crossword clues”-Modulen und
- die Aufnahme der URL in einen Atom-/RSS-Feed, um die Changes schnellstmöglich an Suchmaschinen zu pingen.
Voilà! Anke sieht wieder viel Grün in ihrem Indexierungsbericht. Inzwischen sind mehr als 56 Prozent der URLs im Index und generieren Einnahmen. Von den URLs mit fünf oder mehr Lösungen sind es über 80 Prozent. Das Cluster mit hoher Nachfrage ist sogar zu 97 Prozent indexiert.
Wie nachhaltig das ist und ob AI-Answers dieses Geschäftsmodell noch lange am Leben lassen, ist weiter fraglich. Anke beweist aber auch: Direkt mit den Schultern zucken und die Flinte ins Korn werfen ist Quatsch. Klassische SEO-Werkzeuge sind auch heute noch besser als Stoßgebete dazu geeignet, Traffic zurückzuholen. Bei einem solchen Prozess kann AI helfen, wichtiger aber ist, dass Anke ein robustes System gebaut hat, das sich auf große Sites skalieren lässt.
Ich bin jedenfalls motiviert aus dem Vortrag rausgegangen, ein paar Ideen bei unseren Projekten auszuprobieren. Wie sieht es bei Dir aus? Zu viel Grau im Indexierungs-Bericht? Dann meld Dich und wir schauen, wo wir bei Deiner Domain den Hebel ansetzen.