Die SEO-Industrie kann sich oft nicht entscheiden. Hat sich Google in den letzten Jahren mit immer mehr Features und Einbindungen von Bildern, Videos, Produkten, Featured Snippets und Rich Results etc. permanent überschlagen? Oder gab es aufgrund des Google Monopols jahrelang keinerlei Entwicklung und Innovation mehr in den SERPs?
Beides kann stimmen, denn in den letzten Jahren diktierte Google das Tempo und iterierte behutsam sein Produkt Stück für Stück. Dagegen ist die Einbindung von AI-Features direkt in der Suche durch konkurrierende Suchmaschinen aktuell ein großer disruptiver Knall. Ob man Google deshalb langfristig abschreiben sollte, stellt Behrend in seinem Beitrag in Frage.
Wir SEOs müssen uns trotzdem fragen, wie sich das Verhalten von Suchenden verändert und welche Form von Ergebnissen auch künftig noch organische Klicks aus der Suche in die Webseiten bringen kann.
So schätzt Sistrix die Auswirkungen von AI-Integrationen in der Suche ein
Gewohnt unaufgeregt hat Johannes Beus von Sistrix hierzu ein paar Thesen aufgestellt, die ich persönlich für absolut plausibel halte.
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Schon jetzt haben "Direct Answers" und Google Produkte, die eine Frage direkt in der SERP beantworten, den Klick auf die Website überflüssig gemacht. Der Trend setzt sich fort, ist aber längst eingepreist.
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Neu ist, dass Google durch AI-Textzusammenfassungen selbst zum Autor von Antworten wird und in Featured Snippets und Knowledge Panels keine Quellenlinks mehr angeben muss – sofern sich Urheber:innen nicht gerichtlich erfolgreich dagegen wehren. Das dürfte also künftig zusätzlich und ausgiebig organische Klicks kosten.
Welche Auswirkung hat das auf Deine SEO-Strategie heute?
Johannes' Einschätzung stimme ich zu. Mir stellt sich allerdings die Frage, von welchem Zeitraum wir mit Blick auf diese Veränderungen sprechen. Wer an der Börse spekuliert, weiß, dass Market-Timing schier ein Ding der Unmöglichkeit ist. Es reicht aber nicht, den Trend korrekt zu erkennen. Für konkrete Strategieänderungen ist schon auch von Bedeutung, ab wann das alles relevant wird.
Aktuell überschlagen sich die Ereignisse und Google steht unter Druck, massive Änderungen an seinem Suchprodukt livezuschieben. Wie nachhaltig der Wettbewerb aufholen kann, wann Google aus dem BARD-Screenshot-Modus zu einem brauchbaren Produkt kommt und wie lange es braucht, bis sich das Nutzerverhalten – auf welcher Plattform auch immer – ändert, ist ungewiss.
Sollten wir schon heute aufhören, Featured Snippets zu jagen? Akut ausbauen würde ich natürlich nichts. Was aktuell funktioniert, sollten wir so lange laufen lassen, bis der Erfolg nachlässt. Aber sollten wir schon heute bei der Content Planung ignorieren, wenn zu einem Suchbegriff, den wir mit neuem Content erobern wollen, ein Featured Snippet den prominentesten Platz in den Ergebnissen einnimmt? Oder sollten wir direkt auf andere Inhalte setzen? Diese Fragen löse ich für mich aktuell so:
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SEO ist nur ein Kanal im Online-Marketing-Mix: Wenn bestimmte Inhalte für die Markenbildung, den Kundenservice und das Produktportfolio gebraucht werden, dann sollten wir diese Inhalte sowieso erstellen
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Informationale Themen, die wir auf unseren Webseiten bespielen, profitieren in der Regel immer von einer Kurzdefinition, von einer guten Struktur, bei der sich Antworten auf Fragen auch durch Scannen und Skimmen finden lassen → selbst wenn wir es nicht für das Featured Snippet tun, sind diese Inhalte oft gut
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Wenn wir eine Content-Strategie ausarbeiten, sollten wir nichtsdestotrotz kritisch überdenken, ob wir den Top-of-the-Funnel-Content mit einfachen Definitionen zurückfahren können, um mehr in die haarigen Themen zu investieren, die viel Expertise erfordern
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Diversifizierung von Traffic-Quellen ist immer eine gute Idee. Gael Breton hebt die Bedeutung der Kundenbindung hervor und schlägt vor, sich künftig mehr für Mailinglisten, Social Follows und Retargeting Ads zu interessieren. Die jüngsten Entwicklungen bei Twitter und Tracking-Einschränkungen durch Apple bringen hier ihre eigenen Kopfschmerzen mit sich, aber dass ein Newsletter ein absolutes Plus ist, können wir hier natürlich nur unterschreiben 😬
Fazit:
Ja, die Welt ändert sich und wir dürfen die Augen davor nicht verschließen. Ein Großteil an Prinzipien, die in der Vergangenheit im SEO zum Erfolg geführt hat, gelten weiterhin. Wir sind aber dazu aufgefordert, zu erkennen, ab wann sich bestimmte Taktiken nicht mehr rentieren und wo sich unsere Expertise stattdessen hebeln lässt.
Wie sieht's bei Dir aus? Wirfst Du alles über den Haufen? Abwarten und Tee trinken? Wo wirst Du Deine Strategie punktuell anpassen?