Es wird in letzter Zeit ja gerne behauptet, dass Googles Ende kurz bevorsteht. Angefangen bei dem Trend der jüngeren Generation, die ihre Einkäufe inzwischen lieber direkt über Instagram, TikTok oder Amazon machen. Weiter geht es mit dem Leak (Mehr dazu in Johans Artikel in der Newsletter-Ausgabe 💧Steter Tropfen höhlt den (SEO-)Stein) und dem gerade erst verlorenen Wettbewerbsprozess in den USA bis hin zur immer weiter erstarkenden Künstlichen Intelligenz und Chatbots.
Sieht man sich die Nachrichten dazu an oder liest verschiedene Posts auf LinkedIn und anderen sozialen Netzwerken, bekommt man rasch den Eindruck, das Ende der einst so mächtigen Suchmaschine stünde kurz bevor oder sei bereits eingetreten. Google? Ein längst vergangener Trend, den nur noch einige Boomer nutzen. Ohne Zukunft, ohne Platz im Internet der Gegenwart.
Soweit der Eindruck, der zumindest mir immer wieder vermittelt wird, wenn ich durch meinen Discover-Feed scrolle. Die Realität ist allerdings eine andere. Zumindest, wenn man sich die Clickstream-Daten ansieht, die Rand Fishkin in seinem jüngst veröffentlichten Artikel aufbereitet.
Die Kernaussagen
Die genauen Zahlen und Details schaust Du Dir am besten direkt dort an. Wir schauen uns derweil einmal die wichtigsten Kernaussagen an, beginnend mit dieser: Google ist nach derzeitigem Stand noch weit, weit, weit davon entfernt, vom Thron gestoßen zu werden.
Ja, ChatGPT, Perplexity, Gemini und wie sie alle heißen sind da. Aber schauen wir uns die Zahlen an monatlichen Website-Besuchen von Desktop Nutzerinnen und Nutzern an, sehen wir folgendes:
- Google: 163,46 monatliche Website-Besuche (Desktop)
- Perplexity: 15,69 “
- ChatGPT: 14,68 “
- Claude: 10,67 “
- Copilot: 7,70 “
- Gemini: 6,86 “

Sicher, schon ganz nett. Aber letztlich gleicht das mehr den sieben (oder in unserem Fall fünf) Zwergen als ernstzunehmenden Thronfolgern.
Außerdem interessant: 99% der User von KI-Tools nutzen trotzdem noch die klassische Suche. Und auch die Suchen selbst steigen. Die Nutzerinnen und Nutzer wandern also nicht von der herkömmlichen Suche zu den KI-Tools ab, sondern nutzen diese als zusätzliche Variante.
Die Frage nach dem Warum
Bleibt noch die Frage, warum es dann so wirkt, als wäre Google längst bezwungen. Nun, im Grund recht simpel: Es erzeugt Aufmerksamkeit. “SEO is dead” und “Googles end is here” klingt spannender als “SEO still works” und “Google remains number 1”. Und so sterben SEO und Google jährlich mehrere Tode, nur am letztlich immer noch deutlich an der Spitze zu stehen.
Sicher, ein paar Dellen hat die Krone mittlerweile abbekommen und manchmal kommt das Ende schneller, als man glaubt. Gerade, wenn man als Spitzenreiter die Füße hochlegt und nur noch den eigenen Profit vor Augen hat anstelle seiner Nutzerinnen und Nutzer. Aber abgesehen davon sind und bleiben Menschen Gewohnheitstiere. Die neuen Spielzeuge werden zwar einmal ausprobiert, wenn es darauf ankommt, greift man aber doch erst einmal lieber wieder auf den Klassiker zurück. Und der heißt: Googeln.
Dazu kommt, dass ChatGPT und seine Begleiter längst (noch) nicht so weit sind, wie uns das gerne vorgegaukelt wird. Wenn ich mir beispielsweise den Tag vermiesen möchte, hole ich einfach ChatGPT dazu, um mir beim Clustern von Themen zu helfen. Anfangs ist das noch recht lustig, aber sobald er Dir “Weihnachtsbäume” das vierte Mal unter “Elektrowerkzeuge” einsortiert, wird es schnell frustrierend. Bis am Ende die Erkenntnis einsetzt: Nope, so wird das nicht funktionieren.
Wie siehst Du das? Steht das Ende von Google trotzdem kurz bevor? Oder haben wir hier einfach eine verzerrte Wahrnehmung (siehe dazu auch Philipps Artikel in unserem Newsletter 🌿🦋 Erkundungstour durchs SEO-Biotop)? Und liegt es vielleicht doch an mir, dass ChatGPT und ich nicht so toll miteinander auskommen? Oft sitzt das Problem ja vor dem Rechner.