Google ist keine Suchmaschine
Google ist eine SPAM-Bekämpfungs-Maschine. Das Spiel ist genauso alt wie die Suchmaschinenoptimierung. SEOs suchen gerne nach dem einfachsten Weg, um eine Domain oder Seite zum Ranken zu bringen. Der Klassiker aus der – Urzeit: Keywords in weißer Schrift auf weißem Grund. Oder auch Keyword-Density. Bitte schreibe möglichst häufig Dein Keyword in den Text, dann rankst Du auch dafür. Wir wissen, dass die Maßnahmen schon lange nicht mehr funktionieren, da Google sie durchschaut hat und entsprechend darauf reagiert. Eine Ausnahme bestätigt allerdings die Regel. Mein Lieblingsbeispiel aus vergangenen Workshops zu dem Punkt ist die Goldpreisseite von finanzen.net. Sie ist gut platziert zum Keyword .

Aber ich komme vom Thema ab. In meinem Artikel schreibe ich darüber, warum Bestenlisten in Google und KI-Suchen nicht mehr zuverlässig funktionieren – und mitunter sogar der Konkurrenz helfen. Zumindest wenn ich meine Brand an Platz 1 setze. Lily Ray hat dem Punkt viel Raum in ihrer Keynote auf der SEO Campixx gewidmet. Nicht überraschend und vor allem zeitgemäß, dass Google auch hier den SEO-Spammern eine Absage erteilt.
Lily Ray untersuchte 100 englischsprachige B2B-Suchanfragen nach dem Muster „best [category] software“. Sie analysierte dabei Googles AI-Overviews. Bei 80 der 100 Anfragen wurde überhaupt ein AI Overview angezeigt. Die kompletten Ergebnisse findest du in ihrem Artikel: Why Calling Yourself the Best Could Be Helping Your Competitors Win in AI Search.
Die wichtigsten Punkte für mich sind:
- Google scheint Quelle und Empfehlung voneinander zu trennen. Ein Artikel kann als Quelle zitiert werden, ohne dass der veröffentlichende Anbieter empfohlen wird.
- In 69 Prozent der untersuchten Fälle wurde ein eigenwerbliches Listicle zwar zitiert, die darin beworbene eigene Marke aber nicht empfohlen. Konkret waren es 224 von 323 zitierten Listicles.
- Lily beobachtete zudem ein Sichtbarkeitsverluste bei Websites, die solche und ähnliche SEO-/GEO-Seiten in großer Zahl veröffentlicht hatten. Die betroffenen Websites nutzten häufig gleichzeitig skalierte KI-Inhalte. Es wird nicht nur an den Listicles liegen. Aber sie leisten ihren Beitrag.

Mich wundert es nicht, wenn hier ein Zusammenhang besteht. Hat Google in der Vergangenheit vornehmlich die “schlechten” Seiten aus dem Index ferngehalten, so hat Google uns jetzt auch sinnbildlich auf die Finger gehauen, indem unsere Seite als Quelle genommen wird, aber nicht unsere Brand, sondern unsere Konkurrenten genannt werden.
Lilys Aussagen fußen vornehmlich auf Beobachtungen. Ahrefs hat eine eigene Untersuchung angestellt, indem sie 34 eigenwerbliche Seiten auf fünf Domains veröffentlichten. Beworben wurden eine neue SEO-Konferenz und ein bereits etabliertes Produkt von Ahrefs. Anschließend wurden 9.886 Antworten von ChatGPT, Gemini, Perplexity und Copilot ausgewertet. Im Unterschied zu Lily. Sie hat die AIOs untersucht. Alle Ergebnisse findest du unter Self-Promotional Content Works - Until It Backfires (AI SEO Experiment).
Es lohnt sich, alle Thesen von Ahrefs einmal zu lesen. Für mich ist die spannende Erkenntnis, dass der „Backfire-Effect“ bei etablierten Produkten deutlich geringer ausfällt als bei neuen Produkten und/oder Marken. Der Begriff Backfire stammt aus Lilys Artikel und meint, dass meine Liste zwar als Quelle genommen wird, aber eine Brand nicht zitiert wurde.

Die Vermutung liegt nahe, dass Google das Produkt auch aus Quellen von Dritten kennt und diesem entsprechend mehr Vertrauen schenkt. Im Umkehrschluss bedeutet das für uns, wir müssen eine Marke oder ein Produkt aufbauen, von dem nicht nur wir behaupten, es sei das Tollste, sondern auch andere.
Was bedeutet das für uns auf dem europäischen Markt oder auch im deutschsprachigen Raum?
- Der deutschsprachige Informationsraum ist kleiner. Dadurch können einzelne, gut sichtbare Quellen stärkeren Einfluss haben.
- Lokale Vertrauenssignale dürften wichtiger sein: Fachmedien, Verbände, Kundenstimmen, Tests, Branchenverzeichnisse und redaktionelle Empfehlungen.
- Die großen LLMs könnten englischsprachige Marktführer bevorzugen, selbst wenn für deutsche Nutzer lokale Faktoren wie Sprache, Support, Datenschutz, Hostingstandort oder regulatorische Eignung wichtiger wären.
Hier haben wir eine besondere Herausforderung. Generell ist eine ausgereifte GEO-Startgegie immer schmutzigen Hacks vorzuziehen. Für uns im europäischen Raum aber noch einmal doppelt wichtig im Spannungsfeld zwischen den Punkten 2. Und 3. zu begegnen. Du bist Dir nicht sicher, wie Du eine nachhaltige GEO-Strategie aufbauen kannst? Melde Dich gerne bei uns, wir unterstützen Dich.