- OpenAI hat ChatGPT als Werbeplattform auf dem Werbefestival "Cannes Lions" positioniert und sein Preismodell auf Cost-per-Click ausgeweitet.
- Auch Google zeigt sich zunehmend offen für Anzeigen in Gemini, da Abos die extrem hohen Betriebskosten der KI-Infrastruktur nicht decken können.
- Die Kosten für den Betrieb und das Training von KI-Modellen sind gigantisch, mit einer prognostizierten Verdopplung des Strombedarfs für Rechenzentren und einem 4- bis 6-fachen Anstieg des Wasserverbrauchs für alle KI-Modelle bis 2027 im Vergleich zum jährlichen Bedarf Dänemarks.
- Ich bezweifle, dass die Einnahmen aus Werbung allein ausreichen werden, um diese exponentiell steigenden Kosten zu decken, weshalb wir weitere drastische Anpassungen an den Abo-Modellen erwarten müssen.
- Die Gefahr besteht, dass eine weitreichende Automatisierung durch KI uns in eine Abhängigkeit treibt, aus der ein Zurück schwierig wird und wir dann gezwungen sind, die hohen Kosten zu akzeptieren.
Microsoft überholt Google. Schon wieder!
Na gut, genau genommen überholt ChatGPT Gemini im Hinblick auf Ads. Und ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, dass in diesem Fall Überholen positiv ist. Dass Ads mittelfristig kommen, war uns allen klar. Wobei CEO Sam Altman in der Vergangenheit betont hatte, dass er Werbung eigentlich nicht mag und sie eher als „letzten Ausweg“ für ein Geschäftsmodell betrachte.
Nun stellte OpenAI auf dem Werbefestival „Cannes Lions“ ChatGPT als neue Werbeplattform und die dahinterliegende Strategie für Werbung innerhalb von ChatGPT vor. Zielgruppe für Anzeigen sind laut OpenAI „super-intentionale“ Nutzer – also Menschen, die mit einer sehr klaren Absicht Fragen stellen, was extrem zielgerichtete Werbung ermöglichen soll. Ziel ist natürlich, die Braut vor dem Börsengang noch mal hübsch zu machen. CRO Denice Dresser von OpenAI betont: „Wir sind jetzt eindeutig im Werbegeschäft.“ Es war das erste Mal, dass OpenAI dies auf einem großen Branchenevent öffentlich so deutlich als Kernstrategie formulierte.
OpenAI hat mittlerweile sein Preismodell für Werbetreibende angepasst. Initial wurde nur nach einem reinen CPM-Modell (Cost-per-Mille) abgerechnet. Jetzt gibt es auch eine Cost-per-Click-Variante (CPC). Die klickbasierte Variante macht mittlerweile den Großteil der Werbeausgaben auf der Plattform aus. Es ist schon beeindruckend, wie stark die Ausspielung von Ads im Juni angezogen hat.

Wer setzt aktuell stark auf Ads und wo sehen wir sie aktuell? Die Top 3 sind Samsung, Apple und Lenovo. Über 90 % der Ads werden aktuell in den USA ausgespielt. Weit abgeschlagen kommen Kanada mit 4 % und Australien mit 1 %. Für Europa gibt es gerade noch keine relevanten Zahlen. Am ehesten sieht man Ads in UK.
Auch Googles Chefetage hat eine Kehrtwende gemacht. Während Google noch im Januar 2026 angab, keine Werbung in Gemini zu planen, erklärte CBO Philipp Schindler bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen Q1 2026, man sei für diese Möglichkeit jetzt „offen“. Der Grund ist der gleiche wie bei OpenAI: die Kosten. Obwohl Google mit Gemini kostenpflichtige Abos anbietet, reichen diese Einnahmen perspektivisch nicht aus, um die rasant steigenden Kosten für den Aufbau der KI-Infrastruktur und die Weiterentwicklung der Modelle zu decken. Werbung soll hier die nötigen finanziellen Mittel einbringen.
Schauen wir uns die Entwicklung der Kosten für KI an, ist es nicht überraschend, dass mehr Geld benötigt wird. Die Kostenentwicklung ist beeindruckend und erschreckend zugleich. Björn Salewski hat einen tollen Vortrag auf der Campixx gehalten: Arbeiten mit Vektorembeddings und sinnvolle Tasks mit "KI". Im Intro zeigte Björn diesen Slide von Statista.

Die Dimensionen finde ich schon stattlich. Allein der Strombedarf für die Rechenzentren kann sich bis 2030 verdoppeln. Zudem benötigen sie ausreichend und immer mehr Kühlung. Zum Training von ChatGPT-3 hat man 700.000 Liter Wasser benötigt. Es wird prognostiziert, dass man 2027 4,2 bis 6,6 Milliarden Liter Wasser für alle AI-Modelle benötigt: Making AI Less "Thirsty": Uncovering and Addressing the Secret Water Footprint of AI Models. Das entspricht der 4- bis 6-fachen Wassermenge, die Dänemark jährlich benötigt.
Jetzt kannst Du Dich zu Recht fragen, warum er erst über Ads und dann über den Ressourcenverbrauch von KI-Modellen schreibt. Die Zahlen zeigen, dass die Kosten rasant steigen und das Thema Ads deutlich schneller angegangen wird. Trotzdem ist meine These, dass die zusätzliche Finanzierung über die Ads, die erst etabliert werden muss, nicht ausreicht, um die Kosten zu decken. Natürlich kann man das Delta über eine Finanzierungsmethode abfangen, die ich bisher nicht sehe. Ich vermute aber eher, dass noch weiter und erheblich an den Abo-Modellen gedreht wird. Und darin besteht eine große Gefahr. Wir neigen dazu, einfachste Aufgaben auf die Modelle zu übertragen. Gerade sind die Bestrebungen groß, am besten alles zu automatisieren. Wir haben sogar schon erlebt, dass Menschen entlassen wurden, weil das jetzt die KI macht. Ist erst mal alles automatisiert, ist der Weg zurück sehr schwierig. Und dann bleibt nicht mehr viel, als die Kosten in Kauf zu nehmen.
Was denkst Du? Sehe ich das zu schwarz? Alles gar nicht so kritisch und die Modelle werden sich aufgrund des Konkurrenzdrucks selbst in den Preisen regulieren? Oder wird es einen Platzhirsch geben, der als Monopolist den Preis bestimmt?