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Head of Operations & Quality

Ich bin ja nicht mehr so stark als SEO-Berater aktiv. Nicht, weil ich das Thema nicht mehr spannend finde. Im Gegenteil. Aber wenn man lange genug dabei ist, merkt man: Die Grundprinzipien im Online Marketing verändern sich kaum.

Klar, in den Details tut sich was. Da ist natĂźrlich Bewegung drin. Auch durch KI. Und hier liebe ich es zu sehen, wie unsere Wingmenschen mit Leidenschaft und Forschergeist reingehen. Ich stehe da mittlerweile ein bisschen an der Seitenlinie und hab mich eher in die beobachtende Position begeben.

Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich versteh grad unsere Szene nicht.

Johan hat dazu in diesem Jahr ja seine Meinung auch schon gesagt (siehe seine Gedanken zu SEO im Panikmodus und zur Namensgebung der “neuen” SEO), aber in den letzten Wochen ging mir selbst auch nochmal richtig der Puls hoch.

Warum? Weil ich mich verarscht fĂźhle.

Verarscht von diesem ganzen GEO-Gelaber. Ich frag mich langsam: Bin ich eigentlich blĂśd, oder sind es die anderen?

Da werden auf Konferenzen Vorträge gehalten, in denen im Kern einfach nur SEO-Basics präsentiert werden, was aber als der neue heiße Scheiß verkauft wird.

„Eine komplette KI-SEO-Strategie“ will man uns vorstellen. Und dann spricht man über Strategie, ohne nur ein einziges Mal über Ziele, Zielgruppe und sowas zu sprechen. Unter der Rubrik „Wie GEO & KI die Spielregeln ändern“  wird einfach die SEO Basis-Präsentation von vor 10 Jahren rausgekramt, ein paar kleine Veränderungen vorgenommen und von einer großen Entzauberung der Geheimnisse der neuen KI-Welt berichtet. Und das Publikum klatscht.

Im Ernst jetzt!?

Ich gehe im Folgenden mal auf ein paar Aussagen ein, die mir in den letzten Wochen bei LinkedIn oder auf Konferenzen begegnet sind, die ich einfach nicht verstehe.

„GEO ist nicht einfach SEO 2.0: GEO denkt über die Website hinaus. Es geht nun um eine Breite an Touchpoints, Brand Mentions und Citations.“

Den Punkt verstehe ich nicht. Ging es nicht schon immer darum, dass man seine Marke ßber alle relevanten Touchpoints hinweg sichtbar macht? Genau prßft, wo und ßber welchen Kanal bzw. welche Suchmaschinen o.ä. ich meine Zielgruppe erreiche?

Und dafĂźr war und ist es nĂśtig, dass ich nicht nur Onpage meine Hausaufgaben mache, sondern Ăźber den Tellerrand hinweg schaue. Den SEO-Teil davon haben wir Offpage oder Linkaufbau genannt.

Gut, ob jetzt Offpage eine dezidierte SEO-Disziplin ist oder das nicht besser in die Hände von PR- und Branding gehÜrt, darßber kÜnnte man streiten. Aber warum tun wir jetzt so, als sei das etwas Neues?

„GEO funktioniert nur interdisziplinär: SEO, PR, Social, Content müssen zusammenarbeiten.“

Ach was! Interdisziplinäre Zusammenarbeit war schon immer die beste Lösung, um eine konsistente Markenbotschaft über alle Kanäle hinweg zu etablieren. Aber anstatt 15 Jahre diese Sau durchs Dorf zu treiben, frage ich mich: Warum kriegen wir das eigentlich nicht hin? Warum gibt’s keine Vorträge darüber, wie Teams das endlich mal hinbekommen?

Das wär mal spannend.

„KI-Systeme funktionieren anders als herkömmliche Suchmaschinen.“

Schön! Aber was heißt das praktisch?

Also nach meinem Verständnis gibt es zwei Optimierungshebel, um in LLMs und LLM-Suchmaschinen gut aufgestellt zu sein:

  1. Du musst im Grunddatensatz vorkommen, also schon vorher gute Arbeit gemacht haben. Sonst kannst Du da eigentlich gar nicht so viel mehr beeinflussen.
  2. Du musst sichtbar sein, wenn ein RAG (Retrieval Augmented Generation) ausgelĂśst wird. Anders ausgedrĂźckt: wenn das LLM nach aktuellen Informationen sucht. In Suchmaschinen!

Und was muss ich tun, um in Suchmaschinen gut aufgestellt zu sein? Yes baby, das nennt sich Suchmaschinenoptimierung. Ja, es gibt hier ein paar kleine Unterschiede. Die sollte man auch kennen und benennen dĂźrfen. Alles gut. Aber ich frage mich, wo ist denn hier der besagte Paradigmenwechsel? Was ist hier denn wirklich so neu? Mir fallen da immer wieder Empfehlungen auf, die mir irgendwie bekannt vorkommen.

Beispiel gefällig?

Da wird empfohlen, Texte mit Zusammenfassungen zu versehen: „Das Wichtigste in Kürze“. Oder Inhalte stärker an Fragen auszurichten, weil Menschen in LLMs eher Fragen stellen.

Also ich weiß nicht, was die GEOs in den letzten Jahren nicht mitbekommen haben, aber ich erinnere mich zumindest an den Hype um Voice Search, die Integration von „People Also Asked“ und die große Welle der FAQs-Markups. Hat uns das nicht bereits dahin geführt, dass wir Inhalte mehr in Richtung "Fragen und Antworten" strukturieren?

„Neue Messgrößen, neue Strategien – Brand Mentions, Sentiment, Prompt-Strategie.“

Klar, die Metriken verändern sich. Traffic wird weniger wichtig, weil Suchmaschinen immer mehr Antworten direkt liefern. Das stimmt. Und ja, LLMs beschleunigen das nochmal.

Am Ende ging es bei SEO aber auch immer schon darum, relevanten Traffic zu erhalten. Einer, der konvertiert und am Ende Umsatz bringt. Daran wird sich gar nichts ändern.

Ob Du’s jetzt über Keywords, Prompts oder Mentions misst, ist eigentlich zweitrangig. Das Prinzip bleibt gleich. Es geht um den Effekt, nicht ums Etikett.

Nennt es, wie ihr wollt, aber verkauft es nicht als Revolution.

Wenn der Begriff „GEO“ hilft, das Thema in Unternehmen zu verankern, dann nutzen wir ihn halt. Vermutlich müssen wir hier als Wingmen auch lernen, noch mehr über unseren eigenen Schatten zu springen. Keine Ahnung. Für mich steht GEO eigentlich immer noch für Geologie. Aber gut, die Welt dreht sich weiter und das bringen wir dem Erdt als auch Kunde(n) schon noch bei.

Aber einen Wunsch hab ich dennoch: Lasst uns zumindest auf Konferenzen, wenn wir schon unter uns SEOs sind, ehrlich miteinander sein und nicht alten Wein in neuen Schläuchen präsentieren! Ganz ehrlich: es gibt in der Tiefe noch so geilen Scheiß in unserem Feld zu entdecken und zu erforschen, da können wir uns dieses Marketing-Mätzchen echt sparen.

So, grad hat’s geklingelt. Die nächste Unterrichtsstunde geht schon wieder los. Ich muss los. Viel Spaß mit dem nächsten Artikel…

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