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Geschäftsführender Gesellschafter

Google hat den AI Mode in Deutschland freigeschaltet. Wahrscheinlich hast Du ihn heute schon, auch wenn der Rollout erst schleppend verlief. 2 Tage nach der Ankündigung war noch nicht mal die Doku umgestellt. Und nur wenige User hatten zügig Zugriff.

Das passt irgendwie ins Bild einer unklaren Haltung zu AI Themen und Regulierung, das Google in letzter Zeit abgibt.

Schließlich hat Google noch eine Woche vorher im Zusammenhang mit dem DMA erklärt (Behrend berichtete):

Regulatory burdens and uncertainty are delaying our launch of new products, like our latest AI features, by up to a year after they launch in the rest of the world.

Dabei ist der AI Mode in den USA auch erst seit Juni 2025 für alle verfügbar.

Doch natürlich stellen wir uns jetzt alle Fragen:

  • Wie viel Traffic kostet mich der AI Mode?
  • Könnte der AI Mode mir möglicherweise Traffic bringen?
  • Kann ich AI Mode Traffic messen?
  • Wird der AI Mode jetzt der Default der Suche?

Natürlich bleiben Vorhersagen schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen. Aber ein paar Hypothesen dürfen wir haben:

Wie viel Traffic kostet mich der AI Mode?

Wir können das nicht benennen. Schon bei den AI Overviews war das schwierig. Aber ein paar einfache Hypothesen sind möglich:

  1. Je informationaler Dein Traffic ist, desto öfter werden User im AI Mode landen
  2. Je jünger / explorativer Deine User-/Zielgruppe ist, desto eher werden User den AI Mode nutzen
  3. Je beratungsintensiver Deine Produkte sind, desto eher werden User am Ende trotz AI Mode bei Dir landen
  4. Je newslastiger Dein Traffic ist, desto geringer ist das (kurzfristige) AI-Mode-Risiko

Der Blick in die USA zeigt, dass US-User das Feature eher zögerlich annehmen und Google die Nutzung sehr aktiv bewerben muss. Schon beim AI Overview hatten wir das Thema, dass viele User sich Gedanken gemacht haben, wie sie die unterdrücken können. Die Erwartung an Google ist offensichtlich eine andere als die, die an OpenAI gestellt wird.

Trotzdem sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Alle Studien werfen hier Navigational Searches (Youtube, MCDonald's, pornhub) oder Suchen mit Short Answers (Einwohner Berlin, Wetter Hamburg) in einen Topf mit Fragen, bei denen der AI Mode tatsächlich einen Mehrwert erzeugen könnte.

Könnte der AI Mode mir möglicherweise Traffic bringen?

Umso schöner, dass Kevin letzte Woche eine qualitative Studie zur AI Mode-Nutzung herausgeben konnte. Sein Fazit: Wenn User den AI Mode nutzen, dann klicken sie selten auf einen anderen Link.

Spannender als die Frage, ob die User aus dem AI Mode auf Deine Seite finden, ist die Frage, ob der AI Mode angenommen wird.

Dennoch kann der AI Mode Dir zusätzlichen Traffic bringen. Insbesondere dann, wenn Du Angreifer bist. Wenn Du weniger Traffic hast, aber guten Content. Wenn Platzhirsche Dir den Weg zum User auf Seite 1 versperren und Du bereits überlegst, wie Du Image-Einblendung, Video und andere Verticals nutzen kannst, um Deinen Branding-Nachteil auszugleichen.

Das wird aber in sehr geringem Ausmaß gelingen. Möglicherweise aber mit einer hohen Conversion oder Warenkorbwerten.

Können wir AI Mode Traffic messen?

Nein!

All diejenigen, die gerade reguläre Ausdrücke für die GSC auf LinkedIn posten, haben die GSC nicht verstanden.

Die Ausdrücke sehen etwa so aus

 (?:\[0-9a-zäöüß\]+\[- \]){9,}

(Ich hab auch wesentlich dümmere Varianten gesehen. Im Endeffekt geht es um Suchanfragen mit 9 oder mehr Worten).

Und es ist richtig: Diese Ausdrücke filtern Keywords in der GSC mit diesem Muster.

Aber es gibt zwei Probleme mit diesem Ansatz:

Ein technisches und ein grundsätzliches:

Warum der Filter technisch nicht funktioniert:

Im Interface schlägt das Limit von 50.000 Zeilen zu. Bei größeren Domains / Longtail werden daher eine Menge Queries nicht mit erfasst. Das kannst Du natürlich heilen, wenn Du die RegEx in BigQuery anwendest.

Warum der Filter inhaltlich nicht funktioniert:

Mit dem Filter misst Du kein User-Verhalten.

Google Search Console anonymisiert Queries:

Anonymized queries are those that aren't issued by more than a few dozen users over a two-to-three month period. To protect privacy, the actual queries won't be shown in the Search performance data.

Das bedeutet, dass wir nur Queries erfassen und auswerten können, die mehrfach eingegeben werden.

Je länger die Suchanfrage ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass 2 User die exakt gleich eingeben (inklusive Typos, Wortreihenfolge etc.).

Wenn wir also Queries mit der RegEx erfassen, dann sind das Queries, die oft eingegeben werden. Das machen Scraping-Tools, die seit der Aktivierung von JavaScript, als Bedingung für die Auslieferung der Google Suchergebnisse, vermehrt in der Search Console Impressions erzeugen.

Es gibt keine Möglichkeit AI Mode-Traffic in der GSC auszuwerten, bis Google uns einen entsprechenden Filter bereitstellt.

Und damit ist leider nicht zu rechnen. Schließlich warten wir schon seit Ewigkeiten auf einen Filter für News-Boxen, Images, Featured Snippets, etc.

Der Filter würde ja auch mit den anonymized Queries wenig Informationen bieten.

Wir können mit dem Filter aber natürlich einen Eindruck über das Tracking des Wettbewerbs gewinnen. Eine Auswertung des User-Traffics ist es nicht.

Was kannst Du tun?

Das Wichtigste: Erfahrungen sammeln. Dabei geht es nicht um möglichst viele Daten, sondern wie beim AI Mode auch darum, das Feature kennenzulernen.

Wie baut Google in Deinem Umfeld Antworten auf?

Welche Quellen werden häufig genutzt? Wo liegt ein Fokus bei den Antworten?

Wenn wir das wissen, dann können wir versuchen, diese Fragen gezielt zu optimieren. Mit klaren, eindeutig formulierten und zitierfähigen Aussagen.

Der größte Hebel bleibt aber exzellente SEO-Arbeit.

Der AI Mode startet für jede Suchanfrage/Prompt einen Query Fan Out. Also mehrere Anfragen an die Google-Suche mit Keywords, die unterschiedliche Facetten der Antwort bedienen. Wie strukturiert Google diese Fragen in Deinem Bereich? Welche Seiten werden dann oft zurückgegeben?

Für den AI Mode ist es wichtig in möglichst vielen der Query Fan Out Queries in den Top100 zu stehen.

Die Google Fastsearch, die Google dafür benutzt, hat die meisten Re-Ranking Algorithmen ausgeschaltet.

Es kommt also stark auf klassische Suchmaschinenoptimierung an:

  • Sind meine Inhalte indexiert?
  • Werden die Inhalte korrekt extrahiert?
  • Bin ich in der Posting List zu den relevanten Themen weit genug oben?
  • Habe ich die relevanten verwandten Begriffe und Synonyme ausreichend hervorgehoben?
  • Nutze ich Ankertexte der internen Verlinkung gezielt, um Schwächen im Content auszugleichen?
  • Erkennt Google die richtigen Entitäten in meinem Content, damit ich in der Posting List zur Entität möglichst weit oben stehe?
  • Vertraut Google mir und meinem Content? Und vertrauen die User mir?

Geschäftsführender Gesellschafter

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