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Head of Operations & Quality

Kaum ein Begriff hat sich so hartnäckig in unsere Vorstellung von guter Arbeit eingeprägt wie „Work-Life-Balance“. Ich muss sagen, dass ich zunehmend meine Probleme mit diesem Begriff habe. Es kommt natürlich immer darauf an, was und wie viel man in so ein Wort hineininterpretiert, aber lass mich Dir in diesem Artikel erklären, warum das so ist.

1. Arbeit und Leben sind kein Gegensatz

Der Begriff „Work-Life-Balance“ suggeriert, dass Arbeit und Leben zwei gegensätzliche Dinge seien. Doch sind sie das wirklich? Wir verbringen einen Großteil unserer Zeit „auf Arbeit“. Es wäre fatal, wenn wir glauben, dass erst nach der Arbeit das „wahre Leben“ auf uns wartet.

Der Mensch ist dazu bestimmt zu arbeiten, d.h. zu gestalten und einen Beitrag zu leisten. Das zeigt sich auch darin, wie schmerzhaft und deprimierend Arbeitslosigkeit für viele Menschen ist. Arbeit ist ein Menschenrecht und Teil unseres Lebens.

Doch es geht nicht nur darum, irgendeine Arbeit zu erledigen. Entscheidend ist, dass wir eine Aufgabe finden, die uns begeistert. In der wir unsere Stärken einsetzen können und die einen echten Mehrwert für andere schafft. Wenn diese drei Aspekte zusammenkommen, spricht man auch gern von „beruflicher Bestimmung“ oder gar „Berufung“. Wer hingegen in einem Job feststeckt, der ihn nicht erfüllt, wird früher oder später unglücklich – unabhängig vom Gehalt.

Und das merkt nicht nur die Person selbst, sondern auch ihr Umfeld: Jeder von uns hat schon einmal erlebt, wie ansteckend echte Begeisterung sein kann. Bei Wingmen erlebe ich, wie alle für ihren Job brennen. Suchmaschinenoptimierung lieben. Und genauso gibt es in anderen Berufsfeldern Beispiele, wo man direkt merkt, ob jemand seinen Job nur nach Vorschrift erledigt oder eine echte Leidenschaft dafür hat (zuletzt berichtete ich von unserem Guide bei der Bierbrauerei, der uns von den Socken gerissen hat).

Vielleicht ist das eigentliche Problem also nicht, dass Arbeit unser Leben „auffrisst“, sondern dass viele von uns einer Arbeit nachgehen, die sich nicht lebendig anfühlt. Da hilft einem auch keine „Work-Life-Balance“.

2. Balance ist nicht ein simples 1:1-Verhältnis

Ein weiterer Trugschluss des Begriffs „Work-Life-Balance“ ist die Vorstellung eines perfekten Gleichgewichts zwischen Arbeit und Freizeit. Natürlich ist es problematisch, sich ausschließlich über die eigene Arbeit und Leistung zu definieren. Genauso ungesund ist es jedoch, Arbeit grundsätzlich als Last zu betrachten.

Ein gesunder Rhythmus aus Anstrengung und Erholung ist essenziell. Doch Arbeit und Ruhe stehen nicht im Kontrast, sondern ergänzen sich. Seit jeher ist das Verhältnis von Arbeit zu Ruhe nie in einem 1:1-Verhältnis. Mit Blick auf unsere Produktivität liegen wir hier eher bei einem Verhältnis von 6:1 – Arbeit außerhalb unseres beruflichen Jobs eingeschlossen (vgl. hierzu auch den Artikel „Entschleunigung als Gegenentwurf: Wege aus der Rastlosigkeit“).

Natürlich sollte man auch auf die quantitative Verteilung von Arbeit und Erholung achten. Ein gesunder Rhythmus lebt von bewusster Zeitgestaltung. Aber das bedeutet nicht, dass erst mit der Freizeit das eigentliche Leben beginnt. Vielmehr geht es darum, einen nachhaltigen Wechsel zwischen Anstrengung und Erholung zu finden, sodass das Leben nicht in zwei getrennte Sphären zerfällt.

3. Die egozentrierte Falle der Work-Life-Balance

Ein weiterer Schwachpunkt des Work-Life-Balance-Konzepts ist, dass es oft sehr individualistisch gedacht wird. Es geht vor allem um die eigene Zufriedenheit, die eigene Balance, das eigene Wohlbefinden. Doch wer sich ausschließlich auf sein persönliches Gleichgewicht konzentriert, verliert leicht aus dem Blick, dass Arbeit immer auch ein Miteinander ist.

Dabei liegt wahre Erfüllung oft nicht im Kreisen um sich selbst, sondern in der Bereitschaft, sich für andere einzusetzen. Es ist wie bei einer Bergwanderung: Wer nur sein eigenes Tempo geht und sich nicht um die Gruppe kümmert, mag vielleicht entspannt ankommen – aber allein. Der wahre Wert entsteht, wenn man gemeinsam unterwegs ist und sich gegenseitig unterstützt.

Hinzu kommt, dass soziale Verbundenheit ein entscheidender Faktor für unser Wohlbefinden ist. Arbeit ist oft einer der größten sozialen Räume, die wir haben. Wer sich nur darauf konzentriert, seine eigene Balance zu wahren, verpasst eine der schönsten Seiten der Arbeit: Die Freude daran, gemeinsam mit anderen etwas zu erschaffen.

Doch damit sind wir wieder am Anfang: Nur wer seine Arbeit wirklich gerne macht, wird langfristig bereit sein, mehr als das Nötigste zu tun. Externe Anreize allein reichen nicht aus, um Menschen zu motivieren. Jeder von uns sperrt sich gegen das Gefühl, etwas nur aus Pflicht zu tun.

Fazit: Arbeit mit Sinn statt Balance-Dogma

Statt sich an einer starren „Work-Life-Balance“ festzuhalten, sollten wir uns eine andere Frage stellen: Liebst Du das, was Du tust? Arbeitest Du am richtigen Platz? Denn wenn die Arbeit selbst erfüllend ist, verliert sich die Notwendigkeit, sie gegen das „wahre Leben“ abzuwägen.

Wirkliche Zufriedenheit entsteht nicht durch den ständigen Versuch, Arbeit und Leben fein auszubalancieren, sondern durch eine Arbeit, die sich nicht wie das Gegenteil von Leben anfühlt. Vielleicht ist es an der Zeit, nicht weniger zu arbeiten – sondern mit mehr Begeisterung.

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