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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Campixx 2026 hat sich erfolgreich von ihren Wurzeln zu einer hochprofessionellen Konferenz entwickelt, die ihren einzigartigen Charme bewahrt.
  • Der internationale Track glänzte mit relevanten Keynotes wie der von Lily Ray und innovativen Formaten wie den Mixed-Zones, die konträre Perspektiven aufzeigen.
  • Wir haben gelernt, EEAT nicht als Signal, sondern als System zu begreifen, das Du mit klaren Scoring-Rubriken für KI-Briefings systematisch messen und verbessern kannst.
  • Durch die schrittweise Aufbereitung manueller Prozesse für LLMs lassen sich Content-Updates kommerzieller Seiten massiv beschleunigen und der Informationsgewinn gezielt steigern.
  • Die Campixx bietet Dir äußerst praxisrelevante Einblicke und eine einzigartige Wissensbereitschaft der Speaker, sodass sich die Teilnahme uneingeschränkt lohnt.



Campixx 2026: Marco, Du bist auf dem richtigen Weg

Es war meine fünfte Campixx. Und es war eine der, wenn nicht sogar die, beste(n). Bislang gab es häufig zwei Lager – stör mich jetzt bitte nicht mit Nuancen: Die OGs, die schon am Müggelsee dabei waren und den Charme des spontan-provisorischen Barcamps liebten. Sessions mit Bier in der Sauna. Informeller Wissensaustausch ohne Hochglanzfolien, gerne auf dem Fußboden hockend. Und dann diejenigen, die viel Kritik haben an der hemdsärmeligen Art von Marco, dem Berliner Exbullen, der weniger Wegwerfbecher verwenden und mehr Frauen auf die Bühnen holen möge. Und ich war schon immer irgendwo dazwischen – schließlich hat das Leben immer Nuancen! 🤡

Campixx ist wie Festival, nur ohne die nervigen Livebands

Wie geil ist dieses Gelände? Vernünftiges Konferenzhotel mit allem, was man braucht. Inklusive Draußenbereich, Schwimmbecken für den Morgensport. Die Party im Garten, zu der man nicht erst per Shuttle verfrachtet werden muss. Einen Eindruck kann man bei den Videos von Bibi bekommen (drinnen, draußen). Wer früh genug bucht, hat sein Zimmer vor Ort und muss sich entsprechend wenig Gedanken um das zum Wetter passende Outfit oder Kloschlangen in den Pausen machen. Das ist nun schon seit fünf Jahren so.

Der Wettbewerb hat zugenommen und parallel buchen die Leute später/weniger. Das ist das Spielfeld, auf dem sich Marco bewegt. Doch er entwickelt sich und die Campixx permanent weiter. Er hört Kritik und hat eigene Ideen, wie er die Konferenz ausbauen und gestalten möchte. Und während ich von den Internationalisierungsversuchen vor einigen Jahren noch etwas peinlich berührt war – wieso bekommt Aleyda Solís auf der Main Stage (Raum Wingmen 😎) keine Moderation für ein vernünftiges Q&A? – musste sich der internationale Track 2026 vor keiner anderen Konferenz verstecken. Das war einfach professionell und trotzdem sind der Charme und der Spaß erhalten geblieben.

  • Der internationale Track war klasse.
  • Die Keynote von Lily Ray: relevant, pointiert, eloquent. Einfach gut.
  • Das Bühnengespräch mit Marco Scheel von Nordwolle (Du weißt schon, olle Ihmchen): Genau die richtige Stoßrichtung aus der digitalen Bubble raus. Da wären noch mehr Lacher zu ernten gewesen, wenn Marco die Klatschpausen nicht gleich abmoderiert hätte.
  • Das Mixed-Zone-Format, bei dem sich immer zwei Disziplinen mit ihren konträren Perspektiven auf ein Thema werfen: geht komplett auf, wie Nina Roser und Tabea Schleweis beim Thema “SEO trifft PR” bewiesen haben.
  • Trotz Professionalisierung gibt es immer noch die Chance für Menschen, erstmals als Speaker auf einer Bühne zu präsentieren. Die Gelegenheit hat Britta Gölnitz ganz hervorragend genutzt beim Thema “SEO meets Chatbot: Intelligente Produktassistenz mit SEO-Daten bei hagebau”.
  • Das Weglassen der Klassifizierung “SEO” vs. “Content/Marketing” hat mir gut gefallen.
  • In Zukunft nicht mehr auf sieben, sondern vielleicht nur noch drei bis vier Tracks zu setzen, halte ich für eine gute Idee.
  • Und klar: Es gibt sie noch, die komplett von Dudes besetzten Panels. No offense, Ihr Lieben, aber das geht besser.

Wenn mich vor zwei Jahren Leute, besonders Frauen, besonders außerhalb des DACH-Raums gefragt haben, ob sich die Campixx lohnt, musste ich immer erst mental sondieren, wie die wohl drauf sind. Dann hab ich darauf verwiesen, dass die Campixx vor allem von der lockeren Klassenfahrtatmosphäre lebt und man sich vor Ort auf eine längere Anfahrt einstellen muss. Nach der Campixx 2026 kann ich das einfacher halten: Die Campixx lohnt sich. Komm vorbei und probier es aus!

Aber Jolle, gab’s auch inhaltlich was zu erzählen? ¡Sííííííííí, claro!

EEAT systematisch vermessen und verbessern mit Tom Winter

Tom Winter hat mich in Brighton schon begeistert. Sein Thema diesmal: “EEAT isn’t a Signal. It’s a System – Learn to audit, measure and improve it in 2026”. Während viele versuchen, mal die eine und mal die andere Aufgabe im Zwiegespräch mit ChatGPT zu lösen, baut Tom an Systemen, die ihm wiederholt zuverlässige Ergebnisse liefern. Wenn er über Halluzinationen stolpert, gibt er nicht dem Modell die Schuld. Stattdessen eruiert er, ob er das passende Modell gewählt und den notwendigen Kontext mitgegeben hat – und baut ähnlich wie Sara Vordermeier Learning Logs in seine Prozesse ein. Doch wie schafft er es, sich auch vermeintlich weichen Themen wie EEAT zu widmen?

Mit dem Ansatz des ehemaligen US Supreme Court Richters Potter Stewart wäre Tom vermutlich nicht einverstanden gewesen:

“I shall not today attempt further to define ["hard-core pornography"], and perhaps I could never succeed in intelligibly doing so. But I know it when I see it.” (Wikipedia)

Nun gut, da Richter Stewart keine Pornos erstellen, sondern sie lediglich erkennen sollte, geht das in Ordnung. Aber für Tom gilt: KI muss mindestens genauso gut, wenn nicht besser, gebrieft werden wie ein neues Teammitglied.

“If you only take one thing from my talk it’s this: If you are heading for a goal you need to know what good looks like. You need a scoring rubric.” (Tom Winter)

Eine Präsentationsfolie zum "RTF framework", die die Aussage "E-E-A-T is measurable, if you systematize it." hervorhebt. Daneben sind die drei Kernpunkte des Frameworks als "#1 Role", "#2 Task" und "#3 Format" aufgelistet.

Präsentationsfolie mit dem Titel "Process simplified", die ein vierteiliges Flussdiagramm zur E-E-A-T-Bewertung zeigt. Die abgebildeten Schritte verweisen von "Define context" über "Evaluate 4 pillars" und "Apply scoring rubric" hin zu "Output JSON".

Eine Folie mit der Überschrift "Define what a 1 & 10 look like", auf der eine detaillierte Bewertungsmatrix ("E-E-A-T Scoring Rubric (1-10 Scale)") abgebildet ist. Diese Tabelle bewertet die vier Kriterien "Experience", "Expertise", "Authoritativeness" und "Trustworthiness" auf einer Skala von "1-3 (Poor)" bis "10 (Outstanding)".

Automatisierte Content Updates-Prozess von kommerziellen Seiten mit Alex Galinos

Alex’ Ansatz dürfte ganz nach Toms Geschmack gewesen sein. Früher™ brauchten Aktualisierungen der “Airport Transportation Pages” von hoppa zwei Tage. Mittlerweile™ sind es 30 Minuten pro URL. Stück für Stück kommt er so von generischen Seiten wie der Austin Page zu solchen wie der für JFK New York, die für spezifische Zielgruppen den passenden Mehrwert und Information Gain bieten (looking at you Saskia Ernst via Stefan Godulla).

Natürlich bestand auch hier der Weg nicht darin, eine Tüte Magic aufzureißen, sondern den manuellen Prozess Schritt für Schritt LLM-gerecht aufzubereiten.

Alex Galinos am Pult vor einer Präsentationsfolie mit der Überschrift "PART 2 — HOW THE MANUAL PROCESS BECAME CLAUDE CODE AUTOMATION". Die Folie zeigt ein detailliertes, 13-stufiges Workflow-Raster zur Content-Automatisierung, wobei der Kerngedanke hervorgehoben wird: "The judgment didn't move to the machine — the enforcement of that judgment did."

Das waren nur wenige Einblicke in die Campixx, auf der ich noch viel mehr gute Gedanken bekommen und Gespräche geführt habe. Die Gefahr, inspiriert von der Konferenz zu kommen und dann doch nichts umzusetzen, sehe ich hier überhaupt nicht. Dafür waren die Erkenntnisse viel zu praxisrelevant und die Speaker viel zu hilfsbereit. Vielleicht hat Nina Roser doch Recht:

“Die Bereitschaft der SEO-Szene, miteinander Wissen zu teilen, ist einfach einzigartig.”

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