Letzte Woche war ich zum ersten Mal auf der Brighton SEO. Menschen hatten mir abgeraten: "Das Niveau der Talks ist wirklich niedrig." Menschen hatten mir zugeraten: "Die Vibes sind die besten!" Ich wollte mir mein eigenes Bild machen und ein paar Verbindungen in die internationale SEO-Gemeinschaft stärken.
Liebe geht raus an die Gang für Lachkrämpfe, Unverschämtheiten, Nacktschneckenschleim und Taubendreck: Juliane Bettinga, Friederike Hagen und Sabine Langmann. Eine Crew zu haben, aus der man immer mal ausscheren und sich wieder einklinken kann, ist Gold wert.
Rausgekommen ist ein unfassbar gutes Konferenzerlebnis. Auch wenn am Level der Talks im Durchschnitt durchaus etwas dran war, gab es fantastische Präsentationen. Zwei Beispiele:
- Dr. Greg Fletcher (Ocula): When Machines Go Shopping: Optimising Product Discovery for the Age of AI Agents. Money Quote → "We use agents to build agents that generate data for other agents."
- Tom Winter (SEOWind): Al Systems Win by Doing What Humans Should Do, but at Impossible Scale. Money Quote → "Your [human] content process is aspirational fiction. You never actually deliver it."
Wenn Du mir ein Signal gibst, vertiefe ich die Themen künftig im Newsletter nochmal. Sag Bescheid!
Was Du vorher wissen musst, damit Du möglichst viel mitnimmst
- Brighton bietet vielen neuen Speakern eine Bühne. Das sorgt für viel jugendliche Energie, aber auch für viele Falschaussagen. Fact-Checking-Modus anknipsen.
- Pro Session gibt es in der Regel drei, manchmal sogar vier 20-Minuten-Talks hintereinander ohne Q&A. Raumwechsel innerhalb des Slots sind a) nicht gern gesehen und halten Dich b) vom Eintauchen ab. Manchmal bist Du also vor der falschen Bühne gefangen. Gewöhn Dich dran und stell Deine Fragen in den Pausen.
- Die UK-Community ist viel stärker auf Digital PR, Linkbuilding und Blogcranking fokussiert als die deutsche. Teilweise müssen die sich schlechte SEO-Manieren abgewöhnen, die wir in meiner Bubble nie hatten. Teilweise sind sie uns in Brand-, Demand-, und Hype-Building-Disziplinen voraus.
- Verpflegung ist auf der Konferenz exklusive. Brighton hat aber unzählige Cafés und Restaurants. Und natürlich auch Supermärkte und einen Strand…
- Es gibt rund um die Konferenz zig Meetups inner- und außerhalb des Konferenzgebäudes. Zum Teil musst Du Dich vorab anmelden.
- Schlag vorab ein paar Pfeiler ein und verabrede Dich, aber lass unbedingt genügend Luft, um Dich spontan mit dem Flow treiben zu lassen. Es ist unmöglich, alle vorab anvisierten Treffen abzuarbeiten, dafür kommen tausend unverhofft schöne Plaudereien dazu.
- Brighton ist ein süßes Küstenstädtchen – wie ein Filmset. Du kommst überall entspannt zu Fuß hin und in jeder Gasse gibt es Szenerien zu entdecken. Nimm Sonnencreme mit und genieß es!
Meta-Themen der Konferenz
- Wie verändert AI, was wir unter SEO verstehen, auf welche Ziele wir hinarbeiten und mit welchen Workflows wir das tun? Was bleibt gleich?
- Wie kommunizieren wir, wenn alte KPIs ihre Bedeutung verlieren und wir einerseits viele neue Metriken, aber andererseits keine griffigen Äquivalente haben?
Kommunikation bei Ungewissheit und sich verschlechternden Metriken
Als Beispiele für das zweite Meta-Thema drängen sich diese zwei Sessions auf:
- Janaina Barreto-Romero (Oncrawl): Al search reality check: Making sense of change with imperfect signals
- Laura Mcinley (Oban): No clicks? No problem! How to handle reporting when the traditional numbers keep going down
Beide versetzen uns in die Situation: Clicks (oder andere liebgewonnene Metriken) gehen runter und was GEO bringt, lässt sich schwer quantifizieren. Wie sag ich’s meinem Stakeholder/Kunden? Folgende Argumente bringen uns die beiden mit:
Janaina legt vor:
"LLMs are a new channel for discovery."
Oder um es mit den Worten von Florian Stelzner zu sagen: "AI ist kein Performance-Kanal." Die ganze ROI-Debatte ist einigermaßen müßig. Das heißt aber nicht, dass wir uns fernhalten sollten:
"Even if old measurements are not helpful, not playing is a risk."
In den Worten des Eishockey-Superstars Wayne Gretzky: "You miss 100% of the shots you don't take."
"Crawlability still matters. Indexability still matters. There are new bots."
Jetzt ist die Zeit, um Technical Debt zu adressieren!
"Clicks are down, but is revenue?"
Haben wir hier aktuell ein Problem, das den Panikmodus rechtfertigt? Publisher können sich davon wenig kaufen, aber Shops oder B2B-Firmen durchaus.
"Check the query fan-out across multiple LLMs and cluster the topics that are relevant for you."
Ein manueller Check reicht nicht aus und auch nur auf ein Modell zu schauen, könnte zu kurz gesprungen sein. Allerdings solltest Du Dich priorisiert um die Themen kümmern, die wiederholt auftreten, während sie gleichzeitig relevant für Dein Angebot sind.
"What are people vs. LLMs vs you saying about you?"
Wenn das nicht deckungsgleich ist, weißt Du, woran Du zu arbeiten hast.
Laura stößt ins selbe Horn und ergänzt:
"Yes, CTRs are declining, but Search and Social are still growing. Search is still the primary source for people looking for information and the number of touchpoints is going up."
Es ist nicht gesagt, dass sich die Kanäle kannibalisieren. Menschen stellen mehr Fragen und die Kanäle können sich gegenseitig verstärken.
Damit wir aber nicht völlig ohne neue Metriken dastehen, macht Laura folgende Vorschläge:
- Versuche, "Brand Interest" zu operationalisieren. Suchen in der Tendenz mehr oder weniger Menschen nach Deiner Marke?
- Fokussiere Dich auf "Audience Behaviour": CRO und UX. Auch wenn das C hier wieder für Clicks steht, wie sich Menschen über Deine digitalen Kanäle bewegen, gibt Aufschluss darüber, wie und wo Du sie erreichen kannst.
Mein Notizbuch ist voll. Also lass mich wissen, wenn Du Dir mehr Recap von der Brighton wünschst!