TL:DR;
- Bing Recommendationen schlagen vor, intentional identische Seiten für verschiedene Länder, die HREFLANG nutzen, fälschlicherweise zu differenzieren.
- Wir bemerken, dass Bing die relevante Passage zu HREFLANG aus seinen Webmaster Guidelines entfernt hat, obwohl es zuvor sogar eine offizielle Quelle dafür war.
- HREFLANG ist entscheidend, um inhaltlich gleiche Seiten für unterschiedliche Länder zu deduplizieren und die korrekte regionale Ausspielung in Suchergebnissen sicherzustellen.
- Die Kernfrage ist, ob Bing HREFLANG bewusst zugunsten neuer AI-Search-Lösungen aufgegeben hat oder ob dies ein unbeabsichtigter Fehler in der Dokumentation ist.
- Angesichts von Bings historischer Schwäche bei der Deduplizierung solltest Du Bings HREFLANG-Strategie genau beobachten und deren mögliche Auswirkungen auf Deine internationale SEO-Arbeit berücksichtigen.
In den Bing Recommendations sind mir neulich ein Haufen ziemlich dämlicher Empfehlungen begegnet. So stumpf, wie manche Tools mit Ampellogiken halt so vorgehen, hat mir Bing jede Menge Seiten mit identischem Title angezeigt und vorgeschlagen, dass ich die Seiten ausdifferenziere. Das waren hunderte Gruppen von jeweils zwei bis fünf Seiten. Allerdings war es in jedem der Fälle gewollt, dass die Seiten identische Title haben. Denn es handelte sich um das identische Template mit der identischen Sprache, allerdings vorgesehen für unterschiedliche Länder.
Auf meine schnippische Frage im Team-Chat, ob Bing schon mal was von HREFLANG gehört habe, wies mich mein findiger Kollege Behrend auf etwas hin, bei dem ich mir noch nicht ganz sicher bin: Fuckup oder Strategie?
Ihm ist – der Wayback Machine sei Dank – aufgefallen, dass Bing in den Bing Webmaster Guidelines am 21. April noch eine Passage zu HREFLANG enthielt. Bing ist damit (bislang) sogar Quelle für den deutschen HREFLANG-Artikel der Wikipedia. Inzwischen fehlt diese Passage aber.
Vorher:
Nachher:
Hinter dem HREFLANG-Attribut steht ein nützliches Konzept, das Suchmaschinen dabei hilft, verschiedene URLs zu deduplizieren. Wenn wir zum Beispiel wegen unterschiedlicher Währungen oder Lieferservice-Anbieter in verschiedenen Ländern unterschiedliche URLs brauchen, obwohl die Seiten inhaltlich eigentlich ein Duplikat sind, vermeiden wir mit dem HREFLANG-Signal zwei Dinge: Kannibalisierung und das Auftauchen der falschen URL in den Suchergebnissen des falschen Landes.
In der neuen AI-Search-Welt gibt es dieses Konzept nicht. Ähnlich wie bei der Spam-Bekämpfung (Stichwort Listicles und Bestenlisten mit der eigenen Marke auf Platz 1) können wir beobachten, dass Google in seinen Jahren am Markt schon eine Lernkurve hingelegt hat, die von den neuen Playern im Suchsektor erst noch gegangen werden muss. Bing war beim Deduplizieren und Identifizieren der kanonischen URL nie so stark wie Google.
Die Frage ist also: Hat Bing HREFLANG absichtlich in die Tonne getreten, weil für den neuen Suchmarkt ohnehin neue Lösungen gefunden werden müssen? Oder ist da einfach versehentlich etwas aus der Dokumentation geflutscht, was weiterhin unterstützt wird?
Auf LinkedIn konnte ich Bings Chef-Strategen Fabrice Canel leider nicht dazu bringen, sich dazu zu äußern. Was meinst Du?