Kommunikation ist überall, egal ob in der Beratung, im Team oder mit Kund:innen. Und doch ist sie oft der Punkt, an dem Dinge scheitern: Missverständnisse entstehen, Botschaften kommen anders an, als gemeint und gute Intentionen prallen an defensiven Reaktionen ab.
Warum ist das so? Und wie kann man es besser machen?
Kommunikation ist mehr als Sprache
Wenn wir kommunizieren, läuft nur ein kleiner Teil bewusst ab. Studien zeigen, dass nonverbale Signale (Tonfall, Mimik, Körperhaltung) und emotionale Zwischentöne oft stärker wirken als der eigentliche Inhalt.
Unser Gehirn reagiert blitzschnell auf diese unterschwelligen Signale, oft bevor wir rational verstehen, was gesagt wurde. In der Beratung kann das entscheidend sein: Ein empathischer Blick oder ein offener Sitzwinkel schaffen Vertrauen, während verschränkte Arme oder ein angespannter Tonfall schnell Distanz erzeugen können.
Psychologisch gesehen sprechen wir hier von emotionaler Resonanz. Unser Gehirn spiegelt die Emotionen anderer Menschen über sogenannte Spiegelneuronen, was bedeutet: Wenn wir ruhig und zugewandt kommunizieren, fördern wir beim Gegenüber dieselbe Haltung.
Der psychologische Kern: Bedürfnisse hinter Botschaften
Während nonverbale Signale meist unbewusst gesendet werden, können wir unsere verbale Kommunikation bewusst gestalten.
Ein Ansatz, der hier besonders hilfreich ist, stammt von Marshall Rosenberg: die Gewaltfreie Kommunikation (GFK).
Ihr Ziel: Gespräche so zu führen, dass sie Verbindung schaffen statt Abwehr.
Statt zu kritisieren („Du hörst mir nie zu!“) beschreibt man seine Wahrnehmung und das dahinterliegende Gefühl („Ich merke, dass ich frustriert bin, wenn ich mich nicht gehört fühle“). Dadurch rückt der Fokus weg von Schuldzuweisungen hin zu Bedürfnissen und Verständnis.
Ein klassisches Beispiel:
„Du hast mir die Unterlagen wieder zu spät geschickt!“
klingt nach Angriff, und die Person gegenüber geht automatisch in Verteidigung.
„Ich brauche die Unterlagen rechtzeitig, um meine Arbeit gut planen zu können.“
zeigt dagegen das zugrunde liegende Bedürfnis und öffnet Raum für Kooperation statt Konflikt.
In der Beratung: Zuhören, was nicht gesagt wird
Gerade in beratenden oder kundennahen Berufen ist Kommunikation mehr als Informationsaustausch. Es geht darum, zwischen den Zeilen zu hören:
- Was steckt emotional hinter dem Gesagten?
- Welche unausgesprochenen Bedürfnisse könnten mitschwingen?
- Und wie kann man darauf eingehen, ohne zu werten oder zu belehren?
Psychologisch betrachtet ist das eine Form von Empathie, also der Fähigkeit, innere Zustände des Gegenübers wahrzunehmen, ohne sie zu übernehmen. Sie schafft Vertrauen und öffnet den Raum für echte Veränderung.
3 psychologisch fundierte Tipps für gelingende Kommunikation
1. Wertfrei beobachten statt interpretieren
Statt: „Du bist unzuverlässig“ → lieber: „In den letzten drei Projekten sind die Deadlines nicht eingehalten worden.“
Das reduziert emotionale Reaktanz und hält die Gesprächsebene offen.
2. Gefühle benennen
Sprich über das, was in Dir passiert, statt über das, was der andere tut.
„Ich bin frustriert, weil ich das Gefühl habe, meine Arbeit hängt fest“ wirkt ehrlicher und weniger konfrontativ.
3. Bedürfnisse ausdrücken, Bitten formulieren
„Ich wünsche mir, dass wir einen festen Feedback-Termin haben.“
statt
„Du meldest dich nie rechtzeitig zurück.“
Das lenkt den Fokus auf Lösungen statt Schuld.
Fazit
Kommunikation ist kein Werkzeug, sie ist eine Haltung. Wer achtsam spricht, aktiv zuhört und die Bedürfnisse hinter Worten wahrnimmt, schafft Verbindung statt Trennung. Gerade in der Beratung ist das entscheidend: Denn Veränderung beginnt oft nicht mit einer neuen Strategie, sondern mit einem echten Gespräch.