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Head of Operations & Quality

Kommunikation ist unser tägliches Werkzeug – in Meetings, in Reports, bei Stakeholder-Updates, in Briefings. Und trotzdem verstehen wir uns regelmäßig falsch. Entscheidungen werden verzögert. Erwartungen laufen auseinander. Konflikte schwelen – oder explodieren.

Das liegt selten nur am fehlenden Skillset. Viel häufiger liegt es an Denkfehlern, die unsere Kommunikation verzerren – ganz automatisch, oft unbewusst.

Auch hier möchte ich Dir wieder fünf typische Biases als auch Impulse vorstellen, wie Du ihnen entgegenwirken kannst. Los geht's!

1. Illusion of Transparency – Du denkst, Du seist klarer, als Du bist

Du erklärst eine Maßnahme, ein Problem oder ein Ziel und bist sicher, alle haben verstanden, worum’s geht. Doch in Wahrheit bleiben beim Gegenüber Lücken.

Beispiel: Du briefst Dein Content-Team mit ein paar Stichpunkten, weil Dir die Ziele glasklar erscheinen. Das Ergebnis entspricht nicht Deinen Erwartungen und Du wunderst Dich.

Oder: Du gibst in einer Präsentation implizit zu verstehen, was wichtig ist, aber das Publikum nimmt etwas völlig anderes mit.

🔍 Was passiert?

Wir überschätzen, wie eindeutig unsere Botschaften ankommen. Weil wir selbst den Kontext im Kopf haben, glauben wir, andere sehen ihn genauso.

🛠️ Was hilft?

  • Rückfragen stellen wie: „Wie würdest Du das zusammenfassen?“
  • Nicht nur was sagen, sondern auch warum.
  • Raum lassen für Missverständnisse – nicht beleidigt sein, wenn etwas hinterfragt wird.

2. Curse of Knowledge – Du vergisst, wie es ist, etwas nicht zu wissen

Je tiefer Du in einem Thema drinsteckst, desto schwerer fällt es Dir, Dich in andere reinzuversetzen. Fachbegriffe, Abkürzungen, Prozesse. Du denkst, das sei Standardwissen.

Beispiel: Du erklärst technische SEO-Details im Team-Meeting und merkst nicht, dass Du Fachbegriffe nutzt, die andere nicht kennen.

Oder: In einem Kunden-Workshop gehst Du davon aus, dass Begriffe wie „Zero-Click Searches“ oder „Crawl-Budget“ selbstverständlich sind, dabei sind sie es für dein Gegenüber nicht.

🔍 Was passiert?

Du überforderst andere mit implizitem Wissen. Und wunderst Dich, warum sie nicht folgen können – oder falsch entscheiden.

🛠️ Was hilft?

  • Erkläre Dinge so, als wäre Dein Gegenüber neu im Team.
  • Mach implizite Erwartungen explizit.
  • Verwende Beispiele, statt Dich in Fachsprache zu verlieren.

3. Attribution Bias – Du bewertest Verhalten, nicht Umstände

Wenn andere einen Fehler machen, schiebst Du es schnell auf deren Persönlichkeit („unfähig“, „unmotiviert“). Bei Dir selbst hingegen auf äußere Umstände.

Beispiel: Eine Kollegin liefert ein Projekt nicht fristgerecht ab. Du vermutest fehlende Disziplin. Dass sie gleichzeitig mehrere Ad-hoc-Aufgaben vom Management bekam, siehst Du nicht.

Du selbst hingegen lieferst auch zu spät ab und erklärst es mit „zu vielen Meetings“, nicht mit schlechter Planung.

🔍 Was passiert?

Wir führen Fehler oder Verhalten schnell auf die Person zurück, statt auf äußere Faktoren wie Zeitdruck, unklare Infos oder Systemfehler.

🛠️ Was hilft?

  • Frag öfter: Was könnte den anderen gerade stressen?
  • Trenne Verhalten von Absicht.
  • Formuliere Feedback beschreibend, nicht bewertend: „Mir ist aufgefallen, dass…“

4. Belief Bias – gute Argumente werden überhört, wenn sie nicht ins Weltbild passen

Dein Vorschlag ist sachlich fundiert, aber Dein Gegenüber blockt trotzdem ab. Nicht, weil das Argument schlecht ist, sondern weil es nicht ins Bauchgefühl passt.

Beispiel: Du glaubst, dass die Aussage deiner Agentur wahr ist, weil sie Experten sind, also hältst du das Argument, dass manche SEO-Agenturen veraltete Methoden einsetzen oder eigene Interessen verfolgen, für unbegründet, selbst wenn die Resultate ausbleiben oder intransparent sind. (Wir könnten das ja mal challengen, wenn Du magst! ;)

Oder: Du bist überzeugt, dass Backlink Audits eine gute Investition sind und blendest Argumente aus, die langfristige Effekte belegen (Johan hat mich so langsam überzeugt, dass das mittlerweile Unfug ist - dazu an anderer Stelle einmal mehr!).

🔍 Was passiert?

Wir bewerten Argumente nicht rein nach Logik, sondern danach, ob sie unsere Überzeugungen stützen. Das gilt für Dich und Dein Gegenüber.

🛠️ Was hilft?

  • Zeige Anschlussfähigkeit: „Ich sehe, warum Du das so einschätzt – darf ich Dir trotzdem eine andere Sicht zeigen?“
  • Mach’s greifbar: statt Charts → kleine Geschichten, Szenarien, konkrete Auswirkungen.
  • Setze auf gemeinsame Ziele, nicht auf Rechthaben.

5. Egocentric Bias – Du überschätzt Deine eigene Rolle im Gespräch

Du glaubst, dass Deine Aussagen besonders einflussreich, Deine Gedanken besonders präsent oder Deine Wirkung besonders klar sei, was oft nicht zutrifft.

Beispiel: Du bist überzeugt, dass Dein Redebeitrag im Meeting die Richtung bestimmt hat, dabei wurde er kaum aufgegriffen.

Oder: Du denkst, dass ein Kunde auf Deine Empfehlung besonders achtet. In Wirklichkeit war sie nur eine von vielen, die parallel eingeholt wurden.

🔍 Was passiert?

Wir beziehen zu viel auf uns selbst. Und verkennen, wie wenig Aufmerksamkeit andere uns tatsächlich schenken.

🛠️ Was hilft?

  • Geh nicht davon aus, dass Deine Nachricht angekommen ist, sondern überprüf’s.
  • Wiederhole, was wichtig ist. Nicht weil andere dumm sind, sondern weil sie beschäftigt sind.
  • Nimm Dich selbst nicht zu wichtig. Kommunikation ist nie 100 % steuerbar.

Fazit: Wirkung beginnt im Kopf – nicht im Satz

Ob Du verstanden wirst, ob Du überzeugst, ob Du Vertrauen schaffst – hängt nicht nur davon ab, was Du sagst. Sondern auch, wie sehr Du Deine eigenen Denkmuster kennst.

Wenn Du in Zukunft bewusst(er) kommunizieren willst, frag Dich öfter:

  • Was weiß ich gerade, was mein Gegenüber nicht wissen kann?
  • Wo fülle ich Lücken mit Interpretationen statt Rückfragen?
  • Wie sehr rede ich eigentlich gerade für mich – und nicht für andere?

Denn kluge Kommunikation beginnt nicht mit Rhetorik, sondern mit Selbstreflexion.


💡 Dieser Artikel ist Teil unserer kleinen Serie zu Denkfehlern im Online Marketing. Im letzten Teil ging es um Entscheidungen – und wie Dein Gehirn sie elegant sabotiert. In der nächsten Ausgabe zeigen wir Dir, wie Denkfehler in Teams wirken – und warum manchmal nicht die Strategie hakt, sondern die Zusammenarbeit.

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