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Eine neue Sau, die durchs SEO-Dorf getrieben wird? Wohl eher nicht! Aber vermutlich doch eine eher nicht so angenehme Frage, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2012 schon alle IPv4-Adressen vergeben waren und ein riesiger Aufschrei um die Welt ging. Damals musste der Umstieg auf IPv6 schnell vorangetrieben werden. Aber wie sieht es heute, 11 Jahre danach aus? Ist Deine Website native über IPv6 erreichbar? Warum Du dies auf dem Schirm haben solltest, erkläre ich Dir in diesem Artikel.

Was ist IPv6 noch einmal?

IPv6 wurde als Internetprotokoll eingeführt, da die IPv4-Adressen zur Neige gingen. Eine IPv4-Adresse besteht aus 32 Bits und so kann es max. 4,3 Milliarden IPv4-Adressen geben. Um dies aufzufangen, wurde unseren Routern Network Address Translation (NAT) beigebracht, womit wir nun schon Jahrzehnte arbeiten. Jedoch zeigte sich schnell, dass auch diese Technologie nicht ausreichen wird und eine größere Anzahl an IP-Adressen benötigt wird. Vor diesem Hintergrund und mit einer Vielzahl an Verbesserungen wurde dann das IPv6-Protokoll erarbeitet. Mit diesem sind theoretisch bis zu 340 Sextillionen (340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.768.211.456) IP-Adressen möglich. Jedoch müssen die Geräte selbst mit dem neuen Protokoll ausgestattet werden, was bei den teuren Anschaffungspreisen und beschränkten Update-Fähigkeiten zu einer jahrzehntelangen Aufgabe geworden ist.

Wo stehen wir in der Umsetzung?

Laut einer Erhebung von Google stehen wir weltweit zwischen ca. 38% und 43% aller von Google getesteten Geräte. Eine so geringe Zahl an Geräten, 11 Jahre nach Einführung von IPv6, ist vermutlich auf Tunnel-Technologien wie "6in4" und "4in6" zurückzuführen.

![](https://lh5.googleusercontent.com/6OQFLQkXwSPHJ7PzLx-tTJAlXztJNYSzrE709CKPM7D_aVbW4WySg23HEmQpO4PXpgAwsnpaDpxIj89JCadi5l4HdgmSlpI9bvGsU-hzpDt4VroN9vg6IKumjvUwGZfQGg6PKNPJu6hv8SCVopFRn5w "Aktueller Umsetzungsstand IPv6") Klicke aufs Bild und schau Dir die Livedaten an.

Diese Technologien erlauben es, Datenpakete zwischen den beiden Protokoll-Welten zu transferieren und haben so den Schmerz bzw. die Notwendigkeit einer Umstellung geringer erscheinen lassen. Und so ist ganz heimlich der Druck vom Kessel genommen worden.

In Europa steht Deutschland (66,79%) in der Umstellung hinter Frankreich (75,3%) gar nicht mal so schlecht da. Jedoch zeigt es auch, dass es noch einiges zu tun gibt, bevor wir uns endgültig von IPv4 verabschieden können.

Warum solltest Du jetzt prüfen und IPv6 jetzt einrichten?

Es gibt zahlreiche Verbesserungen im IPv6-Protokoll. Darunter zählen:

  • Effizienteres Routing ohne Fragmentierung von Paketen (Von Google wird hier die Latenz meist mit -10ms gemessen)

  • Eingebaute Quality of Service (QoS), die verzögerungs-empfindliche Pakete unterscheidet und eine Vielzahl an weiteren Funktionen ermöglicht, die auf die Unterscheidung von Datenpaketen angewiesen ist (Filter, Bandbreitenbegrenzungen, besserer Umgang mit Paketverlusten)

  • NAT und damit zeitfressende Zuordnungs-Prozesse im Router gehören der Vergangenheit an

  • Eingebaute Sicherheit auf Netzwerkschicht (IPsec)

  • Zustandslose Adressen-Autokonfiguration für einfachere Netzwerkverwaltung

  • Verbesserte Header-Struktur mit weniger Verarbeitungsaufwand

  • Benötigt keine Tunnel-Technologien wie "4in6" oder "6in4" (Spart mit jedem Abruf Strom und CO2)

So einfach kann es sein! Oder doch nicht?

  1. Teste, ob Deine Website nicht schon über eine IPv6 erreichbar ist (Ist dies nicht der Fall, dann mache mit Schritt zwei weiter).

  2. Prüfe, ob der Server Deiner Website mit einer IPv6-Adresse ausgestattet ist. Logge Dich dazu in das Backend Deines Providers ein oder wende Dich an Deinen Website-Administrator.

  3. Ist dem Server noch keine IPv6-Adresse zugewiesen, so wende Dich an Deinen Provider, um dies zu ändern. Bei Providern wie DigitalOcean, MS Azure oder der AWS muss dies ggf. ein Administrator aus Deinem Unternehmen oder Deiner Agentur erledigen.

  4. Nachdem der Server eine IPv6-Adresse zugewiesen bekommen hat, muss nun noch der Webserver (Aapche, NGNIX usw.) angewiesen werden, auch auf Anfragen an dieser IP-Adresse zu warten und diese anzunehmen. Auch dies wird meistens von Deinem Administrator oder Deinem Provider übernommen.

  5. Ist der Webserver konfiguriert, muss nun noch die neue IP-Adresse im DomainNameServer (DNS) hinterlegt werden. Dazu verwenden wir einen AAAA-Record für die Domain. Wir erinnern uns, ein A-Record wird für die Auflösung einer IPv4-Adresse verwendet. AAAA-Record sind für IPv6-Adressen gedacht. Achte dabei darauf, dass Du für alle A-Records der Domain auch einen AAAA-Record mit der neuen IPv6-Adresse einrichtest.

Fertig! Damit ist Dein Webserver im sogenannten Dual-Stack-Modus konfiguriert und beantwortet Anfragen via IPv4 und IPv6. Du kannst dies durch den oben aufgeführten Test erneut prüfen.

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