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Hast Du Dich auch schon manchmal gefragt, wie eine Website eigentlich zu Dir kommt? Ganz einfach gesagt gibt es dazu das passende Protokoll, eine Art Sprache die Webserver und Browser gemeinsam sprechen um Daten auszutauschen. Das so genannte HTTP- oder HTTPs- Protokoll. Dieses Protokoll hat im Jahr 1996 das Licht der Welt erblickt und wurde seit dem immer ein wenig weiter entwickelt.

Nachdem uns das HTTP-Protokoll jetzt schon mehr als 25 Jahre gute Dienste geleistet hat wurde es im Mai 2015 offiziell das erste mal in größerem Umfang mit neuen Funktionen versehen. HTTP/2 war geboren und wurde durch das SEO-Dorf getrieben. Was wurde uns nicht alles versprochen: Schnellere Verbindungen, weniger SSL- Handshakes und vieles mehr.

Es hat ganz schön lange gedauert, bis Provider überhaupt das neue Protokoll unterstützten. Ausgenommen waren hier natürlich die Webseitenbetreiber, die sich mit ihrer IT selber vollständig um ihre Webserver kümmerten und so das Protokoll installieren konnten. Tatsache ist, dass mit Stand August 2021 immer noch weniger als 50% der Webseiten überhaupt die neue Version (HTTP/2) unterstützen und somit mit der Version HTTP/1.1 aus dem Jahr 1999 arbeiten. [https://w3techs.com/technologies/details/ce-http2]

Ausblick

Und nun steht schon das neuste Protokoll HTTP/3 vor der Tür. Schneller, besser und hübscher soll es sein, doch ist es wirklich so? Und wie bekommen wir als Webseitenbetreiber HTTP/3 nun auf unseren Server?

Dazu muß ich als erstes vorwegnehmen, dass sich HTTP/3 noch mit Version 34 vom 06. August in der Entwicklung befindet. Solange es hier kein „Final-Draft" gibt, kann sich noch einiges daran ändern. Diese Änderungen müssen dann natürlich auch noch den Weg in die Browser und unsere Server-Software finden. Ab diesem Zeitpunkt darfst Du dann gerne Deinen Provider oder Deine IT-Abteilung nerven und fragen zu wann man Dir das neue Protokoll bereitstellen kann.

5 schnelle Fakten über HTTP/3

  • Verbindungen über HTTP/3 sind pauschal verschlüsselt

  • Der Verbindungsaufbau ist schneller

  • HTTP/3 kann in einigen Anwendungsfällen (beispielsweise bei der Bereitstellung von großen Downloads) langsamer sein

  • Der Wechsel auf das UDP- Protokoll hat zwei Gründe: Als Erstes wollte man HTTP/3 von dem TCP-Protokoll lösen. In diesem müssen alle Verbindungen eine dauerhafte Verbindung zwischen Server und Client aufbauen. Dies zieht wiederum ein extrem hohen Zeitaufwand zum handeln der eigentlichen Verbindung mit sich.

  • HTTP/3 wurde auf einem schon bestehenden Protokoll, dem UDP-Protokoll entwickelt. Dies hat zwei Gründe: Der Erste Grund ist der, dass HTTP und HTTPS bis jetzt immer auf dem TCP- Protokoll basierten und jede Verbindung eine so gennnate "Stateful-Verbindung" ist; die Verbindung zwischen Client und Server besteht daher dauerhaft und der Empfang jedes einzelnen Datenpaketes muss vom Client bestätigt werden. Dies führt zu längeren Kommunikationszeiten und verlangsamt insgesammt den Versand von Daten gegenüber dem UDP- Protokoll. Der zweite Grund ist die Wahl eines schon bekannten Protokolls damit Netzwerkkomponenten wie Firewalls und/oder Switches nicht erst mit teuren Updates HTTP/3 "lernen" müssen und die neue Version somit schnell genutzt werden kann.

  • Wenn wir eine Webseite aufrufen werden mit jedem Aufruf einige Dateien abgerufen damit diese Webseite dargestellt werden kann. Hierzu zählen Dateien wie Grafiken, CSS (Cascading Style Sheets) & Javascripts. In Version 1.1 benötigt HTTP für jede Datei eine separate Datenverbindung über TCP. Hier hat HTTP/2 schon versucht eine Optimierung zu erreichen. Dies geschieht damit, dass HTTP/2 alle benötigten Dateien in einen datenstrom als eine große Datei verpackt und verschickt. Dies hat jedoch den großen Nachteil, dass HTTP/2 nicht wissen kann, wo eine bestimmte Datei anfängt oder aufhört. Geht hier nun ein Datenpaket verloren, weiss HTTP/2 nicht welche Datei neu versendet werden muss und muss den gesamten Datenstrom erneut senden. HTTP/3 behebt nun genau diesen Mißstand. Es weiß wo eine einzelnen Datei anfäng, wo sie aufhört und kann im Fall von Paketverlusten die Dateien erneut senden, bei denen es zu diesen Verlusten gekommen ist. 

Welche Browser unterstützen HTTP/3 schon?

  • Chrome ab Version 79 (April 2020)

  • Firefox ab Version 72.0.1 (April 2021)

  • Safari ab Preview 104 (seit April 2020) (muss jedoch manuell aktiviert werden)

  • Microsofts Edge: bis jetzt gar nicht

Für welche Webserver ist HTTP/3 schon verfügbar?

Apache hat aktuell noch nicht mit der Entwicklung eines passenden Moduls begonnen. Die Entwickler des Webservers NGINX arbeiten mit Hochdruck an einer stabilen Version, Administratoren können sich für diesen Webserver bereits Beta-Versionen des Moduls herunterladen und auch Cloudflare bietet hier eine angepasste Version für Tüftler an.

Gibt es schon Anbieter die HTTP/3 heute schon produktiv nutzen?

Ja diese Anbieter gibt es natürlich. Allen voran kann man hier Google mit seinen Diensten auf google.de, google.com und seinem Kartendienst „Google Maps" nennen, die die komplette Kommunikation zwischen ihrem Browser Chrome und den Google Maps-Servern bereits vollständig auf HTTP/3 umgestellt haben. Daneben unterstützt der CDN-Anbieter (Content Delivery Network) Cloudflare bereits das neue Protokoll und bietet Dir damit die Möglichkeit Teile Deiner Website schon jetzt mit dem neuen Protokoll anzubieten.

Blick auf die Netzwerk-Tools in den Entwicklertools in Chrome. Hier sehen wir, dass sämtliche Daten bereits über HTTP/3 geladen werden.

Es wird also spannend wie sich HTTP/3 durchsetzen wird, ob sich das neue Protokoll für jeden Anwendungsfall eignet oder welche Überraschungen es für Systemadministratoren mitbringen wird.

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