Ich lese und höre in letzter Zeit immer wieder, dass Websites bald nicht mehr wichtig sein werden. Weil doch jetzt (und künftig) sowieso “alles über KI läuft” und man sich Infos direkt von Chatbots holen kann.
Aber stimmt das wirklich? Die Antwort: Nein, natürlich nicht.
Trotzdem steckt in solchen Aussagen häufig ein Fünkchen Wahrheit, beziehungsweise zumindest eine nachvollziehbare Sorge. Nämlich die, dass alle Bemühungen, die eigene Website zu optimieren, morgen schon obsolet sein könnten. Weil ja nun die KI da ist!
Grund genug, sich das Thema einmal etwas genauer anzuschauen. Allen voran, um das “Nein” mit ein paar Zahlen und Gedanken zu untermauern.
Wie KI die Rolle von Websites verändert
Bis zum Durchbruch von KI und LLMs waren Websites die zentrale Anlaufstelle für Antworten auf die verschiedensten Fragen und Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern. Das ist zwar immer noch der Fall, aber längst nicht mehr so häufig. Stattdessen nutzen derzeit bereits 60% aller Erwachsenen (aus den USA, das lässt sich aber sicher auch auf Europa übertragen) die Kollegen ChatGPT, Claude und weitere, um nach Informationen zu suchen. Also für genau die Dinge, für die man “früher” automatisch Google geöffnet hat:
Das ist eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, wie frisch KI und LLMs erst am Start sind. Und mit der jungen, technikaffineren Generation werden diese Zahlen garantiert noch weiter steigen.
Dazu kommt, dass Google viele Suchanfragen dank AI Overviews und KI-Mode inzwischen direkt beantwortet, ohne dass ein Klick auf eine Website nötig ist. Erst einmal ernüchternd. Vor allem, wenn man seine Brötchen bisher mit informationalen Inhalten verdient (hat) oder nur auf die Klicks geschaut hat.
Aaaaaber… Warum Websites trotzdem wichtig bleiben
Allerdings dominiert die klassische Suche nach wie vor klar das Geschehen. Und was bei der ganzen “Das Ende von Websites”-Debatte gerne vergessen wird und eigentlich auch schon die Diskussion zum Thema beendet: Irgendwo muss die KI das Wissen ja hernehmen. Die Antworten kommen schließlich aus Inhalten, die vorher jemand auf
- Websites,
- Blogs,
- Shops oder
- anderen Portalen
veröffentlicht hat. Und ohne diese (gut) gepflegten Seiten… Nun ja, da fehlt LLMs und der KI recht schnell die Grundlage, die gerade für aktuelle Themen und RAG wichtig ist.
Das reicht im Grunde bereits, um die Frage nach dem Aussterben von Websites klar mit “Nein” beantworten zu können.
Aber es gibt noch weitere Gründe. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Vertrauen. Denn auch wenn LLMs extrem praktisch sind… Als vertrauenswürdig wird der Output aktuell meist nicht angesehen. Man hört am Ende doch lieber auf einen Menschen als auf die Worte des Terminators. Selbst wenn der seinen Artikel letztendlich auch mithilfe von ChatGPT hat zusammenklöppeln lassen. Und auch ein KI-Agent, der irgendwann mal für dich online einkaufen geht, braucht eine Website, wo er das tun kann. Ohne Basis geht es einfach nicht.
Ich frage mich also wirklich, woher dieser Gedanke kommt, dass Websites ein Auslaufmodell sein könnten…
Was heißt das nun?
Statt in Panik zu verfallen und nach dem vierhundertsten Tod von SEO nun auch das offizielle Ende von Websites zu verkünden, heißt es wie üblich erst einmal durchatmen.
Websites sind nicht weg und werden auch nicht plötzlich verschwinden. Sie rutschen in der Suche höchstens eine Ebene nach hinten, während LLMs die Lorbeeren dafür abgreifen.
KI und insbesondere Large Language Models werden künftig zwar häufiger der erste Touchpoint für Kundinnen und Kunden sein. Gerade für komplexere oder tiefere Bereiche auf der Customer Journey bleibt die eigene Website aber nach wie vor die Anlaufstelle schlechthin. Und auch ChatGPT oder AI Overviews brauchen bei allem, was nicht bereits im eigenen Datensatz steht, weiterhin eine Quelle oder Referenz.