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Geschäftsführender Gesellschafter

🎼 Soundtrack zum Artikel (Natürlich geht auch die schwungvollere Version von J.B.O.)

Kürzlich war es wieder soweit:

Hey Johan, kennst Du einen guten Service, um User-Lokalisierung auf Basis der IP abzubilden? Ist zwar keine SEO-Frage, aber vielleicht hast Du eine Idee dazu? Wir brauchen am Besten eine Einordnung auf PLZ-Ebene.

Klingt erstmal nach einem Ansatz, den man verfolgen kann. Tiefer geblickt offenbart sich jedoch, dass dies keine gute Idee ist. Also ganz klar: Können wir nicht empfehlen. Warum erklären wir gerne! Damit Du aber beim nächsten Mal nicht selbst die Begründung schreiben musst, hier meine Antwort für Dich zum Copy pasten:

tl;dr: Nutze die Geolocation API

Die Geolocation API des Browsers ist das Einzige, worauf ich mich halbwegs verlassen würde, auch wenn eine User-Einwilligung dafür einzuholen ist.

Alle Systeme auf Basis der IP sind extrem fehleranfällig und nicht praxistauglich. Eine Zuordnung auf PLZ-Ebene auf Basis der IP ist unmöglich.

Die 3 Kernprobleme jeder API-Lösung:

  • Die Zuordnung ist geographisch ungenau

  • Die Datenbanken sind häufig nicht aktuell. Beispielsweise kann die IP-Adresse zuvor einem Provider im Ausland zugewiesen sein und jetzt wieder in Deutschland vergeben werden.

  • VPN (insbesondere in Home-Office oder Reise-Cases im B2B) sorgt dafür, dass die Location der IP vom realen Standort komplett abweicht.

Die Frage, die Du Dir stellen musst:

Wie wichtig ist die korrekte Erkennung? Wie groß darf die Fehlerquote sein? Wenn Du einfach die Auswahl der PLZ erleichtern willst, indem Du einen Best Guess machst, dann ist IP wahrscheinlich ausreichend.

Wenn Du Funktionalität anpassen (Vorschlag für Filiale, Kostenkalkulation) oder Inhalte variieren (Lieferzeit, Ansprechpartner) möchtest, dann würde ich auf jeden Fall über die Geolocation API gehen.

Der aktuelle Selbstversuch

Für die Beweisführung habe ich verschiedene Services verglichen. Direkt aus meinem Home-Office-Keller in Ahrensburg (nordöstlich der Hamburger Stadtgrenze im wunderschönen Schleswig-Holsteiner Landesteil Holstein).

  • IPCity: Witzeeze (Schleswig-Holstein, ca. 40 Kilometer Luftlinie)

  • IPregistry: Haale (Schleswig-Holstein, ca. 100 Kilometer Luftlinie)

  • IP2Location: Düsseldorf

  • IpInfo: München (PLZ: 81249)

  • DB-IP: München (PLZ: 81245)

  • IPStack: Irgendwo in Deutschland

  • Google Chrome Geolocation API: ziemlich genau auf 15m

  • Apple (Wo ist): ebenfalls ungefähr der Radius, aber exakter Mittelpunkt

Randnotiz: Vor 2 Jahren hatte ich übrigens häufig Probleme mit Amazon, weil mein Glasfaser-Anbieter IPs bekommen hat, die vorher in Russland verwendet worden sind.

Bevor ich einen Film schauen konnte musste ich mir erst eine neue IP besorgen.

Aktiviere ich das VPN (was meistens der Fall ist, Security ftw.), dann bleiben die Standorte von Google Chrome und Apple gleich. Die IP-Dienste orten mich aber jetzt in Sachsen, Berlin oder Gunzenhausen (Bayern).

Wenn Du viel Mobile Traffic hast und kaum Firmenkunden, dann kann das mit der IP besser funktionieren, hat aber immer noch eine hohe Fehlerquelle.

Mit IPv6 sinkt die Fehlerquote ebenfalls, aber die grundsätzlichen Probleme bleiben.

Wie kann es sein, dass die Geolocation API so viel genauer ist?

Beispielsweise weil dem Endgerät die WLAN-Netzwerke der Umgebung zur Verfügung stehen, die IDs der Handymasten oder GPS-Signale. Auf diesen Daten arbeiten auch die Navigationssysteme der Handyhersteller und für Desktop sind die nur unwesentlich ungenauer, weil Apple und Google entsprechend von ihren Endgeräten die Welt kartographieren lassen und das dann auch für Desktop verwenden können.

Browser und Betriebssystem nutzen also die IP nur als eines von vielen Signalen.

Welche SEO-Implikationen haben IP-Lokalisierungssysteme?

Grundsätzlich hat das Erkennen der User-Location selbst keinen SEO-Impact.

Erst wenn auf Basis dieser Erkennung Inhalte variiert werden wird es kritisch.

Da die meisten Suchmaschinen aus den USA crawlen und mit einer amerikanischen IP crawlen wird die Suchmaschine nur diese Inhalte sehen.

Wenn wir unterschiedliche Inhalte unter einer URL ausliefern (aus verschiedenen Gründen nicht zu empfehlen), dann wird Google nur eine Version sehen können.

Bei automatischen Redirects auf Basis der IP gilt das Gleiche. Google wird immer auf die amerikanische Variante weitergeleitet werden. Die interne Verlinkung Deiner deutschsprachigen Inhalte wird also miserabel sein. Und wenn Du tatsächlich nicht nur die Startseite redirecten solltest, sondern alle Inhalte, dann wird Google auch in so einem Setup nur eine Sprache sehen können.

Was ist also zu tun?

  1. Überlege, ob Du wirklich regionalisieren musst.

  2. Wenn Du wirklich regionalisieren musst, dann erkläre Deinen Besucherinnen und Besuchern wofür und bitte um Location-Consent (bitte nicht direkt beim Aufruf der Seite abfragen, sondern erst, wenn wirklich benötigt)

  3. Verzichte auf automatische Erkennung der IP. Was Du machen kannst ist die englische Seite mit einem Pop-Up zu versehen, dass fragt, ob User eigentlich die Location wechseln möchte. Die Frage ist aber immer: Ist das tatsächlich notwendig? Solltest Du nicht User entscheiden lassen, welche Variante sie sehen möchten? Ist es nicht ausreichend den Sprach-/Location-Switch sichtbar einzubinden? Ist das nicht UX-seitig besser als User mit Fragen zu belästigen bevor sie Content sehen können?

Was sind Deine Erfahrungen mit Geo-Redirects?

Welche Use-Cases oder Umsetzungen findest Du gelungen?

Geschäftsführender Gesellschafter

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