Wenn Du unsere Slack Channels sehen kĂśnntest, wĂźsstest Du, dass ich mich zu Programmatic SEO hingezogen fĂźhle. Gleichzeitig argumentiere ich auch oft dafĂźr, dass im Internet viel zu viel Schrott rumfliegt. Ahrefs hat mal gesagt, dass es leicht Ăźber 90% aller Inhalte sind, die keinen Klick aus der organischen Suche bekommen. Diese Statistik wurde kĂźrzlich aktualisiert:
"96.55% of Content Gets No Traffic From Google"
â Link zur Studie
Also nochmal 6% mehr, was mich nicht wundert.
Die ganze Zeit heiĂt es, dass Google schlechter geworden sei. Was ist aber, wenn die durchschnittliche Qualität der Inhalte schlechter geworden ist? Diese Gedanken schieĂen mir seit Wochen durch den Kopf und habe ich in Google Under Pressure und auf LinkedIn bereits abgefrĂźhstĂźckt.
Jetzt schallern auch noch die Google Updates â passend zum März und zur SMX â rein. Die Google Updates hat Anita diese Woche auf dem Teller liegen. In Zusammenhang mit Programmatic SEO gehen bei Updates immer die Lauschmuscheln auf, denn John Mueller hat es letztes Jahr auch schon deutlich gesagt:
"I love fire, but also programmatic SEO is often a fancy banner for spam."
Am Ende geht es wie immer um Qualität und wie hilfreich die Inhalte fĂźr Nutzer und Nutzerinnen sind. Auch wenn die Anzahl der Spam-Beispiele zahlreicher ist, gibt es auch einige sehr positive Beispiele, wie z. B. Webflow und Zapier â oder Greg.Â
Wer oder was ist Greg?
Von Greg hatte ich bis vorletzte Woche noch nichts gehĂśrt. Der CEO, Alex Ross, war im Optimize Podcast zu Gast. Die 60 Minuten habe ich mir reingezogen und die spannendsten Insights fĂźr Dich gesammelt.
Gregs Produkt ist eine App, mit der Du Pflanzen identifizieren kannst und direkt die passenden Pflegeinformationen bekommst.
Da stecken einige Pferdestärken unter der Website-Motorhaube. In Ahrefs kÜnnen wir vor allem zum Jahresende eine starke Explosion bei den organischen Seiten und dem organischen Traffic erkennen:

Es schien in 2023 so, als habe man ein lokales Maximum erreicht, das inzwischen durchbrochen wurde.
Auch der Sichtbarkeitsindex von Sistrix in den USA offenbart diese Entwicklung:

Was steckt hinter der SEO-Strategie von Greg?
Es ist ein KI-gestĂźtzter, programmatischer Ansatz. Im Podcast spricht Alex von zwei Etappen, die sie durchlaufen haben.
1\. Der Auftakt
Basierend auf ihrer eigenen Datenbank haben sie fßr jeden Pflanzentyp eine Landing Page angelegt, die Informationen zu Bewässerung, Sonnenlicht und Dßngung bereitstellt. Das sieht ungefähr so aus:

Zusätzlich wird jede Seite durch UGC aufgewertet, beispielsweise in Form von
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den am häufigsten ausgewählten Pflanzeneigenschaften,
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populären Community-Fragen und
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Reviews.
Der Ansatz mit den eingebundenen Community-Fragen erinnert stark an Quora.
Anstatt die Inhalte vollständig per KI schreiben zu lassen â etwas, das meiner Erfahrung selten gut funktioniert â erfolgt die Erstellung in Etappen auf Basis einer 10.000 Zeilen langen Prompt Engine:
"And we wrote a very large, I'm talking 10,000 lines of code, prompt engine for reliably and with high quality writing, very specific, very well-formed sections of content for each type of topic, whether it's toxicity or leads."
PersÜnlich ist mir häufig aufgefallen, dass ChatGPT & Co. Schwierigkeiten haben, den Fokus zu behalten und Leitplanken brauchen. Auch Alex beschreibt das im Podcast:
"And so very quickly we learned that we have to narrow it down so that it's almost an assembly line where the LLM is focusing on this part and then on that part and then on that part. [...]
You can't, there's something going on with the attention span of these LLMs, where when you give it too big of a task, its brain gets scrambled and it loses attention."
Basis fĂźr die zweite Etappe war eine intensive Keyword-Recherche.
2\. Die Expansion
Neben den Themen Bewässerung, Sonnenlicht und Dßngung gibt es viele weitere Themen, zu denen aktiv in Zusammenhang mit Pflanzen gesucht wird, wie z. B.
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Krankheiten,
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Giftigkeit und
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braune Blätter.
In der Recherche hat das Team von Greg 26 Themen identifiziert, die dann mit gezielten Seiten pro Pflanzenart und in unterschiedlichen Kombinationen abgedeckt wurden. Auch hier eine Parallele zu Reddit & Quora: Anstatt unfassbar langen Content lesen zu mĂźssen, weil alles auf einer holistischen Seite untergebracht ist, bekommt man sehr schnell die gesuchte Antwort.
Mittlerweile haben sie Ăźber 100.000 Seiten angelegt und einen GroĂteil davon in weniger als 3 Monaten.
Was macht Greg besonders gut?
Alles wirkt wie aus einem Guss und es ist das Gegenteil von einem "get rich quick" Schema. So eine Website erstellt man nicht, wenn man nur die schnelle Mark riecht und eigentlich keine Ahnung hat.
Eine der wichtigsten Komponenten in der SEO ist die interne Verlinkung. Vor allem deswegen, weil wir sie 100% kontrollieren kĂśnnen, im Gegensatz zu Backlinks.
Hier sind 3 Beispiele der internen Verlinkung bei Greg, 2 von den "Plant Care" Seiten und eins aus einem der "schnellen, gezielten Artikel".
1\. Verlinkung auf relevante FAQ-Artikel:

2\. Verlinkung auf ähnliche Pflanzen, zu der, die ich gerade anschaue:

3\. Passende Links aus dem Textkontext heraus:

Vor allem das letzte Beispiel mÜchte ich näher beleuchten. Bei vielen zehntausend Seiten ist es unglaublich schwierig, die interne Verlinkung manuell zu handhaben. Zur Nachpflege bleibt dann beispielsweise eine schnelle site-Abfrage + Keyword oder z.B. der systematische Ansatz ßber den Screaming Frog mit einer Custom Search.
Das ist aber die NACHpflege. Greg nutzt KI fĂźr das Setzen von internen Links bei der Content-Erstellung:
"So a lot of internal linking is like, okay, we've got an article about toxicity. And so it looks for the word toxic or toxicity. Right.
Whereas in this case, ChatGPT is very good at synonyms. It's poisonous. It's even really good at understanding symptoms.
So if there's some discussion about stomach issues, it understands that that in this context is almost certainly caused by toxicity.
And so it can link that symptom or that really quite removed, but still related topic.
Neben direkten Bezeichnungen inklusive Synonymen, kÜnnen LLMs auch andere Zusammenhänge verstehen, wie Symptome. Beim Erstellen der Inhalte geben sie der KI eine Liste an URLs mit. So kÜnnen dann automatisch die passenden Links gesetzt werden, die ßber den Standard hinausgehen.
Das schßtzt nicht vollständig vor einer Nachpflege, wenn neue Inhalte dazukommen, aber auch hier setzt Greg sicherlich auf automatisierte Verfahren, die auf KI zurßckgreifen.
Sind die Inhalte von Greg hilfreich oder Spam?
Das ist die goldene Frage. Ich habe ein klares "Hilfreich" empfunden. Aber ich war voreingenommen, da ich den Ansatz spannend und das Interview sehr hĂśrenswert fand. PersĂśnlich interessiere ich mich zwar fĂźr Pflanzen, aber nicht so sehr in der Tiefe, wie z. B. meine Freundin.
Ohne irgendwas zu erwähnen, habe ich ihr zwei Links geschickt und gebeten, sich die Seite mal anzuschauen und mir Feedback zu geben, wie sie die Inhalte findet. Wir haben einige Pflanzen â unter anderem auch eine Monstera. Das Feedback war sehr positiv.
Manchmal soll es ja helfen, wenn wir SEOs noch einen anderen Blickwinkel bekommen. Sonst kochen wir zu sehr in unserer eigenen Suppe.
Es ist also nicht so, dass Programmatic SEO und KI immer Spam sein mĂźssen. Ich bin oft im Zwiespalt, denn leider gibt es genug Promo fĂźr "I created 1581930 pages in 1 day" und anderen BlĂśdsinn. Entweder rankt so etwas gar nicht, nur kurzfristig, verdient keinen Euro, oder stĂźrzt massiv ab, weil es nur geklaute Inhalte sind.
In diesem Fall finde ich den SEO-Erfolg bis hierhin erstmal gerechtfertigt. Das liegt vor allem daran, dass die KI-generierten Inhalte auf eigenen Daten aufbauen und nicht von einem LLM ohne Fachexpertise herbeigezaubert wurden.
"You can't build a brand with AI content. [...] There's no recognisable voice, no firsthand experience or narrative, and no real person behind the writing."
â Ryan Law