Mein Kollege Florian Hannemann hatte vor rund einem Jahr bereits über die Wirtschaftlichkeitsprobleme bei OpenAI berichtet. Eigentlich wollte ich hier die Antwort von ChatGPT präsentieren; die war mir dann doch etwas zu ausufernd. Daher bin ich umgestiegen auf die aus meiner Sicht spitzer formulierte Frage: Kann ChatGPT ohne anzeigenbasierte Einnahmen überhaupt profitabel sein? Hier wurde ich von ChatGPT-5 ebenfalls hinsichtlich einer kurzen Antwort enttäuscht; das hätte ich allerdings im Prompt auch formulieren können. Daher die aus meiner Sicht salienten Punkte:
“Die kurze Antwort ist: Ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen. [...] Ohne massive Kostensenkung ist der Break-even nicht erreichbar. [...] ChatGPT kann profitabel werden – auch ohne Werbung –, wenn es gelingt, Kosten zu senken und B2B-/Abo-Einnahmen stark auszubauen.”
Angenommen wird vom eigenen Bot ein Verlust von rund 2 Milliarden $ jährlich. Davon ausgehend kommen wir auf eine Halbierung der Kosten oder eine Verdopplung des Umsatzes pro Nutzer, damit man ohne anzeigenbasierte Werbung einen Break-Even erreicht. Ob das realistisch ist, steht in den Sternen. Möglicherweise hat deswegen OpenAI CEO Sam Altman die Stimmung bezüglich staatlicher Unterstützung getestet.
In einem weiteren Interview letzte Woche beantwortete er Fragen zur möglichen Monetarisierung von ChatGPT. Besonders interessant ist dabei folgender Austausch zwischen Altman und dem Interviewer Tyler Cowen.
Altman: “Again, there’s a kind of ad that I think would be really bad, like the one we talked about. There are kinds of ads that I think would be very good or pretty good to do. I expect it’s something we’ll try at some point. I do not think it is our biggest revenue opportunity.”
Cowen: “What will the ad look like on the page?”
Altman: “I have no idea. You asked like a question about productivity earlier. I’m really good about not doing the things I don’t want to do.”
Die “schlechten” Ads, die von Altman benannt werden, sind solche, wie sie von Google genutzt werden. Er beklagt dabei, dass bezahlt werden kann, um ein schlechteres Ergebnis vor ein besseres zu setzen. Außerdem führt er an, dass die Ads von schlechten Suchergebnissen abhängen.
All diese Argumente sprechen laut Altman dagegen, solche Anzeigen zuzulassen. Wie mein Kollege Philipp bereits schrieb, befindet er sich aber schon seit Längerem auf einer Sliding Scale, was die Ads betrifft. Zur Frage, wie man Umsätze generieren möchte, hat er diesmal den Ball sehr flach gehalten.
“There is a question of, should, many people have asked, should OpenAI do ChatGPT at all? Why don’t you just go build AGI? Why don’t you go discover a cure for every disease, nuclear fusion, cheap rockets, the whole thing, and just license that technology? And it is not an unfair question because I believe that is the stuff that we will do that will be most important and make the most money eventually”
In Zukunft verdient OpenAI also einfach an Lizenzen und Patenten für Kernfusion, günstige Raketen und die Heilung jeder Krankheit. Was sonst? Zumindest sagt Sam Altman, dass er glaubt, diese Dinge werden am wichtigsten sein und irgendwann am meisten Geld einbringen.
Da liegt vermutlich die Crux der gesamten Sache. Abgesehen von der Frage, ob ChatGPT diese Dinge wirklich irgendwann können wird, muss man schauen, ob die Investorenkohle nicht vorher schon komplett abgefackelt wird, wonach es derzeit für mich aussieht. Gerade erst berichtete Edward Zitron, dass OpenAI noch mehr Geld verbrannt hat, als bisher bekannt war.
Stand jetzt sieht es für mich zusammengefasst so aus:
- Es ist immer noch umstritten, wie stark die Reasoning-Fähigkeiten der Modelle sind.
- Langsam gehen uns die Trainingsdaten aus.
- Es verdient noch keiner wirklich Geld mit seinen Tools und
- man ist auch noch sehr weit weg davon, das zu tun.
Wenn ich kurz davor wäre, AGI zu erfinden, müsste ich auch keine KI-Sexchatbots ins Rennen schicken. Nun möchte ich niemandem unterstellen, in einem öffentlichen Auftritt nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Aber in dieser Lage würde ich mich zumindest dazu hinreißen lassen, Werbung in ChatGPT als ganz attraktiv zu bezeichnen. Andere haben hier weniger Befindlichkeiten als ich, denn der OpenAI-Mitgründer Ilya Sutskever sagte über ihn, Altman “exhibits a consistent pattern of lying, undermining his execs, and pitting his execs against one another.”
Insofern ist zumindest Vorsicht geboten, wenn es um seine Aussagen geht. Daher würde ich auch weiterhin nicht ausschließen, dass Ads in ChatGPT auftauchen könnten. Google wollte auch nie böse sein. Am Ende will aber jeder Geld verdienen. Die Frage ist, ob OpenAI es sich noch lange leisten kann, auf Anzeigen zu verzichten. Ich würde nicht davon ausgehen.