Google geht es nicht so gut. Die letzten Quartalszahlen waren nicht gut. Die Aktie hat entsprechend nachgegeben. Und im Antitrust-Verfahren sieht es auch nicht wirklich gut aus.
In den letzten Jahren haben sich durch Risse in der undurchdringbaren Rüstung diverse Schwachstellen ergeben und viel Druck aufgebaut. Heute wird es spannend, denn es findet der nächste Earnings Call von Alphabet für das vierte Quartal 2023 statt.
Gemeinsam mit Johan habe ich mich zu dem Thema ausgetauscht:
Wo drückt bei Google der Schuh und wo muss die Reise hingehen, um den Druck zu lösen?
Wenn man sich intensiv mit dem Thema befasst, ist es viel einfacher zu verstehen, warum Google tut, was es tut. Daher schauen wir in den nächsten Wochen auf einige der zentralen Probleme von Google.
Wir starten mit dem Thema Shopping-Suchen.
Shopping-Suchen an Amazon verloren
Seit Jahren oft Gesprächsthema: Google hat viele Shopping-Suchen an Amazon verloren. Dazu gibt es einige Daten:
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(59%) der Millennials gehen zuerst zu Amazon, wenn sie nach Produkten suchen
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61 bis 74% der europäischen Shopper und Shopperinnen suchen bei Amazon, anstatt auf Google
Der Hauptgrund: Auf Amazon und anderen Plattformen macht die Suche nach Produkten mehr Spaß.
Warum ist das ein Problem?
Shopping-Suchen bringen enorm viel Geld. Wenn Suchende auf Amazon & Co. anstatt Google suchen, fällt viel Umsatz weg. Amazon generiert inzwischen signifikante Werbeeinnahmen mit dem Marketplace-Modell, also auf der eigenen Plattform. Das ist Geld, was Google fehlt.
Zusätzlich baut sich ein Narrativ auf: Google schwächelt im E-Commerce. Das mögen die Shareholder natürlich nicht.
Was kann Google dagegen tun?
Zur Shopping Engine werden und ein entsprechendes Einkaufserlebnis liefern.
Das weiß Google seit Jahren. Und arbeitet unter anderem an folgenden Dingen (vieles nur US-sichtbar):
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Verbesserte Shopping-Suche
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Neue Features für lokales Shopping
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3D-Erfahrungen in den Suchergebnissen
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Virtual Try on Clothes Feature
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Shopping-Interface in der Suche
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Product Grids
Die US-Suchergebnisse gleichen immer mehr einer Kategorieseite. Oft gibt es einen nahtlosen Übergang von einer Kategorie, hin zu den Produkten. Hier mal ein Beispiel:

An der linken Seite gibt es Filtermöglichkeiten, genau wie über den Ergebnissen. Im rechten Bereich findet direkt Kaufberatung statt.
Dazu kommen zahlreiche weitere Features wie z. B.
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Artikel, bei denen schnelle Lieferung oder "schnelle Abholung" möglich sind
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Vorschläge für Marken
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Shops, bei denen andere Personen gekauft haben
Besonders spannend ist das Product Grid. Zu jedem Produkt gibt es Informationen wie beispielsweise Bewertungen, Varianten, Preise und Händler, die das Produkt verkaufen:

Aber das ist nicht alles. Wenn man weiter runterscrollt, wird ein "Top Insights" Panel angezeigt, mit dem Google weitere Informationen zu Produkten aggregiert. Man könnte annehmen, dass das strukturierte Daten sind. Google schafft es aber tatsächlich, unstrukturierte Daten in strukturierte Form zu bringen.
Hier mal ein Beispiel:

Die Informationen zum Thema Komfort beim Tragen dieser Kontaktlinse stammen aus einem Artikel, der keine Informationen im Schema Markup hat. Besonders spannend wird es, wenn oder falls die SGE kommt. Vor ein paar Monaten hat Google ein neues Layout in der SGE eingeführt. Meistens getriggert durch generische Keywords, bei denen aktuell Kategorieseiten in den Suchergebnissen dominieren, wie beispielsweise "running shoes":

Auch diese Ansicht ähnelt immer mehr einer Kategorieseite mit Kacheln, um entweder direkt Produkte anzusteuern, oder einen Schritt weiterzugehen und in eine darunterliegende Kategorie abzutauchen.
In dem Beispiel "running shoes" stehen Marken im Vordergrund. In anderen Fällen können es auch unterschiedliche Stilvarianten sein. Bei Sonnenbrillen zeigt Google bestimmte Formen, wie z. B. Fliegerbrillen, die auch in einer Kachel angeordnet sind und einen tieferen Einstieg in eine feinere Kategorie ermöglichen.
Kommt die SGE wirklich? Ich denke nur dann, wenn klar ist, dass sie sich umsatzneutral oder -positiv auswirkt. Dafür sind die Umsätze aus Suchanzeigen zu wertvoll. Mehr zu dem Thema hörst Du im SEOSenf Podcast #201
Noch ein Gedanke: Was wäre, wenn man direkt aus Google heraus in den Checkout eines Shops kommt? Auch diese Funktionen testet Google in den USA bereits. Das heißt, Google wünscht sich, dass Suchende bereits bei Google anfangen zu suchen und idealerweise ihre Suche dort auch abschließen. Für die Shops bliebe dann nur noch der Kaufabschluss. Das beschreibt die Idee der "One Stop SERP" – von Anfang bis Ende alles in der Suche abzudecken.
"Produktkauf ist nach Versicherungen und Banken der hochpreisigste Bereich für Anzeigen.
Insgesamt ist E-Commerce also eins der größten Stücke vom Ads-Kuchen.
Mehr Suchen sind gut.
Noch besser sind mehr Suchen aus dem Bereich, der am meisten oder viel Geld verdient."
– Johan von Hülsen
Je länger wir auf der Plattform aktiv sind, desto mehr Werbeanzeigen sehen wir. Vor allem im Shopping-Bereich ist also viel zu holen, wenn wir möglichst lange im Suchergebnis verweilen. Dadurch hat Google auch mehr Kontrolle darüber, was wir sehen.
Was bedeutet das für Dich als SEO?
Es ist nie verkehrt, sich die US-Suchergebnisse anzuschauen, um sich als SEO auf zukünftige Umstände vorzubereiten. Das gilt vor allem für den E-Commerce-Bereich, weil hier die dicke Knete winkt.
Was definitiv zunehmend wichtiger wird: Gute strukturierte Daten und ein sauberer Shopping Feed. Auf der Search Central in Zürich letztes Jahr hat Google immer wieder strukturierte Daten betont und auch davon gesprochen, dass an dem Thema Produktvarianten gearbeitet wird. Vielleicht hat das auch mit dem neuen SERP Feature zu tun, bei dem keine Meta Descriptions zu sehen sind. Stattdessen gibt es unterschiedliche Links in einem Suchergebnis:
Photo Credit: Brodie Clark
Wie immer gilt:
"The general who wins the battle makes many calculations in his temple before the battle is fought.
The general who loses makes but few calculations beforehand."
– Sun Tzu