Es ist schon ein paar Wochen her, dass Andreas hier im Newsletter einen kleinen Aufschlag zu Magi gemacht hat. Unter diesem Codenamen baut Google eine nigel-nagel-neue AI-gestützte Suche. Mittlerweile liest man von ihr unter dem Namen Google Search Generative Experience, kurz SGE. Ich sage auch schon mal voraus, dass SGE das neue Hype-Thema werden und uns die nächsten Monate intensiv begleiten wird.
Eine neue Art zu suchen
Mit SGE will Google die Suche generalüberholen und stützt sich dabei wie viele andere auf KI-Technologie.
"With new generative AI capabilities in Search, we're now taking more of the work out of searching, so you'll be able to understand a topic faster, uncover new viewpoints and insights, and get things done more easily."
schreibt Google Anfang Mai im Blogpost, der erste Einblicke in die KI-gestützte Google Search Generative Experience gewährt.
So sieht's aus
Oberhalb der regulären Suchergebnisse zeigt Google in der SGE eine zusätzliche Box an. Die ist gut erkennbar mit "Generative AI is experimental" gelabelt und enthält eine AI-basiert generierte Antwort auf die Suchanfrage. Die dabei genutzten Quellen sind rechts neben der Antwort verlinkt. Weiter unten werden dann nächste Schritte vorgeschlagen, wie man die Suche weiterführen kann, beispielsweise indem man Followup-Fragen stellt.
Ein Beispiel wie das aussehen kann direkt aus dem Post von Google:

"You'll see an AI-powered snapshot of key information to consider, with links to dig deeper."
"Below this snapshot, you'll see suggested next steps, including the ability to ask follow-up questions, like "How long to spend at Bryce Canyon with kids?""
"When you tap on these, it takes you to a new conversational mode, where you can ask Google more about the topic you're exploring."
"Context will be carried over from question to question, to help you more naturally continue your exploration."
"You'll also find helpful jumping-off points to web content and a range of perspectives that you can dig into."
Vertikale Suche & Konversationen
Die vertikale Suche ist auch direkt integriert, so ist beispielsweise auch eine Suche nach Produkten möglich. Dafür bedient sich SGE direkt an den Product Listings aus dem Google Shopping Graph.
Okay. Und jetzt?
Für alle, die diese Meldung erstmal voller Enthusiasmus aufgenommen haben, hat Google in der Ankündigung vom 10. Mai die Bremse angezogen: SGE ist erstmal nur im sogenannten Search Lab und nur in den USA verfügbar. Na klar, soll ja erstmal in überschaubaren, aber relevanten Rahmen ausprobiert und optimiert werden:
"incorporate feedback and continue to improve the experience over time"
Die ein oder andere Beschwerde oder zumindest kritische Rückmeldung hat es zumindest schon gegeben.
Ein Ende der Testphase ist offenbar aber schon in Sicht, wie Barry Schwartz hier "enthüllt": Im Dezember 2023.
Falls Du neben dem Blogpost noch tiefer eintauchen magst, ist vielleicht das Paper A new way to search with generative AI - An overview of SGE für Dich interessant. Auf knapp 20 Seiten hat Google etwas genauer aufgedröselt, was dieses SGE eigentlich ist, wie es funktioniert und was es dazu sonst noch zu sagen gibt. Eigentlich für alle SEOs eine Pflichtlektüre!
Wenn Video mehr Dein Medium ist, kannst Du Dir auch den Search Part der Google I/O Keynote anschauen.
Was sagt die SEO Welt zu Google SGE?
Na klar, wenn Google sowas raushaut, stürzen sich die SEOs drauf und nehmen sofort auseinander, was irgendwie geht. Wir haben verschiedene Takes für Dich zusammengestellt:
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Marie Haynes hat sich ein paar SGE-Screenshots genauer angeschaut und wie man sieht, wird die Search Generative Experience hier und da großzügig mit Ads gewürzt.
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Brodie Clark freut sich darüber, dass Featured Snippets nicht von der SGE geschluckt werden, sondern neben ihr koexistieren. Außerdem liefert er ein paar weitere Details dazu, wie die SGE in der SERP integriert wird: Zum einen gibt es einen "Converse" Tab im Vertical Search Menu, zum anderen muss die KI-basierte Antwort durch Klick auf den "Generate" Button erst angefordert werden. Brodie betont außerdem vor allem das Potenzial für Online-Shops, das sich seiner Meinung nach durch SGE bietet.
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Barry Schwartz steuert ebenfalls einen Twitter-Thread bei, den Du aber auch als Artikel zusammengefasst bei Search Engine Land lesen kannst. Er listet einige Features auf, die ihm gefallen, wie z. B. das Expansion Feature der Antworten, zahlreiche organische Links, die Followup-Fragen und teilt eine ganze Menge Screenshots zu verschiedenen Queries, die man sich anschauen kann.
"I do like how you can expand the answers and look at all those snackable organic/free links you can click on..."
"The follow-up answers are pretty good..."
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Ross Hudgens sieht die Sache mit SGE etwas anders und fällt ein eher vernichtendes Urteil, demnach SGE in der aktuellen Form noch einiges zu verbessern hat, bevor es livegeht. Er hat ein etwa 30 Minuten langes Video aufgenommen, in dem er uns durch seine persönliche Google Search Generative Experience nimmt. Daraus nehme ich z. B. mit, dass die Farbe, in denen der SGE-Teil hinterlegt ist, von Query zu Query unterschiedlich ist, aber man noch keine Muster herleiten kann, worauf genau das basiert und die einem dabei helfen könnten, möglichst kontrastreiche Thumbnail-Pics auszuwählen, falls man rechts als Quelle verlinkt wird. Ross befasst sich auch mit der User Experience und zeigt auf, dass der Fokus sich verschiebt, je nachdem in welcher Form die Inhalte links präsentiert werden. Außerdem kritisiert er, dass der Inhalt der SGE sich mitunter mit den darunter folgenden organischen Inhalten doppelt oder man zu verschiedenen Frage-Zeitpunkten auf den gleichen Query unterschiedliche Antworten bekommt.
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Kevin Indig hat sich selbstverständlich auch intensiv mit Googles neuestem Spielzeug befasst und Kevin wäre nicht Kevin, wenn er sich nicht auch mit strategischen Aspekten eingehend beschäftigen würde. So beinhalten seine 11 Realisierungen auch Gedanken zu Rechenressourcen, Kosten, Caching, usw. – es lohnt sich definitiv, da mal reinzuschauen!
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Aleyda Solis darf natürlich nicht fehlen. Ähnlich wie Ross äußert sie sich kritisch zu den sich teils wiederholenden Elementen und der mitunter fragwürdigen User Experience. Außerdem ist es nicht besonders hilfreich, wenn der Intent des Queries nicht im SGE Result getroffen wird.
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Cyrus Shepard beleuchtet nochmal einen anderen Aspekt, der auch nicht uninteressant ist: Bei manchen Queries werden wohl keine AI-generierten Ergebnisse getriggert, so beispielsweise bei Rezepten. Bei einigen seiner Beispiel-Screenshots sehen wir ja aber trotzdem den "Generate"-Button, was für mich nicht das Gleiche ist wie ein Query, zu dem die Search Generative Experience in keiner Form sichtbar ist.
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Eric Ravenscraft schlägt ein wenig in die gleiche Kerbe wie Ross und führt uns durch ein sehr konkretes Beispiel. So ist die Antwort zu seiner Frage ziemlich generisch und nicht wirklich hilfreich, schiebt die guten regulären organischen Ergebnisse aber nach unten. Doof: Auch die Tatsache, dass in der SGE der Inhalt der originalen Quelle teils 1:1 übernommen wird, ist nicht wirklich fair, findet Eric.
"I've been in Google's beta test for generative AI search results. I've also been playing Tears of the Kingdom."
"I wanna talk about how this is a perfect example of how this new approach makes search results way, WAY worse."
"And that's before we even get to the errors."
"Even when the information is accurate, it's taking up space from real human responses."
"When they work, it's because they're literally copying the results they're pushing down the page."
"When they don't, they're irrelevant and make it harder to find the info I actually need. Or worse, they're wrong"
Die ein oder andere Einschätzung teilen sich verschiedene der erwähnten SEOs, an anderen Stellen gibt es Widersprüche und wir müssen uns wohl noch etwas gedulden, um zu sehen, wer den richtigen Riecher hatte.
Wenn Du Dich jetzt fragst: Und was ist unser Take? Dann schau' doch mal, was Johan dazu für Dich ausprobiert und geschrieben hat!