Google hat seinem Discover-Feed ein Update spendiert, das auf den ersten Blick harmlos wirkt – ein kleiner “Folgen”-Button.
Auf den zweiten Blick ist es allerdings ein ziemlicher Gamechanger. Discover bewegt sich langsam von “Google empfiehlt Dir was” hin zu “Du abonnierst aktiv Inhalte”.
Mit dem neuen „Folgen“-Button kommt eine Funktion nach Deutschland, die das Produkt stärker in Richtung Social Feed verschiebt. Für Publisher ist das mehr als nur ein Feature-Update: Es verändert die Mechanik von Reichweite, Nutzerbindung und Traffic. Bisher gab es den Button nur in anderen Ländern. Ich hatte ihn beispielsweise während meiner Afrika-Reise kurz, in den USA gibt es ihn auch schon länger. Search Engine Journal hat im September letztes Jahr darüber berichtet, dass das neue Feature ausgerollt wurde.
User können nun nicht nur Quellen folgen, sondern sich auch alle Artikel des Publishers anzeigen lassen, indem sie im Feed auf den Publisher klicken. Funfact: Ich bekomme nicht für alle Publisher so eine Übersicht wie für mein liebstes Gartenmagazin. Für einige Publisher erhalte ich weder eine Aufschlüsselung nach Beitragsart noch eine Angabe der Followerzahl oder der anderen Kanäle der Publikation.
Wie funktioniert das nun also genau? Bisher konnten Nutzer und Nutzerinnen, sofern gewünscht und eingeloggt, ihre Interessen in den Google Einstellungen angeben. “Mithilfe deiner Interessen werden Discover, deine Benachrichtigungen und andere Google-Produkte personalisiert.” – bei mir steht dort also beispielsweise, dass ich mich für Kochen und Backen interessiere, für Fußball – vor allem den HSV ;), Gartentipps, Kindererziehung, Suchmaschinenoptimierung und noch mehr… Bei den Support-Artikeln von Google ist dies natürlich genauer dokumentiert.
Google wertet zusätzlich u.a. das Suchverhalten und Daten über die Standorte aus und bastelt daraus dann einen personalisierten Feed zusammen. Ich persönlich finde das ziemlich gut. So erhalte ich auf Reisen (ich mache gern Roadtrips) meistens Tipps für Ausflüge und Sehenswürdigkeiten, wenn ich an einem neuen Ort ankomme. Auch werde ich das ganze Jahr kontinuierlich daran erinnert, was ich im Garten zu tun habe oder welche Fehler ich auf jeden Fall vermeiden sollte ;) Ja, ich gebs zu: Mich catchen solche Artikel. :D
Nun kann ich also auch aktiv Quellen folgen – toll! Ich kann aber noch keinen einzelnen Bereichen von Publishern folgen, wie z. B. https://www.mopo.de/sport/hsv/. Wenn ich also der Hamburger Morgenpost folge, dann erhalte ich mit etwas Pech auch Meldungen aus dem Bereich https://www.mopo.de/sport/fc-st-pauli/. Aber auch das ist kein Problem, denn über die drei Punkte am Artikel kann angegeben werden, welche Themen einen nicht interessieren. Zumindest theoretisch.
Ein Beispiel: In meinem Discover Feed hatte ich den Artikel Gemüsebeete vorbereiten. Nicht ganz mein Thema – ich habe ein Hochbeet, aber das ist an dieser Stelle egal. Ich kann angeben, welche Themen mich nicht interessieren. Zur Auswahl stehen mir: Nutzgarten, Gartenarbeit, Beet oder Gemüsebeet.
Die spannende Frage ist nun: Woher zieht sich Google diese Themen?
Der Artikel ist per structured data nach schema.org ausgezeichnet als Article und enthält den gesamten Artikelinhalt. Schwerpunktthemen sind nicht angegeben. Die angegebenen Themen, die Google mir vorschlägt, sind also nicht diejenigen, die in den strukturierten Daten ausgezeichnet sind. Denkbar wäre hier eine Auszeichnung der Themen als “about” oder “keywords”. Eventuell sogar eine articleSection, aber nichts davon ist gepflegt …
Schauen wir uns ein anderes Beispiel an. Ich hoffe, Du hast grad keinen Hunger. Von Leckerschmecker wird mir ein Rezept für Käsebällchen angezeigt. Hier kann ich keine Auswahl treffen – dabei wäre es doch spannend, anzugeben, dass ich vielleicht kein Interesse an Airfryer-Rezepten habe, oder vielleicht an Käse? (Nein, das könnte mir niemals passieren!)
Das Rezept ist über die strukturierten Daten als Rezept klassifiziert und gibt alle Steps und benötigten Zutaten an. Hier werden sogar Keywords und Sections angegeben – diese schlägt mir Google aber, wie im Screenshot zu sehen, nicht vor.
Es scheint also, dass Google die Inhalte verarbeitet und die Themen selbst herauszieht. Warum nicht immer konkrete Themen angezeigt werden, bleibt noch offen – aber ich forsche weiter… und halte Dich auf dem Laufenden, wenn sich etwas Neues ergibt.