Ich bin neue Gartenbesitzerin und als diese stelle ich mir die Frage: Sähe ich überall pflegeleichten Rasen und pflanze eine Thuja-Hecke, damit einfach alles schön grün ist oder nehme ich mir zu Beginn etwas mehr Zeit für die Gartenplanung und wähle verschiedene insektenfreundliche Pflanzen, um später einmal neben dem ganzen Grün viele bunte Schmetterlinge und dicke Hummeln beim Nektar naschen zu beobachten?
Falls Du Dich jetzt fragst, was diese Botanik-Frage in einem SEO-Newsletter zu suchen hat: Genau diese Frage kann ich auch in Bezug auf Webseiten stellen.
Möchte ich wirklich 30 verschiedene Schriftarten, auf der Startseite einen Slider mit fünf 100 MB großen Bildern und generell die JavaScript-Datei, von der ich eigentlich nur 50% brauche? Oder möchte ich neben der Optik auch bei meiner Webseite direkt auf mehr Nachhaltigkeit achten? Da das Internet – wäre es ein Land – zu den Top 5 Umweltverschmutzern zählt, plädiere ich an dieser Stelle stark für die insektenfreundliche Webseite.
Ende August hat die Sustainable Web Design Community Group des World Wide Web Consortiums einen ersten Draft der Web Sustainability Guidelines (WSG) herausgebracht und damit den Entwurf eines Regelwerks für nachhaltigere digitale Produkte und Dienstleistungen geschaffen. Und auch, wenn es sich nur um einen Entwurf und noch nicht um einen Standard handelt, lohnt sich ein Blick in die darin enthaltenen 93 Richtlinien und 232 Erfolgskriterien, die sich in die Kategorien
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User Experience Design
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Web-Entwicklung
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Hosting, Infrastruktur und Systeme
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Geschäftsstrategie und Produktmanagement
aufteilen.
Damit Du nicht alles selbst lesen musst (was ich Dir dennoch wärmstens ans Herz lege), habe ich hier ein paar Beispiele aus dem WSG-Draft gesammelt, die für Dich und mich als SEOs interessant sind.
Ausgewählte Maßnahmen für nachhaltigere Websites
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Reduziere Ladezeiten, Anzahl an Serveranfragen, DOM-Größe
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Minifiziere CSS und JS
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Teile JS-Dateien auf, sodass nur jeweils der notwendige Teil geladen wird
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Lösche ungenutzten Code, halte ihn aktuell und prüfe regelmäßig die Sicherheit Deiner Webseite
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Verwende HTML korrekt
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Komprimiere Dateien, die auf Deinem Server liegen
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Cache Deine Website
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Nutze ein klares, ablenkungsfreies, einfach zu verstehendes Design und bekannte Muster
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Überlege, ob Du Videos, Audiodateien und Bilder tatsächlich immer brauchst
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Kein Autoplay!
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Achte auf eine einfache, gut strukturierte Navigation
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Biete eine interne Suche und eine menschenlesbare Sitemap an
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Korrigiere regelmäßig Fehlerseiten und Weiterleitungen
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Nutze keine dark patterns, die User manipulieren und zu einem bestimmten Verhalten verleiten
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Erhebe nur Daten, die Du wirklich brauchst
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Schreibe einfach zu verstehende Texte
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Mach Deine Webseite barrierefrei
Ziel ist es, dass sich User möglichst schnell und einfach auf Deiner Webseite zurechtfinden. Denn je länger Menschen vor leuchtenden Bildschirmen sitzen oder je mehr Dateien sie beim Aufruf Deiner Webseite laden müssen, desto mehr Energie verbrauchen sie.
Klar, kannst Du nicht alle Maßnahmen von heute auf morgen umsetzen. Aber wenn das nächste Feature entwickelt wird oder die Arbeit am Relaunch der Webseite startet, ist dies ein guter Zeitpunkt, um Deine Website nachhaltiger zu gestalten.
Das Ganze ist nicht nur für die User Deiner Website gut. Setzt Du die oben genannten Maßnahmen um, senkst Du auch Deine eigenen Energiekosten, erhöhst die User-Zufriedenheit und erschließt durch eine bessere Barrierefreiheit eine neue Zielgruppe.
Also: Raus in den Website-Garten! Schnapp Dir eine Schaufel und ersetz den ungenutzten JS-Datei-Rasen, reduziere die heißen Schotter-Ladezeiten und pflanz stattdessen UX-freundliche Designs und blühende Navigationen.